Imagekampagne
«Sankt Sparbedarf» und Zahnpasta: Stadtparlament St.Gallen sagt nach lustvoller Debatte Ja zur «Sankt»-Kampagne

Mit einer dreijährigen Kampagne sollen Zuzüger angelockt werden. Das Stadtparlament genehmigte den Kredit über 400'000 Franken nach einer fast stündigen Debatte. Den Schlusspunkt setzte Stadtpräsidentin Maria Pappa mit einem flammenden Votum – samt Zahnpastavergleich

Marlen Hämmerli
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«Sankt Backfrisch» ist nur ein Beispiel: Die Aufkleber der Imagekampagne prangen an unzähligen Schaufenstern.

«Sankt Backfrisch» ist nur ein Beispiel: Die Aufkleber der Imagekampagne prangen an unzähligen Schaufenstern.

Bild: Ralph Ribi

An die Sankt-Kampagne können alle andocken, betonte Stadtpräsidentin Maria Pappa vergangene Woche («Tagblatt» vom 18. Mai). Dass dem so ist, bewiesen am Dienstagabend mehrere Stadtparlamentarier. Von «Sankt Richtiggut» war die Rede, aber auch von «Sankt Sparbedarf». Denn am Zeitpunkt und an der Imagekampag­ne selbst wurde Kritik laut von links. Die Fraktion der Grünen/Jungen Grünen legte einen Abänderungsantrag vor. Das Parlament solle nur 200000 Franken für die Kampagne sprechen, die über drei Jahre laufen sowie Zuzügerinnen und Zuzüger anlocken soll.

Das Anliegen hatte aber keine Chance. Es unterlag gegen den Antrag des Stadtrats mit 38 Ja- bei 19 Nein-Stimmen. In der Schlussabstimmung stellten sich dann 37 Parlamentarier hinter den Stadtrat und den Kredit über 400000 Franken. 16 sprachen sich dagegen aus. Der Abstimmung war eine lustvolle Diskussion vorausgegangen.

«Realitätsverweigerung» der Grünen und Spardruck

Die Geschäftsprüfungskommission hatte den grünen Abänderungsantrag abgelehnt, mit Stichentscheid des Präsidenten Andreas Dudli (FDP). Kein Wunder, sprach sich Dudli jetzt für den Kredit aus. Die FDP/JF-Fraktion unterstütze den Antrag einstimmig, sagte Sprecher Konstantin Hälg. «Die Stadt ist auf neue Arbeitgeber und Zuzüger – also Steuersubstrat – angewiesen. Die Haltung der Grünen ist Realitätsverweigerung.»

Konstantin Hälg, Stadtparlamentarier (JF).

Konstantin Hälg, Stadtparlamentarier (JF).

Bild: PD

Grundlage für die Weiterführung der Kampagne war die Befragung von Zu- und Wegzügern. Resultat: Viele Zuzüger unterschätzen die Qualitäten der Stadt. Die Fraktion der Grünen und Jungen Grünen habe Zweifel, ob auf dieser Grundlage die Kampagne in die richtige Richtung gehe, sagte Clemens Müller. «Offenbar müssen vor allem die Bedingungen verbessert werden, die das Verweilen attraktiv machen.»

Clemens Müller, Stadtparlamentarier Grüne.

Clemens Müller, Stadtparlamentarier Grüne.

Bild: PD

Zum einen scheine ein Sankt-Budget, bei dem fast die Hälfte der Finanzierung in den Wolken stehe, zu wenig seriös. Zum andern:

«Zwischen Sankt Imagepflege und Sankt Sparbedarf hält die Fraktion es gegenwärtig für klüger, Zurückhaltung zu üben.»

Dem widersprach René Neuweiler für die SVP-Fraktion. Diese war für einmal nicht fürs Sparen. Die SVP störe sich vor allem an der Motivation der Grünen, sagte Neuweiler – und fügte mit Blick etwa auf künftige Kulturvorlagen an: «Das werden wir uns merken und künftig bei gewissen Vorlagen mit unsicherer privater Beteiligung ebenfalls Kürzungsanträge stellen.»

René Neuweiler, Stadtparlamentarier SVP.

René Neuweiler, Stadtparlamentarier SVP.

Bild: PD

Ein Zahnpastavergleich zum Schluss

Das Konzept sei «Sankt Richtiggut», sagte Beat Rütsche (CVP). Wie FDP/JF und SVP befürwortete auch die CVP/EVP-Fraktion die Kampagne. St. Gallen müsse selbstbewusst auftreten und sich vermarkten. «Halbe Sachen dienen der Sache nicht», hielt Fraktionssprecher Rütsche fest.

Beat Rütsche, CVP-Stadtparlamentarier.

Beat Rütsche, CVP-Stadtparlamentarier.

Bild: PD

«Das Image von St.Gallen ist angestaubt», stellte Philipp Schönbächler für GLP und JGLP fest. Die Fraktion sei gespalten. Unter anderem vermisse sie klar messbare Ziele. «Wäre das Geld vielleicht besser ins Produkt St.Gallen investiert?»

Philipp Schönbächler, Stadtparlamentarier GLP.

Philipp Schönbächler, Stadtparlamentarier GLP.

Bild: PD

Auch in der SP/PFG/Juso-Fraktion gebe es verschiedene Sichtweisen, sagte Chompel Balok (SP). Die Mehrheit der Fraktion spreche sich gegen die Vorlage aus.

Stadtpräsidentin Maria Pappa weibelte zum Schluss für Zustimmung. «Hören wir auf, uns zu unterschätzen. Hören wir auf, uns nur auf unsere Schwächen zu konzentrieren.»

Stadtpräsidentin Maria Pappa.

Stadtpräsidentin Maria Pappa.

Bild: Tobias Garcia

Natürlich könne man sich als Stadt verbessern, das sei aber nicht Teil der Kampagne. Es gehe darum, nach aussen die Stärken der Stadt bekanntzumachen, sagte Pappa und verglich St.Gallen mit Zahnpasta: «Wenn sie vor einem Regal stehen und etwas Neues ausprobieren wollen, zu welchem Produkt greifen sie? Vielleicht zu jenem, das sie aus der Werbung kennen.»