Im Hinblick auf die Neuorganisation an der Unteren Waid in Mörschwil kommt es im Stiftungsrat zu personellen Umwälzungen

Im September wurde bekannt, dass das Gymnasium Untere Waid bald Geschichte ist. Nun kommt es auch zu personellen Wechseln im Stiftungsrat. Nebst drei anderen Mitgliedern scheidet auch Präsident Florin Rupper aus. Seine Nachfolge tritt Birgit Berger-Cantieni an, die Schulratspräsidentin der Gossauer Maitlisek.

Perrine Woodtli
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Die Untere Waid ist eine Privatschule mit katholischer Prägung: Im nächsten Sommer findet dort zum letzten Mal eine Maturafeier statt.

Die Untere Waid ist eine Privatschule mit katholischer Prägung: Im nächsten Sommer findet dort zum letzten Mal eine Maturafeier statt.

Urs Bucher (21. Juni 2019)

In Mörschwil endet nächsten Sommer eine fast 100-jährige Geschichte. Die Geschichte des Gymnasiums Untere Waid. Von 1924 bis 2007 wurde die Schule von der Salettinergemeinschaft geführt, danach übernahm eine neu gegründete Stiftung. Im September hat der Stiftungsrat mitgeteilt, dass er das Gymnasium wegen zu tiefer Schülerzahlen aufgibt. Stiftungsratspräsident Florin Rupper sagte damals:

«Immer weniger Eltern wünschen sich für ihre Kinder eine Privatschule mit christlicher Prägung.»

Die Gymnasialklassen sowie das einzigartige Schwerpunktfach Philosophie, Pädagogik und Psychologie wechseln ab dem Schuljahr 2021/2022 an das Friedberg-Gymnasium in Gossau. Die Schülerinnen und Schüler können aber auch an ein anderes Gymnasium.

In Mörschwil will man das Profil als typengemischte Oberstufenschule stärken, die als Einzige in der Region auch ein Untergymnasium anbietet. Dieses ist nach wie vor gut besucht.

Die Neuorganisation hat nun auch personelle Änderungen zur Folge. Drei Stiftungsräte stellen ihren Platz neuen Personen zur Verfügung, wie die Stiftung am Donnerstag mitteilt. Und auch Stiftungsratspräsident Florin Rupper ist per Anfang Monat ausgeschieden. Auf ihn folgt Birgit Berger-Cantieni, die auch den Schulrat der katholischen Maitlisek in Gossau präsidiert.

Rücktritte haben nichts mit Unstimmigkeiten zu tun

Florin Rupper präsidierte den Stiftungsrat seit 2012. «Die Entscheidung zur strategischen Neuausrichtung mit der Aufgabe der Gymnasialklassen am Standort Mörschwil ist uns nicht leicht gefallen», wird der scheidende Präsident in der Mitteilung zitiert. Und weiter:

Florin Rupper

Florin Rupper

Benjamin Manser
«Ich bin aber überzeugt, dass mit dem Gymnasium Friedberg eine gute Anschlusslösung vereinbart werden konnte.»

Nebst Florin Rupper treten mit Walo Bauer, Martin Wirth und Pater Albert Schlauri drei weitere Stiftungsräte zurück.

Die Rücktritte hätten keineswegs mit Unstimmigkeiten zu tun, sagt Rupper auf Anfrage. Es handle sich um einen bewussten Entscheid. Eigentlich wollte der 71-Jährige bereits im Sommer 2019 sein Amt übergeben. «Wir arbeiteten damals aber an der Neuorganisation, weshalb mich der Stiftungsrat gebeten hatte, noch zu bleiben.»

Rupper hat ein gutes Gefühl bei der Übergabe

Nun aber sei der richtige Zeitpunkt gekommen, um einem neuen Team das Zepter zu übergeben. Wie er waren auch Walo Bauer, Martin Wirth und Albert Schlauri teilweise seit vielen Jahren im Stiftungsrat. Rupper sagt:

«Es ist sinnvoll, wenn eine neue Crew mit frischem Elan die neue Schule an die Hand nimmt.»

Zudem sei es wichtig, dass die Stiftungsrätinnen und -räte, die für die Umsetzung der Neuorganisation zuständig sind, nicht schon bald ans Aufhören denken. Er habe ein gutes Gefühl, was den neuen Stiftungsrat anbelange. Birgit Berger-Cantieni sei im Rahmen eines Mandats bereits im neuen Strategieprojekt involviert gewesen. Die Übergabe sei also optimal.

Für ihn sei der Rücktritt nun auch eine Entlastung, sagt Rupper. Die Neuorganisation sei zeitintensiv gewesen – und habe auch Emotionen ausgelöst:

«Es war klar, dass die Lehrpersonen und Eltern nicht in Applaus ausbrechen wegen der Umstrukturierungen.»

Mittlerweile sei es aber ruhig geworden. Er sei überzeugt, dass für jede Schülerin und jeden Schüler eine gute Lösung gefunden werden könne.

