Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

«Ich verstehe die Ängste der Andwiler»: Seline Heim will als Gemeinderätin frischen Wind nach Andwil bringen

Am 20. Oktober will sie zur Gemeinderätin gewählt werden: Seline Heim-Keller hat bereits ein paar Ideen für das Dorf.
Interview: Melissa Müller
«Man kennt doch seine Pappenheimer im Dorf»: Seline Heim-Keller. (Bild: Ralph Ribi)

«Man kennt doch seine Pappenheimer im Dorf»: Seline Heim-Keller. (Bild: Ralph Ribi)

CVP-Kantonsrätin Seline Heim-Keller bestellt einen Cappuccino. Am 20. Oktober will sie in den Andwiler Gemeinderat gewählt werden. Die Bäuerin und Schulleiterin ist um keine Antwort verlegen und lässt ihren Schalk aufblitzen.

Im «Andwiler» wirbt Ihre Konkurrentin Irene Räss mit einem grossen Inserat, Sie hingegen nur mit einer unscheinbaren Anzeige. Warum verstecken Sie sich?

Seline Heim-Keller: Ich verstecke mich nicht. Mein grosses, schönes Inserat erscheint noch diese Woche im «Andwiler». Mit dem Slogan «Weil Erfahrung zählt», der aber nicht von mir stammt. Mir hätte «Einzigartig statt artig» besser gefallen.

Sind Sie unartig?

Ha! Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen.

Wir dachten schon, Sie seien so siegessicher, dass Sie ein grösseres Inserat nicht für nötig halten.

Nein, sicher nicht. Die Chancen stehen 50 zu 50.

Aber Ihre Konkurrentin hatte noch nie ein politisches Amt, während Sie auf 15 Jahre Kantonsrat zurück­blicken.

Das kann mir auch negativ ausgelegt werden. Vielleicht finden manche: Das muss sie jetzt nicht auch noch machen. Neider gibt es immer. Oder solche, die denken: Alt gegen Jung, und jetzt nehmen wir die Junge.

Fühlen Sie sich mit 55 alt?

Überhaupt nicht, aber Irene Räss ist ein paar Jahre jünger. Mit ihrem Slogan «Mitten im Leben» zielt sie darauf ab.

Warum sollen die Andwilerinnen und Andwiler Sie wählen?

Ja eben, weil ich politische Erfahrung habe und frischen Wind nach Andwil bringe. Ich komme nicht als Unbekannte, aber als Aussenstehende nach Andwil. Völlig unbelastet von der Fusionsgeschichte, die das Dorf in den letzten Jahren gespaltet hat.

Als Gossauer CVP-Präsidentin sprachen Sie sich 2016 aber für eine Fusion von Andwil und Gossau aus.

Es war die Parteiversammlung, welche ich als Parteipräsidentin geleitet habe, die «Ja» zur Fusion gesagt hat. Ich habe den Entscheid mitgetragen. Aus Sicht von Andwil bin ich heute gegen die Fusion.

Wieso?

Gross gegen klein. Ich verstehe die Ängste der Andwiler, das sind 2000 Einwohner, Gossau hat 18000 Einwohner. Der Dorfgeist, der in Andwil ausgeprägt ist, bleibt besser erhalten, wenn man eigenständig bleibt.

Wie soll man mit Vandalismus umgehen, wenn etwa Bushäuschen angesprayt werden oder auf Spielplätzen Scherben herumliegen?

Der Gemeinderat hat bereits gut reagiert und dies im «Andwiler» thematisiert. Gleich die Polizei auf den Platz holen, fände ich etwas krass. Ich würde versuchen herauszufinden, wer es war. Man kennt ja seine Pappenheimer im Dorf.

Und wie würden Sie die Pappenheimer bestrafen?

Wenn man sie direkt anspricht, erschrecken sie so oft sehr, dass man dann Ruhe hat. Auf unserem Hof in Gossau hatten wir einmal ein Riesentheater mit Abfall bei einem Bänkli. Meine Tochter kannte diese Jugendlichen. Ich ging zum Bänkli und sagte: Gell Adrian, ihr schaut schon, dass wieder aufgeräumt wird. Der erschrak dermassen, dass ich seinen Namen kannte, dass da nie mehr Abfall lag.

Wie stehen Sie zum Thema Überwachungskameras?

Sie zeugen von einer gewissen Hilflosigkeit. Wenn man im öffentlichen Raum nicht mehr weiss, was man machen soll, kommen immer diese Kameras ins Spiel. Da wäre ich zurückhaltend.

Andwil ist eine wachsende Gemeinde, wie soll man die vielen Neuzuzüger abholen und einbinden?

Wir hatten ja einen Neuzuzügeranlass, den ich sehr gut fand und wo sich die Vereine präsentierten. Die Neuzuzüger haben nicht nur eine Hol-, sondern auch eine Bringschuld. Als ich vor einem Jahr zugezogen bin, habe ich auch auf der Website geschaut, was es gibt. Ich bin beim Frauenverein und will in den Turnverein. Ich gehe am Sonntag in die Kirche und kaufe im Dorf ein.

Soll die Gemeinde eine ausserschulische Kinder­betreuung anbieten?

Tagesstrukturen gehören zu einer Gemeinde wie Andwil, die am Wachsen ist und wo man will, dass viele Familien hinziehen. Heutzutage arbeiten fast alle Mütter auswärts. In Krippen sind Kinder besser aufgehoben als mit einem Pack Pommes Chips vor dem Fernseher.

Das Gemeindehaus aus den 1970ern ist in die Jahre gekommen. Soll man es sanieren oder neu bauen?

Stimmt, ich habe gehört, dass sie Kübel aufstellen müssen, weil es hineinregnet. Ich habe da eine andere Idee: Neben dem Gemeindehaus entsteht eine Überbauung. Vielleicht wäre es eine Option, dass sich die Gemeinde dort einmietet. So hätte man die Kosten im Griff. Sollte irgendwann eine engere Zusammenarbeit mit Gossau oder Waldkirch in Frage kommen, könnte man wieder kündigen.

Derzeit wird der Bau eines Schulhauses in Arnegg geprüft. Sind Sie dafür?

Arnegg gehört politisch zu Gossau. Wenn sie bereit sind, ein Schulhaus zu bauen – und das sind die Gossauer zur Zeit mehr als auch schon – dann muss man sich als Andwiler gut überlegen, ob man nicht lieber in Arnegg zur Schule geht. Im Arnegger Areal Hälg entstehen Wohnungen. Ich könnte mir also gut vorstellen, dass Arnegg baut und sich die Andwiler dort beschulen lassen. Zumal die Schulgemeinde Andwil-Arnegg sowieso schon zusammengehört.

Was sind Ihre Visionen für Andwil?

Dass Andwil ein Dorf bleibt. Dass die Entwicklung mit den beiden grossen Überbauungen auf Jahre hinweg abgeschlossen ist. Dass sich die neuen Einwohner gut integrieren und man sich weiterhin Grüezi sagt. Und dass die Gemeinde gesund bleibt, auch politisch. Beim Steuerfuss sind wir auf gutem Weg, der ist auf 118 Prozent gesunken. Ich hoffe, dass die Gemeinde weiterhin sorgsam, aber nicht knauserig mit den Finanzen umgeht.

Das klingt realistisch, nicht abgehoben oder visionär.

Ich bin eben eine Realistin und keine Visionärin.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.