Im Bodensee ist jetzt die schönste Zeit für Taucher

Wo wären Taucher in diesen Tagen lieber als im kalten Bodensee? «Nirgends», sagt der Goldacher Unterwasserfotograf Tino Dietsche. Denn aktuell ist nicht nur die Sicht sehr gut, es tummeln sich auch Millionen von Jungfischen am Seegrund.

Rudolf Hirtl
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Der alte Wels vor dem Goldacher Rietli lässt sich von Tauchern nicht aus der Ruhe bringen. (Bild: Tino Dietsche)

Der alte Wels vor dem Goldacher Rietli lässt sich von Tauchern nicht aus der Ruhe bringen. (Bild: Tino Dietsche)

«Wenn ich jetzt wählen müsste, ob ich im Bodensee oder im Roten Meer tauchen wollte, ich würde mich für den Bodensee entscheiden», sagt Tino Dietsche und steigt in voller Montur schnaufend die Ufertreppe hoch. Die Begeisterung des Goldacher Unterwasserfotografen für das heimische Gewässer kommt nicht von ungefähr. Nicht nur, dass derzeit Millionen von Eglis, Zandern, Karpfen und Aalen die Unterwasserlandschaft vor Goldach und Rorschach bevölkern, auch die Sicht ist um Welten besser als etwa in der wärmeren Jahreszeit, wenn Blütenstaub, Algen und andere Schwebeteile das Wasser im See trüben.

Ein Aal nutzt das Licht der Taucher für die Jagd

Um die erstaunliche Vielfalt von Pflanzen und Tieren vor die Kameralinsen zu bekommen, halten sich Taucher zwischen einem und 20 Metern Tiefe auf. In der Regel dauert ein Tauchgang im zehn Grad kalten Wasser eine Stunde. «Momentan sieht es in der Rorschacher Bucht so aus, als würde der Seeboden kochen», sagt Tino Dietsche. Grund seien Egli-Schwärme, die beim Näherkommen auseinanderstieben und Sedimente aufwirbeln.

Nicht nur Jungfische sind unterwegs, auch alte Bekannte. So ist ein beeindruckend grosser Wels im Goldacher Rietli zu Hause, der schon mal 20 Meter mit Tauchern mitschwimmt, ehe er im Dunkel verschwindet. Freude an den Tauchern hat auch ein ausgewachsener Aal, der sich das Licht der Taschenlampen zunutze macht und sich den einen oder anderen Egli schnappt.

Als würde der Seegrund kochen, Jungfische wirbeln Sedimente auf. (Bild: Tino Dietsche)
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Nachttauchgang beim Goldacher Rietli (Bild: Tino Dietsche)
Sonnenlicht schafft ein besonderes Ambiente. (Bild: Tino Dietsche)
Millionen von Egli-Jungfischen bevölkern derzeit die Rorschacher Bucht. (Bild: Tino Dietsche)
Der Aal nutzt das Licht der Taucherlampen für die Jagd auf Egli. Biold: Tino Dietsche)
Laterne am Goldacher Seeufer aus der Sicht eines Tauchers. (Bild: Tino Dietsche)

Als würde der Seegrund kochen, Jungfische wirbeln Sedimente auf. (Bild: Tino Dietsche)

Je nach Tageszeit sorgen Sonnenlicht oder Laternen in Ufernähe für ein besonderes Ambiente. Und wie ist es, in der Nacht in die Tiefe zu gleiten und nur das zu sehen, was die Unterwasserlampen erhellen? «Vor dem Rietli in Goldach tauche ich 50 Mal pro Jahr. Da kenne ich jeden Stein und muss mich nicht orientieren. Tauche ich nachts an einem unbekannt Ort, so muss ich mich mehr um die Navigation kümmern», so Dietsche mit einem entspannten Schmunzeln.