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Rorschacher in England: «Ich habe zwei Zuhause»

Werner Sutter ist vor 38 Jahren von der Hafenstadt in die pulsierende Metropole London ausgewandert. Der sportbegeisterte Geschäftsmann kehrt auch heute noch regelmässig zu seinen Wurzeln am Bodensee zurück.
Rossella Blattmann
Tief im Gespräch: Werner Sutter erzählt gerne von seiner Kindheit in Rorschach. (Bild: Rossella Blattmann)

Tief im Gespräch: Werner Sutter erzählt gerne von seiner Kindheit in Rorschach. (Bild: Rossella Blattmann)

«Schauen Sie mal.» Werner Sutter sitzt wie verabredet pünktlich zum Mittagessen in der Badhütte in Rorschach. Ein Taschenbuch über das Älterwerden liegt auf dem dunkelgrünen Tisch. Er zückt sein Blackberry. «Heute Morgen habe ich meinem Sohn Scott, der früher in der Schweiz bei YB Fussball spielte, ein Foto der Badhütte im Familienchat via WhatsApp geschickt», sagt der 66-jährige Sutter. Die Antwort des Sohnes: «I love this place!», gefolgt von mehreren Smiley- und Herz-Emojis.

Auf den Spuren von den Stones

Sutter war 21 Jahre alt, als er 1973 zum ersten Mal nach London ging. Zuerst um Englisch zu lernen. Doch nach drei Monaten kam alles anders. «Ich begann in einem Pub zu arbeiten», sagt Sutter. In seiner Freizeit habe er die Englische Metropole voll und ganz ausgekostet.

«Es war die Zeit kurz nach den 68-er, die Zeit von Protesten gegen den Vietnamkrieg, die Zeit der Rolling Stones, Flower-Power!», schwärmt Sutter. «In London konnte ich das, was ich in Rorschach auf unserem Schwarz-Weiss-Bildschirm im Fernsehen sah, live miterleben. Es war wie in einem Film.» Seit dieser Zeit ist Sutter auch ein grosser Fan der Fussballmannschaft Tottenham Hotspurs. «Es war unschlagbar, die Spiele der Spurs live im Stadion mitzuverfolgen.»

Das Strandbad war sein Wohnzimmer

1980 liess sich der frisch verheiratete Sutter mit seiner britischen Frau Irena fest in England nieder; in Potters Bar, einem Vorort im Norden Londons. Dort wohnen er und seine Frau noch heute. «Immer noch im selben Haus», sagt er. Heute ist Sutter pensioniert. Der gelernte Kaufmann Sutter hat aber noch ein Teilmandat bei derselben Firma, wo er seit 1980 arbeitet.

Im Winter war Sutters Vater Bäcker bei Coop. Damals gehörte das Strandbad in Rorschach noch dem Detailhändler. So kam es, dass der Vater im Sommer als Bademeister im Strandbad arbeitete. Die Mutter sass an der Badikasse. «Als Kind verbrachte ich fast jeden Tag im Strandbad. Es war mein zweites Zuhause.»

Heute ist Sutter ein mal pro Monat in Rorschach, um seine Mutter im Pflegeheim zu besuchen. Doch ins Strandbad, seinem zweitem Wohnzimmer aus Kindheitstagen, gehe er nicht mehr. «Das Strandbad ist leider nicht mehr so wie früher», sagt er. Es wirke ungepflegt, und er wünsche sich, dass die Stadt etwas an diesem Zustand ändere, sodass es wieder zu dem würde, das es einmal war.

«Gleich kommt das grosse Müüsli»

Favorit um zu baden sei heute ein anderer: «Die Badhütte ist mein Lieblingsort in Rorschach.» Wenn er zu Besuch sei, verbringe er dort so viel Zeit wie möglich. «Hier haben auch meine Söhne Rick und Scott schwimmen gelernt», sagt Sutter. Er hoffe, dass er bald Grossvater werde und den Enkeln das Schwimmen beibringen könne.

Sutter schaut mit vor Freude funkelnden Augen auf den See hinaus. «Gleich kommt das grosse Müüsli», sagt er. Auf den verwirrten Blick der Journalistin muss Sutter laut lachen. «Das grosse Müüsli ist Alfred Zahner, ein guter Freund aus meiner Kindheit», klärt er auf. Der Spitzname gehe auf die gemeinsame Zeit in der Jungwacht in Rorschach zurück. Das kleine Müüsli, das sei sein Sohn Scott, der ein sehr kleines Baby gewesen sei.

Auch wenn er um den ganzen Globus gereist ist: Sutter kehrt immer gerne zu seinen Wurzeln nach Rorschach am Bodensee zurück. «Doch genauso freue ich mich jedes Mal, wenn ich in mein Haus zu meiner Frau nach Potters Bar zurückkehre», sagt er. «Ich habe nicht ein, sondern zwei Zuhause. Das ist ein unglaublich grosses Geschenk.»

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