Im Rosenbergtunnel rechts überholt, dann 152 statt 80 gefahren: Bedingte Freiheitsstrafe für Raser auf der St.Galler Stadtautobahn

Ein Autolenker hat auf der Autobahn zuerst gedrängelt, dann rechts überholt und ist doppelt so schnell gefahren wie erlaubt. Nebst einer bedingten Freiheitsstrafe erhielt er dafür auch eine bedingte Geldstrafe und eine Busse.

Claudia Schmid
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Der Beschuldigte war mit 152 statt der erlaubten 80 km/h unterwegs.

Der Beschuldigte war mit 152 statt der erlaubten 80 km/h unterwegs.

Bild: Raphael Rohner

Der 35-jährige Fahrer musste sich wegen seiner Raserfahrt vor dem Kreisgericht St.Gallen verantworten. Da er geständig und einsichtig war, wurde er von der Staatsanwaltschaft im abgekürzten Verfahren angeklagt.

Nur wenige Zentimeter Abstand

Der Vorfall ereignet sich am 28 März kurz vor 14 Uhr. Der Mann fährt auf der Stadtautobahn A1 von St. Gallen in Fahrtrichtung Zürich mit rund 90 Stundenkilometern. Er fährt vor dem Rosenbergtunnel einem anderen Auto so nah auf, dass die Fahrzeuge nur noch wenige Meter voneinander entfernt sind. Im Tunnel schert er plötzlich nach rechts aus und startet ein verbotenes Überholmanöver. Zu diesem Zeitpunkt trennt die beiden Fahrzeuge nur noch ein paar Zentimeter Abstand.

Danach folgt der Beschuldigte mit seinem Auto über mehrere hundert Meter einem Van mit einem Abstand von weniger als einer Fahrzeuglänge. Ein Blitzgerät, an dem er vorbeifährt, registriert schliesslich eine Fahrgeschwindigkeit von 152 Stundenkilometern, wobei auf jenem Streckenteil lediglich 80 erlaubt wären.

Selber über Raserfahrt erschrocken

Er habe sich vom Fahrverhalten des vor ihm fahrenden Fahrzeuglenkers provozieren lassen, räumte der Beschuldigte auf die Frage der vorsitzenden Richterin ein. Deshalb habe er sich zu einem derart riskanten Verhalten hinreissen lassen.

Er sei selber erschrocken, als er bei der Polizei die Videoaufnahme seiner Raserfahrt gesehen habe. Während der Fahrt sei ihm die Gefährlichkeit seines Tuns nicht bewusst gewesen.

Laut seinen Aussagen wurde ihm die Fahrerlaubnis für zwei Jahre entzogen. Danach werde er sich an die Verkehrsregeln halten und nicht nur die signalisierte Geschwindigkeit einhalten, sondern sein Fahrverhalten auch der Verkehrssituation anpassen, betonte er.

Einsicht erlaubt bedingt ausgesprochene Strafe

Die Staatsanwältin beantragte eine Verurteilung wegen mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln, Rechtsüberholen auf der Autobahn, ungenügendem Abstand beim hintereinander Fahren, Missachtung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit um 72 Stundenkilometer und qualifizierter grober Verkehrsregelverletzung. Eine bedingt Freiheitsstrafe von 14 Monaten, eine bedingte Geldstrafe von 3900 Franken und eine Busse von 2400 seien gerechtfertigt.

Sein Mandant habe sich von Anfang an kooperativ gezeigt, erklärte der Verteidiger. Er sei einsichtig und durch das Gerichtsverfahren gewarnt. Deshalb sei es richtig, dass die Freiheits- und Geldstrafe bedingt und mit einer Probezeit von zwei Jahren ausgesprochen werde. Auch die Staatsanwältin hatte darauf hingewiesen, dass dem Beschuldigten heute die Gefährlichkeit seines Tuns bewusst sei. Ausserdem sei er nicht vorbestraft und verfüge über einen einwandfreien Leumund.

Verfahrenskosten von 3600 Franken kommen dazu

Das Kreisgericht St. Gallen erhob die Anträge der Staatsanwaltschaft zum Urteil. Die vorsitzende Richterin gab dem Beschuldigten den Rat mit auf den Weg, sich künftig weder im Strassenverkehr noch in anderen Situationen provozieren zu lassen. Der fehlbare Autolenker muss die Kosten des Verfahrens zahlen. Sie betragen 3600 Franken.