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Im Affentempo durch die St.Galler Altstadt: Rowdys gibt es auch unter den Velofahrern

In St.Gallen sind immer mehr Velofahrerinnen und Velofahrer unterwegs – darunter auch solche, die sich nicht an die Regeln halten.
Christina Weder
Immer wieder kommt es vor, dass Velofahrer durch die Innenstadt rasen. Die Polizei führt deshalb regelmässige Kontrollen durch. (Bild: Benjamin Manser (13. August 2019))

Immer wieder kommt es vor, dass Velofahrer durch die Innenstadt rasen. Die Polizei führt deshalb regelmässige Kontrollen durch. (Bild: Benjamin Manser (13. August 2019))

Sie rasen mit überhöhtem Tempo durch die Innenstadt und preschen mit minimalem Abstand an Fussgängern vorbei. Rowdys gibt es nicht nur unter den Auto-, sondern auch unter den Velofahrern. Und diese sind vielen Fussgängern und anderen Verkehrsteilnehmern ein Dorn im Auge.

Die Stadtpolizei habe ein Augenmerk darauf, sagt Mediensprecher Dionys Widmer. Es komme immer wieder vor, dass sich Velofahrerinnen und Velofahrer nicht an die Regeln hielten oder in überhöhtem Tempo durch die Innenstadt rasten. Hin und wieder gingen entsprechende Beschwerden bei der Stadtpolizei ein. «Wir führen deshalb auch bei Velofahrern regelmässige Kontrollen durch», sagt Widmer. Allerdings seien diese aufwendiger und schwieriger durchzuführen als bei Auto- und Motorradfahrern. Der Grund: Velofahrer haben kein Kontrollschild. «Wir müssen sie folglich anhalten können, um die Personalien aufzunehmen», sagt Widmer.

Zahl der Bussen und Unfälle bleibt konstant

Gut 5000 Velos fahren täglich durch St.Gallen, wie aus Daten der Zählstationen in der Stadt hervorgeht. Tendenz steigend. Doch auch wenn immer mehr Velos in der Stadt unterwegs sind, ist die Zahl der Ordnungsbussen, die Velofahrern ausgestellt werden, in den vergangenen Jahren konstant geblieben. 2018 büsste die Stadtpolizei knapp 140 Velofahrerinnen und Velofahrer. In den Vorjahren waren es zwischen 100 und 150 – ein Klacks im Vergleich zu den vielen Ordnungsbussen, welche die Stadtpolizei den Autofahrern jährlich ausstellt. Widmer merkt allerdings an, dass es auch ein Vielfaches an motorisiertem Verkehr und an möglichen Tatbeständen gebe.

Am häufigsten werden Velolenker in der Stadt St.Gallen zur Kasse gebeten, weil sie auf dem Trottoir fahren, in der Nacht ohne Licht unterwegs sind, das Fahrverbot missachten oder das Signal «Einfahrt verboten» nicht berücksichtigen. Die meisten Bussen betragen laut Polizeisprecher Widmer 20 bis 60 Franken. Dabei sind sie für Velofahrer weniger hoch angesetzt als jene für Autofahrer (siehe Grafik).

Nicht nur die Zahl der Bussen ist in den vergangenen Jahren in der Stadt konstant geblieben, sondern auch die Zahl der Unfälle, in die Velofahrer involviert waren. 2018 registrierte die Stadtpolizei 36 Unfälle. Ähnlich viele waren es in den Jahren davor. Eine Zunahme ist bei den Unfällen mit E-Bikes zu verzeichnen. 2014 ereigneten sich sechs Unfälle mit E-Bikes, 2018 waren es 16. Widmer erklärt dies mit der zunehmenden Verbreitung der E-Bikes. Diese Tendenz zeige sich auch auf gesamtschweizerischer Ebene.

«Manchmal müssen wir sensibilisieren»

Es gebe nur wenige Velorowdys in der Stadt, sagt Michael Städler, Mediensprecher von Pro Velo. «Doch jene, die es gibt, fallen auf.» Er habe sich selbst schon über rücksichtsloses Verhalten aufgeregt. Einmal sei ein E-Bike-Fahrer mit 45 km/h in der Fussgängerzone an ihm vorbeigerast. Als Städler ihn wenig später antraf, habe er ihn zur Rede gestellt. «Manchmal müssen wir die Leute sensibilisieren.» Pro Velo versucht, das mit Kursen zu leisten. In diesen werde etwa thematisiert, dass ein Velofahrer einen Abstand von mindestens zwei Metern einhalten muss, damit sich ein Fussgänger sicher fühlt. «Vielen ist das nicht bewusst.» In der Schweiz beharre jeder Verkehrsteilnehmer zu sehr auf seinen Rechten, findet Städler. Er fordert mehr Toleranz.

Beim TCS St.Gallen und Umgebung steht das Thema Velorowdy zwar nicht zuoberst auf der Traktandenliste. Dennoch komme man regelmässig darauf zu sprechen, sagt Präsident Marcel Aebischer. So gäben ihm gewisse Verhaltensweisen von Velofahrern schon zu denken. Kürzlich ist auch ihm zu Ohren gekommen, wie ein Velofahrer «in einem Affentempo» durch die Multergasse preschte, sodass die Fussgänger nur noch zur Seite springen konnten. Als Autofahrer werde er den Eindruck nicht los, Velofahrer nähmen sich zu viele Freiheiten heraus, sagt Aebischer.

«Ich stelle fest, dass viele Velofahrer ihr Recht im Strassenverkehr zwar einfordern, sich selber aber nicht an die Regeln halten.»

Er fordert deswegen aber nicht zusätzliche Kontrollen, sondern setzt auf mehr Selbstverantwortung.

«Das ist doch ein Privileg des Velofahrers»

Ruedi Blumer, Präsident des VCS Schweiz, Co-Präsident der Regionalgruppe St.Gallen/Appenzell und SP-Kantonsrat sieht das mit den Verkehrsregeln etwas lockerer. Er ist oft mit dem Velo unterwegs – und nicht selten zügig. «Ich bin ein fordernder Velofahrer und gebe nicht gerne jedem Auto freiwillig den Vortritt», sagt er. Bei Stau ziehe er auf der rechten Seite an der Kolonne vorbei, auch wenn ein Autofahrer nach rechts ausschwenke. Und wenn die Ampel auf Rot steht, würde er trotzdem gerne rechts abbiegen. Schliesslich tue das niemandem weh. «Ich verstehe nicht, dass sich Autofahrer darüber aufregen. Versuche in Basel haben gezeigt, dass das funktioniert.» Es sei doch ein Privileg des Velofahrers.

Gewiss gebe es Velofahrer, die über ihre Verhältnisse unterwegs seien, sagt Blumer. Doch das seien wenige. «Deshalb muss man keinen Rowdy-Suchtrupp losschicken, um sie zu büssen.» Für Blumer geht es zum einen ums Prinzip, auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer Rücksicht zu nehmen. Zum anderen fordert er eine bessere, sicherere und durchgehende Infrastruktur für Velofahrer. Da gebe es in St.Gallen noch Nachholbedarf.

«Wenn jeder eine eigene Spur hat, kommt man sich auch weniger in die Quere.»

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