Ausgebüxter Gemsbock und zwei geborgene Motorboote an einem Tag: Das war das Rorschacher Seerettungs-Jahr

Der Sommer 2018 war vor allem eines: heiss und sonnig. Dennoch hatte die Seerettung Rorschach nicht mehr zu tun als in den Jahren 2016 und 2017. Obmann Remo Pfändler sagt, warum das so ist.

Laura Manser
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Remo Pfändler ist Obermann und Kassier der Seerettung Rorschach. (Bild: PD)

Remo Pfändler ist Obermann und Kassier der Seerettung Rorschach. (Bild: PD)

Remo Pfändler, Obmann im Seerettungsdienst Rorschach, zieht Bilanz zum Einsatzjahr 2018. Pfändler erzählt, wie er und seine Kollegen den Hitzesommer erlebt haben.

Remo Pfändler, der Sommer 2018 hat relativ früh angefangen. War deshalb mehr los bei der Seerettung?

Mit 27 Alarmeinsätzen und 18 aus einer misslichen Lage geretteten Personen, liegt der Sommer 2018 im Durchschnitt. Eine Häufung von Einsätzen gab es im Juni und Oktober. Speziell waren vielleicht die zwei Motorboote, die Ende Juni beide innerhalb von 24 Stunden nach dem Sinken geborgen werden mussten. Oder der Gamsbock, der im Mai in den Bodensee gesprungen ist. Sonst war es ähnlich wie in den Vorjahren.

Sie haben gesagt, die Alarmeinsätze im Sommer 2018 waren durchschnittlich. Wie sah das in den vergangenen Jahren aus?

Gemäss den Statistiken sahen die Jahre 2017 und 2016 ähnlich aus wie der Hitzesommer 2018. Wir zählten in etwa gleich viele Einsätze und gerettete Personen. Im Jahr 2015 gab es hingegen weniger Alarmeinsätze und Personen, die gerettet werden mussten.

Spielt das Wetter also gar keine Rolle für die Anzahl Rettungseinsätze? Nein, auf die Anzahl Einsätze hat die langfristige Wetterlage gemäss unseren Statistiken keinen Einfluss. Dennoch kann ein Einsatz schnell aufwendiger oder schwieriger werden, wenn es heftig stürmt oder regnet.

Wie ist die Seerettung Rorschach aufgestellt?

Die Seerettung funktioniert, wie die Feuerwehr, als Milizsystem. Das heisst, dass die Angehörigen der Seerettung freiwillig Dienst leisten und hauptberuflich woanders arbeiten. Alarm-Meldungen bekommen wir über den Pager oder das Handy. Die Seerettung hat eine Arbeitsteilung. So gibt es einen Bootsführer, eine Rettungsmannschaft und eine spezialisierte Tauchgruppe.

Die Grenzen im Gebiet des Bodensees sind nicht ganz klar. Wie läuft das mit der Zusammenarbeit mit Deutschland und Österreich?

Unser Einsatzgebiet geht von Steinach bis Altenrhein. Selbstverständlich sind wir da nicht kleinkariert. Wenn jemand bei uns Alarm schlägt, dann helfen wir, egal an welcher Grenze sich die Personen befinden.

Wie würde ein Einsatz bei einem Flugzeugabsturz in den Bodensee aussehen?

Je nach Absturzstelle kann ein solches Ereignis einen internationalen Seenotalarm auslösen. Alle Seerettungsdienste auf dem Bodensee werden informiert und mit etwa 10 bis 20 Booten wird gemeinsam eine Suchaktion gestartet. Auf dem St. Galler Kantonsgebiet liegt die Einsatzleistung in solchen Fällen bei der Kantonspolizei.

Gibt es für das Jahr 2019 irgendwelche Veränderungen in der Seerettung Rorschach?

Tatsächlich, ja. Nach der Zustimmung des Budgets im Grossen Rat des Kantons St. Gallen läuft im Moment die Ausschreibung für die Ersatzbeschaffung eines unserer Rettungsboote. Das Boot Christophorus wird seit 1984 eingesetzt. Obwohl es noch einsatzfähig ist, nagt der Zahn der Zeit überall und der Moment ist nun gekommen, es ausser Betrieb zu nehmen. Bei Reparaturen wird es zunehmend schwierig und aufwendig, die nötigen Ersatzteile zu finden. Ansonsten bleibt alles wie gewohnt: Die Rorschacher Seerettung ist noch gleich aufgestellt, die Einsatzgebiete dieselben und wir hoffen natürlich, dass das Baden und Segeln im Bodensee möglichst reibungslos verläuft.

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Jolanda Riedener