Im Einsatz für die Nachhaltigkeit: Der Kleiderladen von Avisha Antunez bietet Alternativen zur Konsumgesellschaft

Im ehemaligen Geschäft von Karl Gabler hat die Enkelin übernommen. Doch statt WC-Schüsseln oder Badewannen verkauft sie Kleider aus nachhaltigen Rohstoffen und serviert Fairtrade-Kaffee.

Basil Schnellmann
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Kleiderauswahl im Laden von Avisha Antunez an der Metzgergasse 23.

Kleiderauswahl im Laden von Avisha Antunez an der Metzgergasse 23.

Bild: Basil Schnellmann (23.10.20)

Die vielen pastell- und erdfarbenen Töne, die den Laden auszufüllen scheinen, springen sofort ins Auge. An Kleiderstangen aus Holz reihen sich Kleider in dezenten Farben, mitten im Raum steht ein alter Holztisch, darauf ausgestellt liegen Pflegeprodukte und Unterwäsche.

Wo einst Karl Gabler seine Sanitärartikel verkaufte, gehen heute ökologische Kleider über die Ladentheke. Und wo früher in der Werkstatt gewerkelt wurde, riecht es heute nach gerösteten Kaffeebohnen. Zum Wandel beigetragen hat Gablers Enkelin, Avisha Antunez.

Die beiden Schwestern Avisha Antunez, und Esmeralda Vargas.

Die beiden Schwestern Avisha Antunez, und Esmeralda Vargas.

Basil Schnellmann

Eine Wohlfühloase für jeden

Zusammen mit ihrer Schwester Esmeralda und ihrer Grossmutter lebt sie im Haus an der Metzgergasse 23. Gemeinsam mit Kollegen und Freiwilligen hat sie aus dem grossväterlichen Betrieb einen Kleiderladen mit integriertem Café gezaubert. Antunez sagt: «Das meiste haben wir selbst stundenlang von Hand umgebaut.» Die Arbeit im Laden teilt sie sich mit ihrer Schwester, ihrer Tante und einer sehr guten Kollegin. «Es geht darum, eine Wohlfühloase für jeden zu schaffen.»

Avisha Antunez hat im Lehratelier der GBS St.Gallen eine Ausbildung zur Couture Designerin gemacht und sich auf hochwertige, langlebige Kleidung spezialisiert. Dabei bestehen ihre Kleider zu einem grossen Teil aus Hanf, statt aus Baumwolle.

Hanf: Zu unrecht verpöhnt?

Die Hanfverarbeitung ist eine Kunst, die in Europa so gut wie in Vergessenheit geraten ist. Jahrtausendelang bestanden die Kleider genau aus diesem Material. Hanf ist extrem vielfältig: Es eignet sich zum Essen, Weben, Bauen und zur Körperpflege.

Durch diese Vielfalt sahen sich drei Unternehmer in den 1930er-Jahren in den USA bedroht. William Randolph Hearst, ein Zeitungsverleger der im Papierhandel tätig war, Dupont, ein Hersteller synthetischer Stoffe, und der Finanzminister Andrew W. Mellon, Besitzer von Gulf Oil lobbyierten erfolgreich gegen Hanf.

Damit war dessen Untergang besiegelt. Durch die psychedelischen Wirkungen der getrockneten, weiblichen Hanfblüten – auch als Marihuana bekannt – war es ein Einfaches, Hanf zu verteufeln.

Auch in Europa war der Hanfanbau bis in die 1990er Jahre verboten. Einzig im asiatischen Raum produzierte man weiterhin Hanf. Deshalb stammt der Löwenanteil der heutigen weltweiten Produktion aus China und den umliegenden Ländern.

Hanfprodukte gegen die Konsumgesellschaft

Um an den Rohstoff für ihre Kleider zu kommen, ging Avisha in der Vergangenheit persönlich nach Asien, um bei der Produktion der Hanfkleider mitzuwirken. «In Nepal werden die Kleider von Hand gewebt und gefärbt.» Sie habe auch selber mitgeholfen, unter anderem beim Färben mit Naturfärbemitteln.

Heute findet die Produktion in Polen statt. «Um in der Schweiz zu produzieren, ist es immer noch zu teuer, aber natürlich ist es unser Ziel, alles so lokal wie möglich herzustellen», sagt Avisha. Ihr Ziel sei es, in der Bevölkerung ein Bewusstsein über die Möglichkeiten von nachhaltigen Produktionsketten zu schaffen und so der Wegwerfgesellschaft eine Alternative aufzuzeigen.

Das Café im Laden von Avisha Antunez.

Das Café im Laden von Avisha Antunez.

Bild: Basil Schnellmann (23.10.20)

Im Laden scheint indes immer etwas los zu sein. Kundinnen und Kunden kommen und gehen, verweilen für einen Hanftee oder eine Tasse Kaffee. Das Angebot spricht sowohl alte, als auch junge Menschen an. In der Ecke sitzen Studenten an eigens eingerichteten Plätzen, die Steckdose in Reichweite. «Wir möchten auch ein Ort für Kunst und Musik sein», sagt Antunez. «Wir passen in keine Schublade.»

Hinweis: Avisha Antunez ist auf Instagram als @avisha_antunez zu finden.