Harzige Mietersuche: Im Einkaufszentrum Spisermarkt stehen  noch immer Läden leer

Zweieinhalb Jahre nach der Sanierung fehlen im Spisermarkt noch immer Mieter für Läden und Büros. Die Eigentümerin der Liegenschaft gibt sich zuversichtlich. Währenddessen kündigt sich bereits der nächste Leerstand an.

Christina Weder
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Leere Ladenpassage im Spisermarkt: Links ist das Optikergeschäft bereits wieder ausgezogen, rechts werden noch immer Mieter gesucht. (Bild: Urs Bucher)

Leere Ladenpassage im Spisermarkt: Links ist das Optikergeschäft bereits wieder ausgezogen, rechts werden noch immer Mieter gesucht. (Bild: Urs Bucher)

Es geht ruhig zu und her im Spisermarkt – zu ruhig. Vor mehr als zwei Jahren ist das Einkaufszentrum in der St.Galler Altstadt nach einem Umbau neu eröffnet worden. Und noch immer stehen grosse Verkaufsflächen leer. Auf den Schaufenstern und auf Bildschirmen, die in der Ladenpassage hängen, wird um mögliche Mieter für Laden-, Büro-, Praxis- oder Dienstleistungsflächen geworben. Für Passantinnen und Passanten sind die Leerstände nicht zu übersehen.

Auf Schaufenstern wird um Mieter geworben. (Bild: Urs Bucher)

Auf Schaufenstern wird um Mieter geworben. (Bild: Urs Bucher)

Trotzdem gibt sich die Eigentümerin, die Schweizerische Unfallversicherung Suva, zuversichtlich. Und dies, obwohl die Suche nach Mietern von Anfang an harzte. Im «alten» Spisermarkt waren elf Geschäfte eingemietet. Nach dem Umbau wurde der neue Spisermarkt im März 2017 mit gerade einmal vier Läden eröffnet. Wegen der schleppenden Mietersuche verschoben die Verantwortlichen der Eröffnungstermin damals um drei Monate. Mehr als zwei Jahre später stehen im Erdgeschoss noch immer Läden mit einer Fläche von insgesamt 210 Quadratmetern leer. Im Obergeschoss sind es 465 Quadratmeter, die noch frei sind.

Einer der Mieter zieht 
bereits wieder aus

Suva-Mediensprecher Adrian Vonlanthen will dennoch nicht schwarzmalen. Angesichts der «herausfordernden Situation im Detailhandel» habe man die Vermietung im Spisermarkt gut vorangebracht.

«Wir befinden uns in Verhandlungen mit Mietinteressenten für die letzten beiden Ladenflächen im Erdgeschoss», sagt er.

Was die 465 Quadratmeter im Obergeschoss betrifft, seien die Mietverträge so frisch unterzeichnet, dass die Inserate noch nicht aus dem Internet und von den Bildschirmen in der Ladenpassage entfernt worden seien.

Ein Zettel weist darauf hin: Das Optikergeschäft Vistaggio hat die Türen geschlossen. (Bild: Urs Bucher)

Ein Zettel weist darauf hin: Das Optikergeschäft Vistaggio hat die Türen geschlossen. (Bild: Urs Bucher)

Dennoch zeichnet sich bereits der nächste Leerstand ab. Das Optikergeschäft Vistaggio ist vor kurzem ausgezogen. Anderthalb Jahre war es im Spisermarkt eingemietet. Ende Juni war Schluss. Vistaggio schloss die St.Galler Niederlassung. Die Brillen sind bereits aus den Regalen ausgeräumt, zurückgeblieben ist das Mobiliar. Am Schaufenster klebt ein Zettel, der Kunden auf die Schliessung hinweist.

«Benachbarte leere Läden sind schlecht fürs Geschäft»

Geschäftsführer Matthias Walz nennt auf Anfrage die Gründe für die Schliessung: «Zu wenig Umsatz, zu wenig Frequenz.» Wenn die benachbarten Läden leer stünden, sei das ungünstig fürs Geschäft. Zugespitzt habe sich die Situation, nachdem im Januar die Parkgarage Burggraben wegen Umbaus geschlossen wurde. Das habe sich nachteilig auf die Kundenfrequenz ausgewirkt. Als sich dann die bisherigen Eigentümer der Optikerkette strategisch neu ausrichten wollten, habe man keinen Käufer für den Laden gefunden. Der Spisermarkt sei einfach zu wenig belebt, sagt Walz. Er hätte sich gewünscht, dass Geschäfte wie ein Take-Away-Laden oder ein Coiffeur eingezogen wären, die zusätzliche Kundschaft angelockt hätten.

Auch an der Migros, die sich seit bald zwei Jahren im Untergeschoss befindet, ist die Schliessung der Parkgarage Burggraben nicht spurlos vorbeigegangen. «Wir spüren das vor allem am Wochenende», sagt Mediensprecher Andreas Bühler. Die Kunden, die dann einen Grosseinkauf erledigen, bleiben seither aus. Bühler ist zuversichtlich, dass sie ihre Einkäufe ab Oktober wieder im Spisermarkt tätigen, wenn die Parkgarage wieder öffnet. Geblieben sind die Schüler und Berufstätigen, die sich über Mittag in der Migros verpflegen. Insgesamt zeigt sich der Mediensprecher mit der Kundenfrequenz zufrieden. Sie sei im Vergleich zum alten Standort der Migros am Spisertor wesentlich höher. Angesprochen auf die leer stehenden Ladenflächen im Spisermarkt wünscht aber auch er sich mehr Kundschaft: «Wir erhoffen uns von neuen Mietern, dass sie zusätzliche Frequenzen bringen.»

Sonst wenig Leerstand 
an der Spisergasse

Doch warum hat die Suva so grosse Mühe, Mieter für das frisch renovierte Einkaufszentrum in der Altstadt zu finden? Suva-Mediensprecher Adrian Vonlanthen führt dies darauf zurück, dass die Attraktivität der Lage in den vergangenen Jahren nachgelassen habe. Die Situation sei allgemein für den Einzelhandel schwierig. Die Suva habe deshalb auch am Workshop «Zukunft St. Galler Innenstadt» teilgenommen. Und man versuche mit Anlässen, mehr Leben in den Spisermarkt zu bringen.

Auch dem städtischen Standortförderer Samuel Zuberbühler ist aufgefallen, dass im Spisermarkt noch immer Ladenlokale leer stehen.

«Das ist natürlich schade.»

Zuberbühler glaubt nicht, dass die Spisergasse gegenüber der Multer- und der Neugasse einen Attraktivitätsnachteil hat. So stünden an der Spisergasse im Vergleich zu anderen Altstadtgassen verhältnismässig wenig Läden leer.

Stattdessen führt der Standortförderer die schwierige Mietersuche auf die «grundsätzlichen Herausforderungen in der Innenstadt» zurück. Die Stadt wolle künftig noch stärker Hand bieten, damit sich Mieter und Vermieter schneller finden, sagt er. Man stehe deshalb schon heute in Kontakt mit der Verwaltung des Spisermarkts und habe die leer stehenden Flächen auch auf der städtischen Homepage ausgeschrieben.

Vom Spisertor in den Spisermarkt

Seit Monaten baut die Migros im Spisermarkt um. In drei Wochen eröffnet sie dort ihre neue Filiale. Die Umbaukosten: 2,2 Millionen Franken. Die Migros am Spisertor schliesst hingegen ihre Türen.
Christoph Renn

ST.GALLEN: Suche nach Mietern harzt

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Elisabeth Reisp