Warten Sie in St.Gallen auf den Bus? Deshalb kommt er nicht

Auf der Hauptverkehrsachse der VBSG häufen sich die Verspätungen. Zu den Stosszeiten müssen Busse teils gar wieder umkehren. Das Problem haben die Verantwortlichen erkannt – Lösungen gibt es kaum.

Linda Müntener
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Verspätet: Die VBSG-Busse kommen in diesen Tagen nicht immer pünktlich. (Bild: Urs Bucher (14. September 2018))

Verspätet: Die VBSG-Busse kommen in diesen Tagen nicht immer pünktlich. (Bild: Urs Bucher (14. September 2018))

Plötzlich müssen alle aussteigen. Vor der Fürstenlandbrücke ist Endstation für den VBSG-Bus der Linie 1. Dabei ist die Endhaltestelle Winkeln keine fünf Minuten entfernt. Doch anstatt weiter Richtung Westen, fährt der St. Galler Bus zum Wendeplatz Stocken und kehrt wieder um. Stadteinwärts. Wer in Winkeln wohnt, muss zu Fuss gehen oder auf den nächsten Bus warten.

Auf der Linie Stephanshorn bis Winkeln, einer der längsten Linien des Netzes, häufen sich die Verspätungen. In beide Richtungen. Kein Tag vergeht, ohne dass der Twitter-Kanal oder die digitalen Anzeigetafeln Störungen melden. Und das nicht nur während der Stosszeiten. Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter der Verkehrsbetriebe St. Gallen, bestätigt das. «Wir haben in den vergangenen Wochen viele Reklamationen erhalten.»

Stau wegen Baustellen

Grund für die vielen Verspätungen seien Bauarbeiten. Gleich drei grössere Baustellen auf der innerstädtischen Hauptverkehrsachse von Ost nach West erschweren derzeit das Durchkommen. Auf der Rorschacher Strasse im Neudorf werden Werkleitungs- und Strassensanierungsarbeiten vorgenommen, auf der Zürcher Strasse im Lachen-Quartier werden Fernwärmeleitungen eingebaut, der Belag der Kräzernstrasse im Westen der Stadt wird ersetzt. Diese Arbeiten müssten nun mal gemacht werden. Letztere Baustelle wurde unlängst abgeschlossen. «Das bringt uns immerhin etwas Entlastung», sagt Ralf Eigenmann.

Die Strassenabschnitte bei diesen Baustellen seien teils nur einspurig befahrbar, der Verkehr wird durch Lichtsignalanlagen geregelt. «Da braucht es nur wenige Autos, bis es zu Verzögerungen kommt.» Davon betroffen ist auch der Individualverkehr – nur hat dieser keinen Fahrplan. So könne es etwa auch vormittags zu langen Verzögerungen im Bus-Takt kommen.

Zu den Hauptverkehrszeiten spitzt sich die Situation derart zu, dass die Busse einander gar «überrunden». Das heisst: Für den Fahrgast kommt der Bus pünktlich, dabei ist es bereits jener des nächsten Kurses. «Den Fahrgästen spielt es keine Rolle, in welchem Bus der Linie sie sitzen. Ihnen ist wichtig, zu welcher Zeit dies geschieht», sagt Eigenmann.

Für die Chauffeure hingegen bedeuteten Verspätungen Stress und längere Arbeitszeiten. Diese Verspätungen aufzuholen, sei unmöglich. Deshalb gebe es Situationen, in denen der Fahrdienstleiter dem Chauffeur meldet, dass er vor der Endhaltestelle – wieder umkehren soll. Dies wird laut Eigenmann nur dann angeordnet, wenn der Folgekurs gleich hinter dem Bus fährt. Und dieser die Fahrgäste übernehmen kann.

«Eine eigene ÖV-Spur ist eine Utopie»

Die Verkehrsbetriebe beobachten die derzeitige Situation zwar, Lösungen für das Problem gebe es aber kaum. Eigenmann rechnet damit, dass man aufgrund der Baustellen auch in den nächsten Monaten vermehrt Verspätungen auf den Linien der Hauptverkehrsachse in Kauf nehmen müsse. Hinzu kommt, dass es vor allem während der Stosszeiten im Westen und Osten ab und an zusätzlich wegen der Autobahnein- und Ausfahrten staut. Nämlich dann, wenn sich dort ein Unfall ereignet hat.

Eine mögliche langfristige Lösung, um Verspätungen zu reduzieren, wäre die Ausdehnung der Eigentrassierung für den öffentlichen Verkehr. Sprich, eine eigene Linie auf der Strasse für den Bus, wie es sie an einzelnen Stellen bereits gibt. So etwa ab Höhe Eissporthalle Lerchenfeld, stadteinwärts.

Ralf Eigenmann macht keinen Hehl daraus, dass er «am liebsten auf dem ganzen Liniennetz eine eigene ÖV-Spur» hätte. «Doch das ist eine Utopie», sagt er. Die Platzverhältnisse seien vielerorts zu knapp, die Strassenseiten verbaut. Und dort, wo es genügend Platz für eine Eigentrassierung gäbe, sei der Leidensdruck nicht allzu gross.