«In aller Stille, quasi durch die Hintertür, wollen sie ein Pferdesportzentrum bauen»: St.Galler Naturschützer bäumen sich auf

Der Reitclub will ein nationales Pferdesportzentrum ins Gründenmoos holen. Am Vorgehen wird nun Kritik laut.

Sandro Büchler
Merken
Drucken
Teilen
Die Stadt St.Gallen übernimmt im September von der Migros die Sportanlagen im Gründenmoos.

Die Stadt St.Gallen übernimmt im September von der Migros die Sportanlagen im Gründenmoos.

Bild: Michel Canonica

Geht es nach dem Präsidenten des Reitclubs St.Gallen, soll neben Bern und Avenches auch in St.Gallen bald ein nationales Pferdesportzentrum entstehen. Zusammen mit dem CSIO, einem Architekten und einem Vertreter des Verbands Ostschweizerischer Kavallerie- und Reitvereine (OKV) haben die Reiter eine Interessengemeinschaft gegründet und suchen nach einem Standort für das Reitzentrum.

Ein erster Anlauf der Rösseler im Breitfeld hatte Anfang 2019 Schiffbruch erlitten. Dies weil Natur- und Umweltverbände – darunter massgeblich der städtische Naturschutzverein – gegen solche Pläne in einem Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung opponierten.

Jetzt unternehmen die Reiterinnen und Reiter einen zweiten Anlauf im Westen der Stadt. Im Visier haben sie das Gründenmoos östlich des Fussballstadions. Hier betreibt die Migros derzeit eine Tennishalle und Tennisplätze; der Grossverteiler zieht sich aber auf Ende September zurück. Das im Baurecht abgegebene Areal fällt damit zurück an die Stadt.

Vorwurf der Heimlichtuerei

«Das Areal würde passen», sagt Reitclub-Präsident Bruno Brovelli. Für die künftige Nutzung hat der Reitclub St.Gallen deshalb der Stadt das Projekt des Nationalen Pferdesportzentrums Ost eingereicht. Es ist eine von über 20 Ideen für das Areal zwischen Winkeln und Abtwil. Die Stadt ist daran, die Eingaben zu sichten. Bis Ende Februar will sie über das weitere Vorgehen bei der Vergabe informieren.

Robert Schmid, Präsident Naturschutzverein Stadt St.Gallen und Umgebung

Robert Schmid, Präsident Naturschutzverein Stadt St.Gallen und Umgebung

Bild: Urs Bucher

Kritisch beurteilt die Idee der Reiterinnen und Reiter Robert Schmid, Präsident des Naturschutzvereins Stadt St.Gallen und Umgebung (NVS). Er verstehe nicht, wieso der Reitclub nach der Abfuhr im Breitfeld diesmal vor der Projekteingabe an die Stadt nicht das Gespräch mit dem Naturschutz gesucht habe.

«In aller Stille, quasi durch die Hintertür, wollen sie ein Pferdesportzentrum bauen.»

Schmid stört die Heimlichtuerei. Er wirft dem Reitclub mangelnde Professionalität vor. Wenn man Kritiker ins Boot holen wolle, solle man im Vorfeld mit ihnen sprechen. «Besonders wenn das Vertrauen bereits angekratzt ist.»

Vorgemacht hätten es die Organisatoren des Eidgenössischen Schwingfests, das 2025 auf dem Breitfeld stattfinden wird. «Sie sind auf uns zugekommen und haben das Projekt vorgestellt», lobt Schmid. Obwohl das Schwingfest nicht eben als naturfreundlich bezeichnet werden könne, habe man so Kompromisse erarbeiten können.

Höherer Nutzungsdruck befürchtet

Schmids harsche Kritik an den Plänen des Reitclubs hat noch einen zweiten Grund. Denn der NVS-Präsident befürchtet, dass sich der Reitclub rund ums Gründenmoos ausbreiten und dieses für sich vereinnahmen werde.

«Dann gibt es grosse Turniere und sie reiten durch die umliegenden Wälder.»

Zudem führten Pferdetransporte und der Betrieb des Zentrums zu zahlreichen Lastwagenfahrten. «Viel mehr Verkehr als durch die Tennisanlage heute.» Der Nutzungsdruck, den ein Reitzentrum ins ökologisch wertvolle Areal Gründenmoos, Breitfeld und Neuchlen-Anschwilen bringen würde, beurteilt Schmid skeptisch.

Bruno Brovelli, Präsident Reitclub St.Gallen

Bruno Brovelli, Präsident Reitclub St.Gallen

Bild: PD

Dem widerspricht der Reitclub-Präsident. Das Projekt soll für die Ausbildung von Pferdesportlern in Dressur, Springen, Fahren, Westernreiten und Voltige von der Basis bis zur Elite zur Verfügung stehen: «Da hinkt die Ostschweiz im Vergleich zu restlichen Schweiz hinten nach.» Dafür reiche die Fläche aus, auf der jetzt noch die Tennisplätze sind.

«Die Tennishalle würde zu einer Reithalle umfunktioniert, draussen einen Sandplatz gebaut – mehr nicht.»

Auch würden die Profireiter innerhalb des Trainingsgeländes bleiben und nicht ins Gelände ausreiten. Mehr will Brovelli nicht sagen, um das Projekt nicht zu gefährden. Er versteht Schmids Aufregung nicht. Das Gebiet sei bereits eingezont für Sportanlagen. «Eigentlich betrifft dieses den Naturschutzverein gar nicht.»

Schlagabtausch per E-Mail

Trotzdem hat der Reitclub-Präsident am Mittwoch eine E-Mail an Schmid geschrieben und sich gesprächsbereit gezeigt. Brovelli äussert gleichwohl sein Befremden. Dass er quasi den NVS um Erlaubnis für die Bewerbung auf das Gründenmoos-Areal fragen müsse, sei «verwegen». In der Antwort darauf, erneuert Schmid seine Kritik am Freitag. Seitdem herrscht Funkstille.

Bei dem Vorhaben des Nationalen Pferdesportzentrums Ost steht St.Gallen in Konkurrenz mit Frauenfeld und Dielsdorf. Über den Standort will der OKV an der Delegiertenversammlung Ende 2020 entscheiden.