Werteschulen sollen erhalten bleiben

Mit den vier Rücktritten verbleiben mit Andrea Manser und Flavia Lichtensteiger noch zwei bisherige Stiftungsrätinnen. Von den restlichen vier Sitzen konnten drei neu besetzt werden. Für die Umsetzung der neuen Schulstrategie an der Unteren Waid ist fortan Birgit Berger-Cantieni als Stiftungsratspräsidentin verantwortlich. Die 49-Jährige präsidiert seit über elf Jahren den Schulrat der Maitlisek in Gossau.

Birgit Berger-Cantieni

Birgit Berger-Cantieni

PD

Nach Mörschwil hat es sie in diesem Sommer verschlagen, als sie innerhalb einer Arbeitsgruppe an der Neupositionierung der Unteren Waid mitgearbeitet hat. Sie habe dort ihre Erfahrungen aus ähnlichen Prozessen rund um die Maitlisek einbringen können, sagt Birgit Berger auf Anfrage. Sie sei daraufhin von Florin Rupper für das Amt der Stiftungsratspräsidentin angefragt worden.

«Die Zukunft dieser Traditionsschule liegt mir am Herzen. Mir sind der Erhalt und eine gute Verankerung dieser Werteschulen wichtig», begründet Berger ihren Entscheid, das Amt zu übernehmen. Gemeinsam mit einem starken Team wolle sie die Schule nun in eine Zukunft führen.

Der neue Stiftungsrat sei überzeugt, dass «wertbasierte Schulen in der aktuellen Zeit wieder eine steigende Resonanz erfahren». Mit einer typengemischten Oberstufe, die ein durchlässiges Angebot von Real-, Sekundar- und Untergymnasiumsklassen sowie eine Vorbereitungsklasse für die Oberstufe anbieten könne, werde die Untere Waid über ein «innovatives Alleinstellungsmerkmal» verfügen.

Im September hiess es, dass die Schule künftig «Neue Oberstufe Untere Waid» heissen wird. Das sei aber noch nicht beschlossen, sagt Berger nun. Der definitive Name müsse sich erst noch entwickeln.

Neuer Stiftungsrat startet unter Hochdruck

In den kommenden Monaten wartet viel Arbeit auf Berger. Doch sie freue sich darauf, sagt sie.

«Ich habe aber auch Respekt. Es gibt viele Herausforderungen und wir wissen nicht, ob unser Vorhaben gelingen wird.»

Zu den Herausforderungen gehört unter anderem, sowohl für die Gymi-Schülerinnen und -Schüler als auch für betroffene Lehrpersonen gute Lösungen zu finden. Die Weichen seien vom bisherigen Stiftungsrat gestellt worden – der neue Rat werde nun «mit Umsicht und gleichzeitig unter Hochdruck» das neue Schulmodell konkretisieren. Bis Ende Jahr will man einen ersten Überblick über das neue Angebot haben.

In der Maitlisek wird sie auch weiterhin bleiben. Wie in Mörschwil handle es sich auch in Gossau um ein Teilzeitpensum. Eine Konkurrenzsituation sehe sie nicht, alleine schon wegen der Entfernung der beiden Schulen. Sie sehe die Vernetzung positiv: Diese könne eine Stärkung für die katholischen Schulen sein.

Ein Unternehmer und ein Salettiner

Adrian Krüsi

Adrian Krüsi

PD

Ebenfalls neu im Stiftungsrat ist der St. Galler Unternehmer und Experte für Unternehmensentwicklung Adrian Krüsi, der auch den Verein Netzwerk Sport St. Gallen präsidiert. Krüsi habe bereits verschiedene Schulen in «Changeprozessen» beraten und begleitet, heisst es in der Mitteilung vom Donnerstag.

Krüsi und Berger haben schon in anderen Projekten zusammengearbeitet. Krüsi sass 14 Jahre lang im Schulrat der Maitlisek. In den vergangenen Jahren begleitete er die Mädchenschule als externer Berater. Neu im Rat vertreten ist zudem Pater Piotr Zaba. Er vertritt die Salettinergemeinschaft. Für die Ernennung von neuen Stiftungsrätinnen und -räten ist jeweils der Stiftungsrat verantwortlich.

Pater Piotr Zaba

Pater Piotr Zaba

Thomas Hary

Ein Platz im Stiftungsrat ist somit noch frei. Jener, der für eine politische Vertretung der Gemeinde Mörschwil vorgesehen ist. Dieser Sitz soll baldmöglichst besetzt werden. Martin Wirth scheidet Ende Jahr aus dem Mörschwiler Gemeinderat und somit auch aus dem Stiftungsrat aus. Die Neukonstituierung des Gemeinderats werde zeigen, wer künftig im Stiftungsrat sei, sagt Berger.

«Mir ist die Verbindung zur Gemeindebehörde wichtig und ich hoffe, dass wir die Nähe zur Gemeinde weiter ausbauen können.»

Mörschwil steuert 25'000 Franken bei

(gk/woo) Der Mörschwiler Gemeinderat hat aufgrund eines Gesuches des Stiftungsrates des Gymnasiums Untere Waid beschlossen, 25'000 Franken an das Projekt «Neue Oberstufe Untere Waid» zu leisten, wie dieser mitteilt.