«Ich wollte etwas bewegen»: Jürg Niggli von der «Stiftung Suchthilfe» geht in Pension

Jürg Niggli hat das Amt des Geschäftsleiters der «Stiftung Suchthilfe» nach 24 Jahren abgegeben.

Christoph Renn
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Jürg Niggli ist Ende Jahr nach 24 Jahren als Geschäftsleiter der «Stiftung Suchthilfe» in Pension gegangen.

Jürg Niggli ist Ende Jahr nach 24 Jahren als Geschäftsleiter der «Stiftung Suchthilfe» in Pension gegangen.

Bild: Ralph Ribi

Im Büro an der Rorschacher Strasse 67 stehen bis an den Rand gefüllte Schachteln in den Ecken, der Schreibtisch ist leergeräumt. In dem geordneten Chaos huscht Jürg Niggli herum. Der Geschäftsleiter der «Stiftung Suchthilfe» räumt seinen Arbeitsplatz. Nach 24 Jahren macht er seiner Nachfolgerin Regine Rust Platz, die in den nächsten Tagen ihr Amt antritt. «Es ist ein freudiger Moment für mich», sagt Niggli. Es sei an der Zeit, das Zepter an junge, gut ausgebildete Kräfte zu übergeben. Er selbst sei dankbar, dass er auf eine schöne Zeit zurückblicken könne.

Das Amt als Leiter der «Stiftung Suchthilfe», damals noch «Stiftung Hilfe für Drogenabhängige», hat Jürg Niggli am 2.August 1995 angetreten. Sein Ziel war von Anfang an klar: «Ich wollte etwas bewegen und ein stabiles Fundament schaffen.» Dies sei ihm dadurch gelungen, dass unter ihm alle Drogenformen in einer Institution eingebunden wurden. Dies habe der Organisation zu Stabilität verholfen und vor allem den Abhängigen einen höheren Nutzen gebracht. Zudem sei dank Öffentlichkeitsarbeit die Glaubwürdigkeit der «Stiftung Suchthilfe» gestiegen.

Die Begegnungen bleiben in Erinnerung

In Erinnerung werden Jürg Niggli die unterschiedlichsten Menschen und ihre speziellen Geschichten bleiben. Erlebnisse wie am vergangenen Weihnachtsfest in der Gassenküche seien es, welche ihn in seiner Arbeit stets bekräftig hätten:

«Ein Klient hat sich bei mir bedankt, obwohl ich ihn vor einigen Jahren in eine Klinik einweisen musste.»

Dies zeige ihm, dass sich ein respektvoller Umgang mit den Mitmenschen auszahle. Dabei gehe es immer um das richtige Mass, sei es beim Konsum von Suchtmitteln als auch im Umgang mit anderen Menschen.

In den 24 Jahren als Geschäftsleiter der «Stiftung Suchthilfe» hat Jürg Niggli viele traurige Schicksale miterlebt. «Trotzdem habe ich immer gut geschlafen.» So hart die Lebensgeschichten der Klienten und ihrer Familien gewesen sind: «Verantwortung über ihr Schicksal konnte ich nicht übernehmen.» Etwas habe ihn aber stets berührt: «Die Ungerechtigkeit des Lebens.» Er habe nie begriffen, wieso einige Menschen so viel Glück hätten, während andere vom Pech verfolgt scheinen.

Kritik als Bestätigung der Arbeit

Wie von den Schicksalen hat sich Jürg Niggli auch von Kritikern nicht beirren lassen. So hat er sich wiederholt für eine Legalisierung von Cannabis eingesetzt und den «St.Galler Weg» weiterentwickelt (siehe Zweittext). «Hätte es gar keine Kritik gegeben, sei es von Seite der Klienten als auch vereinzelt aus den Quartieren, hätte ich etwas falsch gemacht», sagt er.