«Die Hälfte des Kapitals haben wir beisammen»: Im St.Galler Güterbahnhofareal erwacht die Veranstaltungshalle «Hektor» zum Leben

Vis-à-vis vom Lattich entsteht im Güterbahnhof eine neue Veranstaltungshalle. Noch nicht ganz geklärt ist ihre Finanzierung.

Sandro Büchler
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Im Untergeschoss der Zwischennutzung Hektor im Güterbahnhof sind Garderoben, WC- und Duschanlagen sowie Vorbereitungsräume und ein Backstage geplant.
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Die Veranstaltungshalle «Hektor» befindet sich im Gebäude des Güterbahnhofs. Im Bild erkennbar an den pyramidenförmigen Glaskuppeln. Rechts im Bild, in gelb, das Lattich-Gebäude.
Blick ins kahle Untergeschoss.
Mit einer Hebebühne wird im Innern an der Decke gearbeitet.
Die rund 17 Zentimeter dicken Kalksteinwände absorbieren viel Schall.
Im Untergeschoss ist es staubig. Zudem ist Baumaterial gelagert.
Ein Arbeiter bringt Betonschutt weg.
Die Finanzierung für die Veranstaltungshalle soll bis Ende März geklärt sein.
Die Uhr erinnert an frühere Zeiten.
Lampen, die für Veranstaltungen genutzt werden können.
Bei den Toren werden Schallschutztüren eingebaut.
Der westliche Drittel des Dachs soll im April um sechs Meter angehoben werden.
In der Halle fand man wahre Schätze...
...etwa diese Schiefertafel, oder...
...diese alten Schneidmaschinen. Sie wollen die Hallenbetreiber künftig als Interieur benutzen.
Trotz einem Heizgebläse ist es in der Halle noch relativ kühl.

Im Untergeschoss der Zwischennutzung Hektor im Güterbahnhof sind Garderoben, WC- und Duschanlagen sowie Vorbereitungsräume und ein Backstage geplant.

Michel Canonica

Ein Bagger hämmert im Untergeschoss einen Betonvorsprung weg. Es ist staubig und lärmig. Die Bauarbeiter tragen Schutzmasken und Gehörschutz. Mit den Stirnlampen, mit denen einige ausgerüstet sind, erinnert die Szenerie an ein Bergwerk.

In der Halle im St.Galler Güterbahnhof, wo früher Güter gelagert und verladen wurden, entsteht in den kommenden Monaten «Hektor», eine Veranstaltungshalle mit 1100 Quadratmetern und Platz für bis zu 1800 Personen. Für Theater-, Musical- oder Comedyproduktionen, Konzerte, Generalversammlungen. Auch für Tanzkurse, Modeschauen, Rollschuhparcours und Sportvereine soll die Halle offenstehen. «Im Hektor ist fast alles möglich», sagt Céline Fuchs. Die 39-jährige Engelburgerin realisiert zusammen mit dem 41-jährigen St.Galler Walter Boos und zwei Mitstreitern den «unkonventionellen» Umbau.

Céline Fuchs und Walter Boos stehen hinter dem «Hektor»-Projekt

Céline Fuchs und Walter Boos stehen hinter dem «Hektor»-Projekt

Bild: Michel Canonica

Unkonventionell deshalb, weil das Team mit kleineren Umbauarbeiten begonnen hat und parallel an der Restfinanzierung arbeitet. Bereits füllt sich auch der Veranstaltungskalender. «Das ist ein Spagat.»

Noch werden Aktionäre gesucht

Mitte des kommenden Jahres soll die Halle ihren Betrieb aufnehmen. Fuchs und Boos sind im Schnellzugstempo und zweigleisig am Werk. Während erste Umbauarbeiten im Innern bereits gestartet wurden, stellen die beiden die Finanzierung mit einer Aktiengesellschaft sicher.

Vier Millionen Franken sind budgetiert. Mitte Oktober hat die Stadt St.Gallen ein zehnjähriges Darlehen von 500000 Franken zugesichert. «Wir sind in einer heissen Phase», sagt Boos. Denn aktuell würde zahlreiche Gespräche mit potenziellen Aktionären laufen.

«Die Hälfte des Kapitals haben wir beisammen.»

Für den Rest sind Aktionäre und Darlehensgeber mit mittleren bis grösseren Beiträgen gesucht. Bis Ende März wollen die Initianten die Finanzierung beisammen haben. «Wir sind uns bewusst, welch ‹grosse Geschichte› wir uns da ausgesucht haben», sagt Fuchs.

Sie ist froh um den Goodwill, den sie rundum – von Baufirmen und Behörden – erhalten.

«Die Zusage der Stadt hat enorm viel ins Rollen gebracht und uns Mut gemacht.»

Fuchs bezeichnet die Stadt als Verbündete. Eine Halle in dieser Grösse sei für die Stadt ein grosses Bedürfnis. Und mit ihrem Industriecharakter, den man bewahren wolle, treffe sie den Zeitgeist. «Hektor», benannt nach dem antiken, griechischen Helden, biete St.Gallen eine neue Alternative.

Kies im Dach soll die Lärmemissionen verringern

Wird die Baubewilligung erteilt, verändert sich die Halle im April merklich. Denn das Dach des westlichen Drittels soll um sechs Meter angehoben werden. «Erst mit diesem Holzaufbau werden grosse Produktionen möglich.»

Boos sagt, er sei von Anwohnern und Interessierten oft auf den jahrelangen Streit zwischen dem Kugl und einem Anwohner angesprochen worden. «Die Lärmthematik nimmt deshalb einen grossen Stellenwert ein bei der Planung.» Die Abklärungen zu den Lärmemissionen haben denn auch viel Zeit in Anspruch genommen. «Einerseits absorbieren die dicken Kalksteinwände Schall.» Andererseits werde man Schallschutztüren einbauen. Speziell auch die Decke des Holzaufbaus. «Darin wird eine Schicht von sechs Zentimeter Kies eingefügt, um den Schall zu dämmen», sagt Boos.

«Wohlgemerkt im, nicht auf dem Dach.»

Viel Material für die künftige Halle ist bereits da: Blech für die Aussenverkleidung und Isolationsmaterial stammt aus einer Abbruchhalle im Rheintal, die Küche aus der «Focacceria» und die Deckenplatten aus der renovierten Tiefgarage des Gallusmarkts. Boos und Fuchs versuchen die Kosten tief zu halten. «Und wir wollen mit dem Material nachhaltig umgehen.»

Hinweis: www.hektor.sg

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