Im Rorschacherberger Pflegeheim Pelago herrscht seit einem Jahr Sonderbetrieb

Das Pelago wird saniert, hat aber trotzdem geöffnet. Das fordert die Bewohner und das Personal.

Martin Rechsteiner
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Das Pflegepersonal draussen bei der Rauchpause. Im Vordergrund ein Büro, das derzeit als Kabel-Lager dient.

Das Pflegepersonal draussen bei der Rauchpause. Im Vordergrund ein Büro, das derzeit als Kabel-Lager dient.

Martin Rechsteiner

Offene Kabelschächte, Plastikplanen an den Wänden und Farbgeruch in der Luft. Wer derzeit das Pflegeheim Pelago in Rorschacherberg betritt, sieht sofort: Hier wird gebaut. Eine Malerin steht auf einer Leiter und streicht mit weisser Farbe den Rahmen der Tür zum Treppenhaus. Dieses führt hoch in den ersten Stock, wo derzeit die Rezeption des Pflegeheims provisorisch untergebracht ist.

Ingrid Markart, Geschäftsführerin Pelago

Ingrid Markart, Geschäftsführerin Pelago

PD

«Dort wird der Empfang noch eine Weile bleiben», sagt Ingrid Markart, Geschäftsführerin des Pflegeheims. Noch bis ins Jahr 2021 dauern die Bauarbeiten voraussichtlich. Etappe für Etappe werden die vier Stöcke des Gebäudes saniert, hinter dem Komplex entsteht ein Demenzgarten. Das alles geschieht bei laufendem Betrieb des Heims. 70 Bewohner sind derzeit im Pelago untergebracht.

Zusätzliche Betreuung wegen Baulärm

«Das Pflegeheim ist eine Baustelle und muss trotzdem funktionieren. Das stellt Bewohner, aber auch das Personal vor Herausforderungen», sagt Markart. Insbesondere der Pflegeaufwand steige. «Erklären Sie einer demenziell erkrankten Person einmal Baulärm», sagt sie. Angestellte müssten die Person dann besonders gut betreuen oder ablenken, wenn es einmal laut werde. «Unser Personal leistet hier ganze Arbeit.»

Markart betont, dass man natürlich keinesfalls unvorbereitet an den Umbau herangegangen sei. «Wir haben personell aufgestockt, Abläufe und auch Sicherheitsmassnahmen sind im Detail geplant.» So habe es Schulungen sowohl für das Pflegepersonal als auch für die Bauarbeiter gegeben. «Die Türen zur Baustelle sind stets verschlossen. Die Pelago-Bewohner haben dort nichts verloren, so interessant es für manche von ihnen auch sein mag.»

Mehr Zeit aber nicht mehr Geld

Besonders anspruchsvoll gestalte sich der etappenweise Umzug der Bewohner in unterschiedliche Stockwerke. Gewisse ziehen für eine Zeit zusammen. «Dafür ist viel Geschick und Planung erforderlich», sagt Markart. Generell mussten einige provisorischen Lösungen her.

«Als die Küchenräume vergangenes Jahr renoviert wurden, kochte die Küche eine Zeit lang auf dem Balkon»,

sagt Markart. «Als es im April noch mal richtig kalt war, haben wir Heizstrahler für die Köche aufgestellt.»

In gut einem Jahr soll die Renovation abgeschlossen sein – fünf Monate später als ursprünglich geplant. Laut Markart hat das mehrere Gründe. «Es gab Verzögerungen bei Materiallieferungen, weiter herrschte bei den sanitären Anlagen mehr Sanierungsbedarf als vorgesehen.» Aus Rücksicht auf die Bewohner und Mitarbeiter habe es zudem strikte Zeitfenster für lärmintensive Arbeiten gegeben. «Das hat uns im Zeitplan etwas zurückgeworfen.» Dafür sei man kostenmässig auf Kurs: «Den Baukredit von 9,2 Millionen Franken wollen wir nicht überschreiten. Und da sieht es derzeit gut aus», sagt Markart.

Restaurant seit gestern wieder offen

Im Parterre des Gebäudes fand am Sonntag die Wiedereröffnung des Restaurants Opera statt. «Das war für uns von besonderer Bedeutung», sagt Markart. Das Lokal sei öffentlich und somit ein Treffpunkt der Heimbewohner mit Menschen von aussen. «Im ‹Opera› finden Feste statt, wenn jemand hier Geburtstag hat.» Ganze Familien seien jeweils da. «Das sind wichtige Momente für unsere Bewohner. Momente, die ohne das Restaurant natürlich teilweise gefehlt haben.» Zudem hätten sich immer wieder Externe über die Wiedereröffnung erkundigt.

Obwohl die Sanierung grossen Aufwand mit sich bringt, ist sie laut Markart lohnend. «Das Haus ist 40 Jahre alt, viele Erneuerungen sind bitternötig.» Bei gewissen Dingen komme man auch gesetzlichen Vorschriften nach. So erhält das Gebäude eine Erdbebensicherung. Auch die Raumaufteilung sei anschliessend besser: «Dass der Aufbahrungsraum künftig nicht mehr direkt neben der Küche liegt, wo es nach Essen riecht, dem wird wohl niemand nachtrauern.» Hinweis Das «Opera» ist seit dem 1. März wieder täglich von 9 bis 17.30 Uhr geöffnet.

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Fritz Bichsel