«Ich will den Leuten ein gutes Gefühl und etwas zum Schmunzeln vermitteln»: Clownin Pepita aus Gossau zaubert bunte Tupfer in den Alltag der Altersheimbewohner

Clownin Brigitte Senn besucht in der Coronakrise unentgeltlich Altersheime: Vom Garten aus verblüfft und erheitert sie ihr Publikum.

Melissa Müller
Drucken
Teilen
«Bliibed chnuschper und buschper!» Pepita bringt etwas Farbe ins Alterszentrum Wiborada in Bernhardzell.

«Bliibed chnuschper und buschper!» Pepita bringt etwas Farbe ins Alterszentrum Wiborada in Bernhardzell.

Bild: Ralph Ribi

Ein knallgrünes Auto flitzt zum Wohn- und Pflegezentrum Wiborada in Bernhardzell. Eine rote Nase glänzt hinter dem Steuerrad. Clownin Pepita lässt einen Arm aus dem Fenster baumeln und lacht übers ganze Gesicht. In grasgrünen Hosen watschelt sie vor rund 30 Bewohnerinnen und Bewohner, die draussen sitzen und sich über den überraschenden Besuch freuen. Die Clownin stellt ihren Koffer ab und schaut sich um:

«Bin ich hier richtig?»

Die Alters- und Pflegeheime sind seit bald drei Wochen von der Aussenwelt abgeschnitten. Als die Gossauer Clownin Pepita alias Brigitte Senn Strübi in der Zeitung las, wie sehr sich die älteren Menschen in diesen Tagen schwertun mit dem Alleinsein, beschloss sie, etwas zu tun: Sie besucht unentgeltlich Altersheime und veranstaltet kleine Auftritte im Garten. Die Bewohner können vom Zimmer oder der Terrasse aus in sicherer Distanz zuschauen. Heute besucht die Clownin diverse Altersheime in Heiden und St. Gallen.

Pepita über die grösste Magie der Welt

Pepita stolpert über einen Schemel, verheddert sich in einen Notenständer und spielt auf ihrer Handorgel. Sie kenne «die grösste Magie der Welt», erklärt sie dann. «Wollt ihr sie sehen?» Keine Reaktion, das Publikum wirkt etwas unbeteiligt. Später zaubert Pepita aus einer goldenen Schatulle einen Ballon. Sie bläst ihn auf, er nimmt die Form eines Herzens an. «Die grösste Magie der ganzen Welt», ruft sie aus, «ist die Liebe!» Als sie dann noch ein Schlagerlied über die Liebe anstimmt, singt ein Mann im Rollstuhl plötzlich lauthals mit. Auch drei Frauen stimmen begeistert in den Gesang ein. «Bravo!», klingt es aus dem Publikum. Pepita hat die Menschen erheitert, mit Klamauk und Poesie einen bunten Tupfer in ihren Alltag gezaubert.

Ein Ballon in Form eines Herzens erheitert die Herzen.

Ein Ballon in Form eines Herzens erheitert die Herzen.

Ralph Ribi

Schon seit einigen Jahren tritt Brigitte Senn als Clownin in Altersheimen auf. «Ich will den Leuten ein gutes Gefühl und etwas zum Schmunzeln vermitteln», sagt die Oberstufenlehrerin, die mit ihrem Mann und zwei Katzen in Gossau wohnt.

In ihrer Clown-Ausbildung hat sie den Umgang mit speziellen Personen eingeübt. Kinder lieben Slapstick: Ohrfeigen, wenn Wasser spritzt oder einer auf die Nase fällt. «Erwachsene mögen einen etwas feineren Humor», sagt Senn. Den Zugang zu dementen Patienten finde sie oft durch Musik. Selbst wenn bei ihnen manche Erinnerungen ausgelöscht sind, erinnern sie sich noch an Volkslieder wie «Es Puurebüebli».

Die Verwandlung in die Clownin

Auf die Auftritte bereitet sich Brigitte Senn minutiös vor. Sie entwickelt laufend Ideen und probt Nummern ein.

«Ich gehe nicht einfach ins Altersheim und benehme mich doof.»

Wenn Senn sich ihre rote Nase anzieht, verwandelt sie sich augenblicklich in ihre freche Kunstfigur Pepita. «Privat bin ich nicht so witzig und schlagfertig», sagt die Komikerin. «Pepita hat mehr Pep.» Als Clown könne man ewig Kind bleiben und geniesse Narrenfreiheit. Darum blickt Brigitte Senn auch zuversichtlich ihrem 59. Geburtstag entgegen, den sie am 22. April feiert: «Ich freue mich über jede Falte, sie macht meine Mimik noch besser.»