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«Ich finde es liegt in der Eigenverantwortung, ob man ins Stadion geht»: Die Meinungen zu den Coronalockerungen gehen bei den St.Gallern auseinander

Der Bundesrat hat vergangenen Mittwoch die Regeln bezüglich der Durchführung von Grossanlässen gelockert. Veranstaltungen, unter anderem Fussballspiele, mit über 1000 Teilnehmern sind unter Auflagen wieder erlaubt. Nicht überall in der Stadt St.Gallen stösst der Entscheid des Bundesrats auf Verständnis.

Aybüke Köseoglu & Basil Schnellmann
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Der Bundesrat hat vergangene Woche neue Coronalockerungen für Grossveranstaltungen definiert. Ab dem 1. Oktober dürfen die Stadien unter strengen Auflagen wieder zu zwei Drittel gefüllt werden. Dabei muss jedes Spiel vom Kanton genehmigt werden. Im Kybunpark wären damit theoretisch 11000 Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen. Die Sitzplätze sind wegen des Contact Tracings nur personalisiert verfügbar. Zusätzlich herrscht Maskenpflicht. Auch Alkohol darf auf Sitzplätzen konsumiert werden, wobei das Schutzkonzept der Klubs dadurch nicht gefährdet werden darf. Bei Missachtung der Regelungen sollen die Klubs sanktionieren, nötigenfalls mit einem Stadionverbot.

Michele Pappa (42) Buschauffeur, St.Gallen

Michele Pappa (42) Buschauffeur, St.Gallen

Michele Pappa (42), Buschauffeur, St.Gallen: Ich finde es schwierig, den Entscheid des Bundesrats zu beurteilen. Welches Verhalten ist denn richtig und falsch? Bei einigen ist der Krankheitsverlauf schlimmer, bei anderen ist er besser. Die Wirtschaft leidet unter der Pandemie sehr, das ist schade. Ich mag Fussball und spiele auch selber, aber mit 11000 Leuten ins Stadion gehen würde ich noch nicht.

Manuela Rechsteiner (35) Sozialarbeiterin, St.Gallen

Manuela Rechsteiner (35) Sozialarbeiterin, St.Gallen

Manuela Rechsteiner (35) Sozialarbeiterin, St.Gallen: Ich finde es liegt in der Eigenverantwortung, ob man ins Stadion geht. Im Gegensatz zum ÖV ist der Stadionbesuch ja ein freiwilliger Entscheid. Wichtig ist, dass die Mitarbeitenden gut geschützt sind! Ich frage mich allerdings, wie man bei dieser Masse die Schutzmassnahmen und das Contact-Tracing im Griff haben will.

Rui Fernandes (20) Student, St.Gallen

Rui Fernandes (20) Student, St.Gallen

Rui Fernandes (20) Student, St.Gallen: Als Nebenverdienst arbeite ich als Sicherheitsverantwortlicher im Kybunpark. Ich denke, wir werden mehr Personal brauchen, denn alkoholisierte Leute halten sich weniger an Regeln. Das erfordert schnelleres Eingreifen. Die Zweidrittel-Regel trifft mich zwar als Fussballfan, doch kann man die Mannschaft momentan auch anders unterstützen.

Walters Pergers (65) Jurist, St.Gallen

Walters Pergers (65) Jurist, St.Gallen

Walters Pergers (65) Jurist, St.Gallen: Ich bin kein Fussballfan und auch kein Stadiongänger. Ich kann mir aber vorstellen, dass Bier zu einem Spiel einfach dazugehört. Unter Alkoholeinfluss kann die Stimmung jedoch schnell kippen. Die Emotionen beeinflussen das Verhalten und die Leute werden unvorsichtig. Darum würde ich momentan einen Stadionbesuch auslassen.

Christine Hug (31) Angestellte, St.Gallen

Christine Hug (31) Angestellte, St.Gallen

Christine Hug (31) Angestellte, St.Gallen: Ich denke, zu diesem Zeitpunkt ist es ein zwingender Schritt für Fussballklubs. Die Maskenpflicht überrascht mich dabei nicht, sie gehört ja schon zum Alltag dazu. Jeder hat die Möglichkeit, sich selber zu schützen. Es ist eine Frage der Eigenverantwortung. Und ob ich Alkohol trinken darf oder nicht, hat keinen Einfluss darauf, ob ich ins Stadion gehe.

Claudia Tawin (57) Kirchenbeamte, St.Gallen

Claudia Tawin (57) Kirchenbeamte, St.Gallen

Claudia Tawin (57) Kirchenbeamte, St.Gallen: Mich überrascht die Lockerung, da die Infektionszahlen gerade zunehmen. Auf der anderen Seite vertraue ich dem Bundesrat in seiner Entscheidung. Er wird sich bestimmt mit medizinischen Fachkräften beraten haben. Ich frage mich aber, warum Weihnachtsmärkte abgesagt werden, aber Fussballspiele mit Massenpublikum zugelassen werden.

Jan Essig (34) Shopmanager, St.Gallen

Jan Essig (34) Shopmanager, St.Gallen

Jan Essig (34) Shopmanager, St.Gallen: Klar kann man über den Entscheid des Bundesrates streiten. Doch alles lässt sich auf die Dauer nicht verbieten. Die Öffnung der Stadien für die breitere Masse macht sicher Sinn, allerdings ist nach wie vor Zurückhaltung gefragt. Es ist wichtig, dass ein geeigneter Mittelweg gefunden wird, mit dem alle zufrieden sind. Ich würde ins Stadion gehen.

Arin Karmis (20) Student, St.Gallen

Arin Karmis (20) Student, St.Gallen

Arin Karmis (20) Student, St.Gallen: Ich stehe gespalten dazu: Zum einen freue ich mich wieder im Stadion mitfiebern zu können, zum anderen nehmen aber die Infektionen überall wieder zu. Darum kann ich den Entscheid nicht ganz nachvollziehen. Ich denke, es sollte einfach sehr klar geregelt sein, wie und wo sich die Leute im und ums Stadion aufhalten dürfen. Dann sollte es funktionieren.

Birgit Capaul (59) Sekretärin, St.Gallen

Birgit Capaul (59) Sekretärin, St.Gallen

Birgit Capaul (59) Sekretärin, St.Gallen: Ich kann dem Entscheid des Bundesrates folgen. Für mich ist es ein Abwägen zwischen Volksgesundheit und der Ökonomie. Schliesslich können wir unsere Wirtschaft nicht an die Wand fahren. Der Entscheid ist kein leichter, aber ich denke nur durch Ausprobieren, können wir einen geeigneten Umgang mit dieser neuen Normalität finden.