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«Ich will das Mami in der Gemeinde sein»: CVP-Kantonsrätin Seline Heim will in den Andwiler Gemeinderat

Bäuerin, Schulleiterin, Politikerin, Mutter: Seline Heim bürdet sich viel auf. Nun will sie in sie in den Gemeinderat.
Melissa Müller
Seline Heim in ihrer Neubauwohnung in Andwil. Den Hof in Gossau übergibt sie an ihre Tochter Stephanie. (Bild: Hanspeter Schiess)

Seline Heim in ihrer Neubauwohnung in Andwil. Den Hof in Gossau übergibt sie an ihre Tochter Stephanie. (Bild: Hanspeter Schiess)

Sommerferien? Für Seline Heim-Keller kein Thema. «Ich mache nie Ferien», sagt die Bäuerin und CVP-Kantonsrätin. Höchstens mal ein Ausflug übers Wochenende sei drin. Etwas verlegen fügt die 55-Jährige hinzu: «Ich gehe nicht gern weg. Am liebsten bleibe ich daheim. Mein Mann würde schon mal gern den Norden bereisen.»

,Jetzt kandidiert Seline Heim-Keller für den Andwiler Gemeinderat, nachdem Yvonne Staub (CVP) aus beruflichen Gründen zurückgetreten ist. Doch auch die SVP will mit der Bäuerin Irene Räss den Gemeinderatssitz erobern. Der erste Wahlgang findet am 20. Oktober statt. «Politik macht mir Spass», sagt Seline Heim.

«Und ich will aktiv sein im Dorf. Nicht bloss heimkommen, um hier zu schlafen.»

Wie steht sie zu einer Fusion mit Gossau? «Ich finde es richtig, dass Andwil eine selbständige Gemeinde geblieben ist.»

Seline Heim ist fast schon ein politisches Urgestein. Seit 2004 politisiert sie für die CVP im Kantonsrat. Kämpft etwa dafür, dass Littering gebüsst werden kann. Oder dass Bauern angemessen entschädigt werden, wenn Wildschweine ihre Äcker verwüsten. «Andere Politiker reichen möglichst viele Vorstösse ein, um in die Medien zu kommen.» Das entspreche ihr nicht. «Ich reiche nur Vorstösse ein bei Themen, die mir dringlich erscheinen.» Schliesslich koste die Beantwortung jedes Vorstosses den Steuerzahler 3000 Franken. Als Vorbild nennt sie Bauernpräsident Markus Ritter: «Ich bewundere seine bodenständige Intelligenz, die oft auch seine Bauernschläue durchschimmern lässt.»

Gespür für 
kranke Kühe

Parteikollegen nennen Seline Heim eine «seriöse Schafferin – unkompliziert, zuverlässig, fundiert». Man könne mit ihr auch mal ein Bier trinken gehen. Eine «gute Zuhörerin», sagen viele. Das kommt ihr auch beruflich zugute – bei der Anlaufstelle «Offni Tür», wo sie Bäuerinnen und Bauern in Not berät. Heim leitet zudem die Bäuerinnenausbildung am Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez. Besonders gefragt seien ihre Kurse in Homöopathie für Kühe. Ein Homöopathie-Ratgeber steckt allzeit griffbereit in ihrer Handtasche. «Frauen haben oftmals ein besseres Gespür zum Heilen.»

Den Bauernhof loslassen und an die jüngere Generation übergeben

Einen Draht zu Kühen hatte die Bauerntochter schon in ihrer Kindheit in Horn im Thurgau. Mit ihrem Mann Christoph führt sie heute den Biobetrieb in der Sonnegg in Gossau mit 20 Kühen im Freilaufstall, Schafen, 20 Hektaren Land und 60 Hochstammbäumen. Der Stall ist ihre Domäne. «Jede Kuh hat ihren Charakter.» Doch nun gilt es, dieses Lebenswerk loszulassen und den Hof zu übergeben an die jüngere Generation.

