«Ich kann den Entscheid nicht nachvollziehen»: Rorschacher trauern um ihr Spital

Das Rorschacher Spital soll ab 2022 geschlossen werden. Dies im Rahmen der neuen Spitalstrategie des Kantons. Eine Strassenumfrage zeigt: Die Rorschacher Bevölkerung ist mehrheitlich unzufrieden mit der neuen Strategie und bedauert die Spitalschliessung.

Sina Walser/Natascha Arsic
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Am 23. Oktober entschied die St.Galler Regierung zusammen mit dem Spitalrat über die neue Spitalstrategie des Kantons. Das Rorschacher Spital soll definitiv ab 2022 geschlossen werden. An einem neuen, noch unbekannten Standort wird stattdessen ein Gesundheits- und Notfallzentrum (GNZ) eröffnet. Wie das Konzept dieses Zentrums genau aussehen wird, ist noch unklar. Eines wird aber durch eine Strassenumfrage deutlich: Die Rorschacher Bevölkerung ist mehrheitlich unzufrieden mit der neuen Strategie und trauert um ihr Spital.

Willi Gmünder, 70 Pensionär, Goldach. (Bild: Sina Walser)

Willi Gmünder, 70 Pensionär, Goldach. (Bild: Sina Walser)

Ich finde die Spitalstrategie etwas radikal. Ich bin auch der Meinung, dass etwas passieren muss, bezüglich der Spitäler und dem mangelndem Geld, aber nicht so. Da gäbe es andere Orte, an denen man sparen könnte. Man muss beispielsweise nicht unbedingt zehn Menüs zur Auswahl haben, wenn man im Spitalbett liegt.


Alexandra Bischof, 38 Hotelfachfrau, Rorschach. (Bild: Sina Walser)

Alexandra Bischof, 38 Hotelfachfrau, Rorschach. (Bild: Sina Walser)

Da wir hier in Rorschach sowieso nicht allzu viel haben, ist es sehr schade, dass das Spital auch noch geschlossen wird. Ich und meine Kollegin hatten immer gehofft, dass sie das Spital eher ausbauen und erneut eine Geburtsstation einrichten, damit man seine Kinder wieder hier in Rorschach zur Welt bringen kann.


Johannus Bronwasser, 51 Geschäftsinhaber, Wienacht. (Bild: Natascha Arsic)

Johannus Bronwasser, 51 Geschäftsinhaber, Wienacht. (Bild: Natascha Arsic)

Die Schliessung des Rorschacher Spitals finde ich keine gute Lösung. Hier im Spital fühlt man sich wohl, hat eine Übersicht und kennt einander. Das Spital St. Gallen mutiert langsam zu einem riesigen Komplex, in dem sich vor allem die ältere Generation wegen der Grösse nicht mehr zurecht findet und man als Patient nur einer von vielen ist.


Gaby Lanzafame, 36 Fotografin, Goldach. (Bild: Natascha Arsic)

Gaby Lanzafame, 36 Fotografin, Goldach. (Bild: Natascha Arsic)

Das Argument für die Schliessung des Spitals kann ich nachvollziehen und da das Spital durch ein 24 Stunden betreutes Notfallzentrum ersetzt wird, finde ich, dass es verkraftbar ist. Das St. Galler Spital ist von Rorschach aus nicht sehr weit weg und auch gut erreichbar. Dennoch finde ich es schade, dass es geschlossen wird.


Julia Postelnico, 32 Künstlerin, Rorschach. (Bild: Sina Walser)

Julia Postelnico, 32 Künstlerin, Rorschach. (Bild: Sina Walser)

Das Rorschacher Spital sollte nicht geschlossen werden. Ein lokales Spital ist etwas Gutes für alle Anwohner und vor allem auch für die älteren Menschen. So weit ich weiss, hat es auch hier gute Ärzte und in dringenden Notfällen geht es einfach zu lange, um nach St. Gallen zu fahren. Unter Umständen kann es dann bereits zu spät sein.


Gieri Battaglia, 72 Pensionär, Rorschach. (Bild: Natascha Arsic)

Gieri Battaglia, 72 Pensionär, Rorschach. (Bild: Natascha Arsic)

Für mich als Rorschacher ist es einerseits natürlich sehr bequem ein Spital in der Nähe zu haben. Andrerseits hatte ich gehofft, dass die St. Galler Regierung zusammen mit dem Spitalrat für die Strategie über die Kantonsgrenzen hinausschaut und auch die Nachbarkantone Thurgau, Graubünden und Appenzell in ihre Planung einbezieht.


Esther Diem, 68 Pensionärin, Rorschach. (Bild: Natascha Arsic)

Esther Diem, 68 Pensionärin, Rorschach. (Bild: Natascha Arsic)

Hier in der Region war es ein langer Prozess, bis es so viele Spitäler gab. Deshalb kann ich diesen Entscheid nicht nachvollziehen und finde es gerade für die älteren Leute und alle Besuchenden schade, dass das Spital Rorschach schliesst. Die Lösung der GNZ finde ich nicht schlecht. Trotzdem denke ich, dass es für dringende Notfälle nicht ausreichen wird.


Martin Hofmann, 78 Pensionär, Rorschach. (Bild: Natascha Arsic)

Martin Hofmann, 78 Pensionär, Rorschach. (Bild: Natascha Arsic)

Als ehemaliger Mitarbeiter der Spitalkommission kenne ich die Umstände und weiss, dass die Schliessung eine notwendige Angelegenheit ist. Dies gefällt vielen nicht, was ich auch verstehe, trotzdem muss man diese Lösung nun akzeptieren. Man kann auch nicht erwarten, dass jede Region direkt vor der Haustüre ein Spital hat.


Timo Schawalder, 19 Informatiker, Widnau. (Bild: Natascha Arsic)

Timo Schawalder, 19 Informatiker, Widnau. (Bild: Natascha Arsic)

Ich persönlich störe mich nicht an der neuen Spitalstrategie, doch für ältere Personen ist sie sicher eine Belastung. Mit dem Spital direkt in Rorschach ist es für die Patienten und die Besucher bestimmt angenehmer, in der Nähe von zu Hause zu sein. Natürlich stellt sich auch die Frage, inwiefern das GNZ für dringende Notfälle ausreicht.