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Rorschacher Ex-Kantonsrat Jürg Bereuter: «Ich kandidiere nicht mehr für ein Amt»

Jürg Bereuter verlässt nach 14 Jahren den Kantonsrat. Er wurde oft als möglicher Kandidat für die Kantonsregierung oder das Stadtpräsidium genannt. Der Rorschacher winkt ab: Mit Blick auf seinen Jahrgang 1959 wolle er kein politisches Amt mehr übernehmen.
Fritz Bichsel
Jürg Bereuter an der Industriestrasse, wo er sich auch künftig einsetzen wird für direkten Zugang zur Autobahn ab Rorschach. (Bild: Fritz Bichsel)

Jürg Bereuter an der Industriestrasse, wo er sich auch künftig einsetzen wird für direkten Zugang zur Autobahn ab Rorschach. (Bild: Fritz Bichsel)

«Grundsätzlich bin ich Anhänger der Zwölf-Jahre-Regel. Allzu langes Verweilen in einem Parlament ist nicht gut», sagt der abtretende FDP-Kantonsrat zu seinem Rücktritt nach der Hälfte der Amtsperiode. «Es braucht stets neue Leute mit neuen Ideen.» Zwölf Jahre im Amt war Jürg Bereuter 2016. Weil das Planungs- und Baugesetz als grosses Projekt in seinem Schwerpunktbereich noch in Arbeit war, stellte er sich aber nochmals zur Wahl. Den Rücktritt erklärte er jetzt in der Junisession des Rates – ohne öffentliche Ankündigung. Das ist typisch für ihn. Jürg Bereuter sucht das Rampenlicht nicht und lancierte als Kantonsrat selten persönliche Vorstösse.

Hinter der Kulisse Einsatz bei Schwerpunktthemen

Er wirkte hauptsächlich in Kommissionen und in der FDP-Fraktion. An Debatten beteiligte er sich nur, wenn er aufgrund solcher Einsätze oder seiner Erfahrung aus Beruf und Freiwilligenarbeit in Verbänden vertiefte Erkenntnisse weitergeben konnte. «Ein Parlamentarier, der mit Regierung und Verwaltung auf Augenhöhe sein will, muss sich auf einige Bereiche fokussieren», sagt er. Jürg Bereuter wählte als Schwerpunkte Raumplanung, Bau, Umwelt, Verkehr und Sicherheit. So beanspruche das Amt 20 bis 25 Prozent der Arbeitszeit (die für ihn länger ist als ein übliches Pensum). Zufrieden blickt er auf Projekte, die unter seiner Mitwirkung gelangen: das neue Planungs- und Baugesetz, die Strategie für die Kantonspolizei mit Aufstockung, grünes Licht für einen direkten Anschluss der Agglomeration Rorschach an die Autobahn in Finanz- und Bauprogrammen. «Es gab aber auch Misserfolge.» Als solchen nennt der Rorschacher den gescheiterten Versuch, den Neubau für die Fachhochschule in Rorschach zu errichten.

"Gute Zusammenarbeit in Rorschach"

«Bei regionalen Themen arbeiten die Kantonsräte des Wahlkreises Rorschach gut zusammen», freut sich Jürg Bereuter. Gut über Parteigrenzen hinweg werde ebenso in den Kommissionen gearbeitet. Er wirkte auch in gewichtigen mit wie der Staatswirtschaftlichen Kommission, welche die Tätigkeit von Regierung und Verwaltung überwacht. Kontakt mit der Basis pflegte Jürg Bereuter besonders in Hauseigentümer- und Gewerbeverbänden, militärischen Organisationen und Gesprächen mit Behörden und Bauverwaltungen, für die er beruflich im ganzen Kanton tätig ist.

Wie schon länger erwogen, tritt er nun Mitte der Amtsdauer ab. Den Entscheid erleichtert habe ihm, dass Raphael Frei aus Rorschacherberg sein Nachfolger wird. Als Präsident der regionalen FDP erreichte Frei 2016 den ersten Ersatzplatz auf der freisinnigen Liste. Nun kann er als Präsident der Kantonalpartei im Kantonsrat mitwirken. Jürg Bereuter ist auch als Präsident der IG mobil für einen Autobahnanschluss Agglo Rorschach zurückgetreten. Diese Funktion übernimmt ebenfalls Raphael Frei. Bereuter bleibt Vorstandsmitglied. Er erhofft sich vom Kanton für die Zukunft die Realisierung dieses Anschlusses, eine «nicht allein finanziell geprägte Lösung» der schwierigen Spitalpolitik – wobei er «nicht um jeden Preis am Standort Rorschach festhalten» würde – oder mehr Finanzausgleich für Gemeinden «gegen eklatante Unterschiede beim Steuerfuss wie bei uns».

Von der Wiege, aber nicht bis zur Bahre

Politik wurde Jürg Bereuter bereits in die Wiege gelegt. Auch sein Vater Ferdinand war FDP-Kantonsrat. Sohn Jürg begann als Gemeinderat in Rorschacherberg. Schon bald wurde er als möglicher Nachfolger von Gemeindepräsident Tobler genannt und nach der Wahl in den Kantonsrat 2004 als mögliches Mitglied der Kantonsregierung, schliesslich mit dem Wohnortwechsel nach Rorschach auch als möglicher Nachfolger von Stadtpräsident Müller. «Ein Regierungsamt war für mich durchaus eine Option», sagt Jürg Bereuter. Nach juristischer Ausbildung und gut einem Jahrzehnt Berufstätigkeit als Generalsekretär des kantonalen Baudepartements zog es ihn jedoch in die Privatwirtschaft. Er wurde 2003 selbstständiger Anwalt als Partner einer Kanzlei und spezialisierte sich in den Bereichen, die er auch als Kantonsrat vertieft bearbeitete. Jetzt, 59-jährig, will er kein Amt mehr übernehmen. Vom Kantonsrat habe er «mit etwas Wehmut» Abschied genommen. «Es überwiegt aber die Freude, Freizeit zu gewinnen und diese mit der Familie zu erleben.» Vom Amt bleiben ihm «bereichernde menschliche Kontakte und Freundschaften über die Amtszeit hinaus».

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