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Im Kino spielt jetzt die Musik - Zwischennutzung für das St.Galler Kino Rex

Jazz, Theater, Lesungen und Diskussionen: Bevor das Kino Rex abgebrochen wird, finden dort bis Ende Juni öffentliche Anlässe statt. Mehr als ein Dutzend Kulturveranstalter spannen für die Zwischennutzung zusammen.
Roger Berhalter
Live-Jazz im früheren Rex-Studio: Chanson-Konzert der Appenzeller Sängerin Karin Enzler vom vergangenen Samstag. (Bild: Hanspeter Schiess)

Live-Jazz im früheren Rex-Studio: Chanson-Konzert der Appenzeller Sängerin Karin Enzler vom vergangenen Samstag. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Kinosessel im grossen Saal sind schon weg. Dafür steht vorne jetzt eine Bühne mit Licht- und Tonanlage. Von aussen sieht das ehemalige Kino Rex noch aus wie immer. Im Innern aber ist es nicht mehr dasselbe. Im vergangenen Jahr hat das Kino den Betrieb eingestellt, als zweitletztes Stadtkino. Das Generalunternehmen HRS hat das Gebäude gekauft und plant an dessen Stelle zwei Neubauten mit Wohnungen.

Bevor das alte Kino abgebrochen wird, erwacht es aber noch einmal zum Leben. Bis Ende Juni finden dort Konzerte, Lesungen, Diskussionen, Theateraufführungen und mehr statt. Das «Rex» heisst jetzt «Exrex». Hinter dieser kulturellen Zwischennutzung stecken die Macherinnen und Macher des Kulturmagazins «Saiten», das dieses Jahr seinen 25. Geburtstag feiert. «Wir wollten das Fest zum Jubiläum an einem besonderen Ort feiern, so kamen wir auf das leerstehende Kino», sagt Philip Stuber vom «Saiten»-Verlag. Bald dachte man grösser, und es sollte nicht mehr nur ein einzelnes Fest werden, sondern eine mehrmonatige Nutzung.

Vom Eigentümer erlaubt, amtlich bewilligt

Es sei nicht leicht gewesen, das Vertrauen der Hauseigentümerin HRS zu gewinnen, sagt Stuber. Doch ist es ihm gelungen klarzustellen, dass es nicht um Parties bis zum Umfallen geht, sondern um ein seriöses Unterfangen, um ein qualitativ gutes Kulturprogramm. Jetzt ist die Zwischennutzung vom Eigentümer erlaubt und amtlich bewilligt, und Stuber windet der HRS mittlerweile ein Kränzchen: «Wir zahlen keine Miete, nur die Nebenkosten – das ist sehr grosszügig.»

Um das ehemalige Kino drei Monate lang mit Leben zu füllen, haben die «Saiten»-Macher ihr Netzwerk angezapft und viele Kulturveranstalter angeschrieben. «Wir möchten den Ort anderen Veranstaltern zur Verfügung stellen», sagt Stuber.

Die aktuelle, noch nicht abschliessende Agenda listet Anlässe von 16 verschiedenen Veranstaltern auf, vom Kinok bis zur HSG, vom Kulturfestival bis zum Jazzverein Gambrinus. Der Kunstkiosk lädt zu einer Ausstellung, das Eggersrieter Festival Sur Le Lac organisiert einen Konzertabend, die Fussballlichtspiele zeigen einen Film, ein Abend widmet sich dem Klanghaus Toggenburg, es gibt eine «Nacht der langen Gitarren» sowie szenische Lesungen und eine Russendisko. Stuber:

«Das ‹Exrex› gehört keiner einzelnen Szene. Es ist ein unbelasteter Ort. Man kennt ihn, er ist aber jetzt anders»

Am häufigsten nutzt Gambrinus Jazz Plus die Kinoräume. Gleich zwei Konzertreihen veranstaltet der Verein: «Female Jazz» legt den Fokus auf Jazz-Musikerinnen und Jazz-Sängerinnen. Alle fünf Konzerte stehen unter weiblicher künstlerischer Leitung. Das erste fand am vergangenen Samstag statt, als die Sängerin Karin Enzler mit ihrer Band im früheren Rex-Studio auftrat.

«Wir hatten die Reihe schon lange geplant. Jetzt haben wir endlich den passenden Ort dafür gefunden», sagt Sandro Heule vom Gambrinus-Vorstand. Er organisiert die zweite Reihe «Soeben», die bisher im ehemaligen italienischen Konsulat an der Frongartenstrasse zu Hause war und nun im «Exrex» eine Heimat findet.

Ein grosser Saal fehle nach wie vor in St. Gallen

«Für uns ist es spannend, an verschiedenen Orten mitzuwirken», sagt Heule. Alleine könnte Gambrinus so eine Zwischennutzung nicht stemmen, aber wenn verschiedene Veranstalter zusammenarbeiteten, entstehe ein Austausch, der auch der Jazzszene guttue. Gambrinus stellt dem «Exrex» eine Soundanlage zur Verfügung. Heule schwärmt vom Klang im Kino: «Das hat Studioqualität! Das Lokal könnte eine ideale Ergänzung zum benachbarten Palace und der Grabenhalle sein, da es mit dem Rex-Studio einen idealen Raum für Konzerte im kleinen Rahmen bietet.»

In die gleiche Kerbe schlägt Pino Stinelli, der als Teil des Kollektivs Halifax im «Exrex» einen Anlass für Grafik- und Comicfans organisiert. «Das Rex wäre mit seinem grossen Saal sowie den kleinen Sälen eine perfekte Ergänzung für den St. Galler Kulturbetrieb gewesen.» Ein grosser Konzertsaal, grösser als Palace und Grabenhalle, das fehle nach wie vor in St. Gallen. «Der Verlust des Schützengarten-Saales und der Ekkehard-Bühne nagen immer noch an der Vielfältigkeit des St. Galler Kulturlebens.»

Hinweis: Alle Veranstaltungen unter www.saiten.ch/exrex

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