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Über 1000 ehemalige Schüler und Lehrer sind in Mörschwil zum grossen Klassentreffen zusammengekommen

Es ist ein Klassentreffen der Superlative in Mörschwil. Mehr als 1000 ehemalige Primarschüler und Lehrer haben am Freitag im Rahmen des 200-Jahr-Jubiläums der Bürgermusik Erinnerungen aus der Kindheit aufleben lassen. Das dauert – und macht glücklich.
Corinne Allenspach
Mörschwilerinnen und Mörschwiler säumen die Bahnhofstrasse und applaudieren den Musikantinnen und Musikanten. (Bild: Ralph Ribi)

Mörschwilerinnen und Mörschwiler säumen die Bahnhofstrasse und applaudieren den Musikantinnen und Musikanten. (Bild: Ralph Ribi)

Es ist auffallend, dieses glückselige Lächeln, das einem am Freitagnachmittag auf dem Mörschwiler Schulareal an jeder Ecke begegnet. Schliesslich geht es allen Anwesenden gleich: Kaum ist das einstige Schulgspänli umarmt oder das ehemalige Schulzimmer betreten, sind die Erinnerungen omnipräsent. «Momol, du hast an diesem Platz gesessen», ist sich eine junge Frau sicher. Jemand anders stellt fest: «Wir hatten früher nicht so schöne Turnsäcke. Meine Mutter hat unsere noch genäht.»

Und vier Seniorinnen, die 1948 die 1. Klasse im Gallus-Schulhaus besucht haben, beteuern: «Wir haben nur schöne Erinnerungen an unsere Schulzeit.» 40 Kinder hätten damals in einer Klasse gesessen, zeitweise sogar 54. Pult an Pult, Schulter an Schulter. «Heute gibt es mehr gestalterische Freiheiten», bilanzieren die Frauen, bevor sie weitere Erinnerungen auffrischen.

Zum Auftakt der dreitägigen «Fäschtätä» anlässlich des 200. Geburtstags der Bürgermusik Mörschwil hat das Organisationskomitee zu einer Klassenzusammenkunft der Superlative eingeladen.

Aus Kanada und Mexiko angereist

2400 ehemalige Primarschüler und Lehrer wurden angeschrieben. Gut 1000 haben sich für den Apéro auf dem Schulhausplatz angemeldet, 950 fürs Nachtessen in der Seeblickhalle. Der älteste fast 90, die jüngsten gerade volljährig, die weitest gereisten aus Kanada und Mexiko. Mit dabei auch die ehemaligen Mörschwiler Schüler und heutigen Regierungsräte Beni Würth und Bruno Damann sowie Gemeindepräsident Paul Bühler.

Zuvor statten viele Gäste ihrem einstigen Schulhaus einen Besuch ab, besuchen das Ortsmuseum, kehren im «Adler» und im «Ochsen» ein oder schauen die Fotoausstellung im Gemeindehaus an. Gut gebucht sind auch die Kutschenfahrten durchs Dorf. Das Generationenverbindende schätze sie besonders, so eine 52-Jährige: «In der Kutsche kommen Jung und Alt automatisch ins Gespräch.» Dies gilt auch für Pascal Zweifel, OK-Chef Werbung. Auf dem Pausenplatz stellt er unkonventionelle Fragen zu Schulschätzlis oder Lieblingslehrern. Die Antworten, präsentiert als Kurzfilm, amüsieren am Abend alle Generationen.

Fürs überdimensionale Klassentreffen gibt es viel Lob. Was vielen besonders gefällt: Man trifft nicht nur ehemalige Mitschüler, sondern auch Gspänli, die eine Klasse höher oder tiefer waren. Und reihum wird festgestellt: Selbst wenn man sich 25 Jahre nicht gesehen hat, ist es sofort wieder wie damals. «Man wird innert Minuten um Jahrzehnte zurückgeworfen», sagt ein Mörschwiler.

