Igop in Gossau wittert Morgenluft und will einen dritten Absturz verhindern 

Die Interessengemeinschaft für ein optimiertes Pflegeheim fordert erneut einen Marschhalt beim Alterszentrum.

Perrine Woodtli
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Monatelang war die Interessengemeinschaft für ein optimiertes Pflegeheim (Igop) omnipräsent in Gossau. Marius Thürlimann und Sandro Contratto, die einzigen bekannten Mitglieder und Sprachrohre der Igop, warben dafür, den städtischen Beitrag für das Provisorium «Schwalbe plus» abzulehnen.

Geklappt hat es nicht. Am 8. März genehmigten 63 Prozent der Stimmberechtigten die drei Millionen. Danach wurde es ruhig um die Igop. Aber nur kurz. In einer Mitteilung fragt sie nun: «Wie geht es weiter mit der Sana Fürstenland?»

Grund für das Schreiben ist der Entscheid des Baudepartements bezüglich des Altersheimneubaus der Sana Fürstenland AG auf dem Andreasareal. Mitte März wurde bekannt, dass das Baudepartement den Rekurs von Alex K. Fürer und der KFK Immobilien AG gutheisst und unter anderem zwei Sondernutzungspläne sowie einen Teilstrassenplan aufhebt. Die Igop fordert nun – nicht zum ersten Mal– einen Marschhalt.

Einen dritten Absturz verhindern

Die neuen Fakten würden eine vertiefte Diskussion über das weitere Vorgehen notwendig machen, schreibt die Igop. Man sei nach wie vor der Meinung, dass es ein neues Pflegeheim brauche.

«Nach wie vor sind wir aber überzeugt, dass das Projekt Andreaszentrum überdimensioniert ist.» Ein Projektstopp sei aufgrund der neuen Situation notwendig. Die Igop fragt sich, ob die damals gemachten Planungsvorgaben nach dem heutigen Wissensstand noch richtig seien und ob dem Projekt eine Alternative gegenübergestellt werden müsste.

Zudem müsse das Mitwirkungsrecht der Bevölkerung respektiert werden. Es sei an der Zeit, «die Prozesse für eine Neuauflegung des Projektes auf ein neues Niveau zu bringen», damit ein dritter Absturz verhindert werden könne. «Das Gesamtkonzept muss nochmals intensiv überlegt werden.»

Das Ganze koste zu viel Zeit

Nachdem der Rekurs gutgeheissen wurde, ist die Stadt am Zug. Sie muss entscheiden, ob sie den Entscheid ans Verwaltungsgericht weiterziehen oder bei den Grundlagen für das Altersheim bei null beginnen will. Die Chancen, dass die Stadt vor dem Verwaltungsgericht recht bekomme, seien «minimal», glaubt Marius Thürlimann. «Das Ganze würde zudem viel Zeit kosten.» Heisse das Gericht den Rekurs ebenfalls gut, müsse man sowieso bei null anfangen. «Deshalb sollte man jetzt schon überlegen und nicht nur abwarten. Das wäre verlorene Zeit.»

Die Igop hat zudem weitere Fragen, «die zu gegebener Zeit beantwortet werden sollen». Sie will wissen, welches die nächsten Schritte der Stadt und der Sana Fürstenland sind und welche anderen Optionen in die Überlegungen einfliessen. Sie fragt sich zudem, ob ein runder Tisch mit Stadt, Sana Fürstenland, Parlamentsvertretern und Einsprechern zielführend wäre.

Nicht zurück auf Feld eins

Für Gespräche mit den Einsprechern sei man offen, sagt Kathrin Hilbert, Verwaltungsratspräsidentin der Sana Fürstenland AG. Zu den nächsten Schritten könne sie noch nicht viel sagen, die Federführung liege bei der Stadt. «Wir legen grossen Wert darauf, dass die Situation gemeinsam sorgfältig analysiert wird», sagt Hilber.

Man prüfe, welche weiteren Möglichkeiten es auf dem Rechtsweg gebe. «Klar ist, dass wir keine Freude an der Situation haben, sie aber ernstnehmen.» Sie sei nun umso dankbarer für das Provisorium. Von einem Marschhalt hält Hilber nicht viel. «Wir haben seit drei Jahren einen Stopp.

Giella braucht die Igop nicht

Jetzt noch einen Marschhalt verlangen kann nur, wer keine Verantwortung tragen muss.» Man sei überzeugt, dass die Ausgangslage für den Bau nach wir vor stimme. Und dazu habe man einen demokratischen Auftrag.

Auch Stadtpräsident Wolfgang Giella will das Gespräch mit den Einsprechern suchen. Man diskutiere zudem mit dem Sana-Verwaltungsrat und den weiteren Gemeinden, die im Altersheimprojekt involviert sind.

Stadtpräsident Wolfgang Giella.

Stadtpräsident Wolfgang Giella.

Ralph Ribi

«Die Igop vergisst, dass es sich nicht nur um ein Gossauer Projekt handelt», sagt Giella. Mehr könne er derzeit nicht sagen. Zu den Fragen der IG sagt er, es sei nicht an ihr, diese zu stellen. «Ich stelle mir diese Fragen selber, dazu brauche ich die Igop nicht.»