Seline Heim in ihrem Hof in der Sonnegg in Gossau. (Bild: Michel Canonica, 2014)

Seline Heim in ihrem Hof in der Sonnegg in Gossau. (Bild: Michel Canonica, 2014)

Eine ihrer fünf Töchter, die gelernte Metzgerin Stephanie, ist mit ihrer Familie bereits in das elterliche Bauernhaus gezogen. Sie wird den Hof in zwei, drei Jahren in einer Betriebsgemeinschaft übernehmen. Bis es so weit ist, greifen ihr die Eltern unter die Arme. Sie haben sich in Andwil eine luftig-moderne Parterrewohnung gekauft. Man kann die frische Farbe noch fast riechen in der Neubausiedlung Augarten-Ebnet am Loobach. Korbstühle, eine antike Nähmaschine und ein Foto mit den fünf Töchtern Noemi, Domenica, Stephanie, Irena und Leandra. Die Jüngste kandidiere nun auch für den Kantonsrat.

Steingarten vor der Neubausiedlung

Die Fensterfront gibt den Blick frei auf ­Wiesen und Weizenfelder. «Ich brauche viel Grün», sagt die Biobäuerin – und trägt ein knallgrünes Hemd. Mehr grau als grün ist der Steingarten vor ihrem Block. «Den finde ich auch nicht so toll. Wir haben aber um unseren Rasen einheimische Büsche gepflanzt, um die Artenvielfalt zu fördern.»

Für eine bessere ­Absicherung der Frauen

Heim hat die Gossauer Lokalpolitik mitgeprägt. Ihr CVP-Kollege Florin Guido Scherrer sagt: «Sie hat Helen Alder in den Stadtrat gebracht, unseren Vorstand verjüngt und strategisch die richtigen Leute eingesetzt.» Obschon sich Heim für Frauen in der Politik starkmacht, nahm sie nicht am Frauenstreik teil. «Ich durfte meine Enkel hüten. Hätte ich mitgemacht, hätte ich eine Tracht angezogen und für eine bessere Absicherung der Bäuerinnen demonstriert.» Leider sei es vielen jungen Bäuerinnen nicht bewusst, dass sie den Kürzeren ziehen, wenn sie nicht in ihre AHV einzahlen.

Die Leiden der Landwirte: Alkohol, Gewalt und finanzielle Nöte

Bei der Beratungsstelle «Offni Tür» wenden sich oft Frauen an Heim, die nach einer Scheidung vor dem Ruin stehen. «Auch die Gewalt in der Ehe hat zugenommen. Und oft ist Alkohol im Spiel», stellt Heim fest. Kürzlich rief eine Bäuerin bei ihr an, die von ihrem Mann mit dem Messer bedroht wurde. «Ich habe sie sofort ans Frauenhaus verwiesen.» Doch es komme auch vor, dass der Mann das Opfer sei und die Frau die Täterin. «Es gehören immer zwei dazu.»

Geheimnis einer 
stabilen Ehe

Seline Heim ist seit 32 Jahren verheiratet. «Ich bin die Lebhafte, er der Ruhepol.» Wie schafft man es, ein Paar zu bleiben, wenn man Tisch, Bett und Arbeit teilt? «Jeder von uns pflegt einen eigenen Freundeskreis», sagt sie. «Es ist wichtig, sich eine eigene Welt aufzubauen ausserhalb von Betrieb und Ehe.»

Familie, Schule, Hof und Politik: Wie ist das alles zu schaffen? «Das fragen mich viele», sagt Heim. «Ich brauche keine Zeit für mich.» Wenn man ein positiver Mensch sei, könne man viel anpacken. «In der Familie haben wir es gut. Das setzt Kräfte frei.» Nun will Seline Heim helfen, die Gemeinde Andwil gesund zu entwickeln. Ein offenes Ohr für die Anliegen der Bevölkerung haben. «Ich will das Mami in der Gemeinde sein.»

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