Kadi pfeift seinen Rekruten zurück

Gallus Würth, OK-Verantwortlicher Klassentreffen, weiss aus der mehrmonatigen, aufwendigen Organisation einige Anekdoten zu erzählen. Eines Morgens erhielt er einen Anruf der Armee. Ein Kadi stellte klar, er erlaube es seinem Rekruten nicht, am Klassentreffen teilzunehmen. Gleichzeitig forderte er Würth auf, das Geld, das der junge Mann bereits fürs Essen eingezahlt hatte, zurückzuerstatten. Ein andermal beschwerte sich eine völlig entrüstete Mutter, ihre Tochter sei nicht eingeladen worden. Nachdem sich Gallus Würth entschuldigt und einige Minuten freundlich geplaudert hatte, verabschiedete sich die Frau mit der Bemerkung: Übrigens melde sie ihre Tochter vom Klassentreffen ab.

Apropos sich verabschieden: das fällt am Freitag vielen schwer. Wenige schaffen es vor dem Morgengrauen auf den Heimweg. Erinnerungen auffrischen, verjüngt nicht nur, es braucht auch seine Zeit.

Ein Geburtstag wie aus dem Bilderbuch

Wie feiert man den 200. Geburtstag einer Bürgermusik? Am liebsten mit einem Fest, das noch jahrelang in Erinnerung bleiben wird. Den Mörschwilerinnen und Mörschwilern ist das bestens gelungen. Müsste man den Höhepunkt der dreitägigen Fäschtätä nennen, es würde einem schwerfallen. Nicht, weil es keinen gab, im Gegenteil: Das Fest ist eine Ansammlung schöner Momente.

Das stellt auch OK-Präsidentin Martina Wäger fest, als sie mal fünf Minuten Zeit zum Durchatmen hat: «Die Fäschtätä war durchs Band ein Erfolg.» Alles habe reibungslos geklappt und alle seien zufrieden. Nicht selbstverständlich, nachdem am Klassentreffen vom Freitag Hunderte Ur-Mörschwiler das Motto Fäschtätä bereits wortwörtlich umgesetzt haben, wie Martina Wäger am Samstag augenzwinkernd erwähnt.

«Letzte Nacht hätten wir nicht gedacht, dass die Leute wieder auftauchen», sagt sie in Anspielung darauf, dass die meisten kaum geschlafen haben. Aber auf die über 400 Helfer ist Verlass. Wie auf die Mörschwiler Bevölkerung. In Scharen säumt sie die Bahnhofstrasse, um am Samstagnachmittag bei herrlichem Wetter die Parademusik der 15 Musikvereine aus dem Kreis Fürstenland mitzuverfolgen.

600 Musikanten aus 15 Vereinen

600 Musikantinnen und Musikanten beweisen, wie lustvoll und präzise Blasmusik sein kann. Besonders viel Applaus erhält das Geburtstagskind, das ausser Konkurrenz ein Special aus dem Jubiläumsmedley «18 Hits of 18 Stars» in einer Marschversion präsentiert. Die Bürgermusik Mörschwil gehört zu den ältesten Musikvereinen im Kanton. 1818 mit drei Mitgliedern gegründet, zählt der Verein heute 46 Mitglieder.

Das Durchschnittsalter der Bürgermusik liegt unter 35 Jahren. Sonderapplaus gibt es auch für die regionale Jugendmusik Young Winds, deren jüngstes Mitglied wohl kaum älter als neun Jahre ist. Nach dem Fahneneinzug der Musikvereine in die Seeblickhalle kann Michael Brunner, Kreispräsident Fürstenland des St. Galler Blasmusikverbands, nicht weniger als 17 Musikanten für 25 Jahre Vereinstreue zu kantonalen Veteranen ernennen.

Der Sonntag mit der ersten Mörschwiler Chilbi, organisiert vom Club junger Familien, und dem Musical «Freude» gehört den Familien. «Wichtig war uns, allen Generationen gerecht zu werden», sagt Pascal Zweifel, OK-Chef Werbung. Zudem wolle man den Nachwuchs in Kontakt mit der Blasmusik bringen. Darum ist das Musical ein Gemeinschaftsprojekt der Bürgermusik mit 80 Viert- und Fünftklässlern, Lehrpersonen und talentierten Solistinnen. Das Ergebnis begeistert. So sehr, dass die zahlreichen Zuschauer es mit Standing Ovations und nicht enden wollendem Applaus danken. (cor)

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