Gegenwind

«Ich finde es eine Katastrophe»: Hausarzt Lukas Moll kritisiert die Schliessung des Notfalles in Rorschach scharf

Seiner Einschätzung nach müssen Patienten, rein medizinisch gesehen, in der Region Rorschach auch künftig keine Abstriche hinnehmen. Patienten müssten sich aber künftig auf erheblich längere Wartezeiten bei Notfallbehandlungen einstellen.

Rudolf Hirtl
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Der Rorschacher Allgemeinmediziner Lukas Moll im Gespräch mit einer Patientin in seiner Praxis am See.

Der Rorschacher Allgemeinmediziner Lukas Moll im Gespräch mit einer Patientin in seiner Praxis am See.

Bild: Benjamin Manser

Die Schliessung des Notfalls findet beim Rorschacher Allgemeinmediziner Lukas Moll wenig Zuspruch. «Ich finde es eine Katastrophe», sagt er unverblümt. «Wir haben hier künftig keine Notfallversorgung mehr für einfache Fälle. Wir hatten bisher die Möglichkeit einfache Fälle ans Spital Rorschach zu überweisen, schwere Fälle ans Kantonsspitals St.Gallen. Rein medizinisch wird es für Patienten nicht schlechter, nur müssen diese nun in einen ohnehin schon überfüllten Notfall im KSSG. Und was bisher in Rorschach behandelt wurde, kommt auch noch dorthin.» Und mit einem Schulterzucken sagt Lukas Moll:

«Das ist für den Patientenkomfort problematisch und zweifellos ein Qualitätsverlust.»

Abends von 23 bis morgens 7 Uhr hat bisher ein Arzt im Spital Rorschach die Nummer des regionale Notfalldienstes betreut. Die Hausärzte waren auf Pikett und wurden bei Bedarf für dringende Hausbesuche aufgeboten. «Die Kollegen der Notfallstation am KSSG rümpfen nun verständlicherweise mit der Nase, denn diese Telefonate und die Patienten mit einfachen Fällen bekommen sie nun noch zusätzlich.»

Schlimmstenfalls drei Stunden warten

Die hiesigen Hausärzte, die nach wie vor 24 Stunden für ihre Patienten da seien, würden nun zusammensitzen und besprechen, wie sie den Notfalldienst grundsätzlich künftig organisieren wollten. «Klar ist, die medizinische Versorgung wird nicht schlechter, nur müssen Patienten aus der Region Rorschach schlimmstenfalls künftig in St.Gallen drei Stunden warten.»

Kantonsspital will in Rorschach nur die lukrativen Bereiche behalten

Das für das Kantonsspital lukrative Angebot werde weiterhin am Standort Rorschach betrieben. In den nächsten Monaten werde dafür ein neuer Standort dafür evaluiert. Daher würden diese Bereiche sicher auch künftig in Rorschach angeboten. Ein von den Hausärzten betriebenes Notfall- und Gesundheitszentrum, wie es das KSSG vorschlägt, braucht es nach Meinung von Lukas Moll nicht. «Die Notfälle unter Tag können die Hausärzte wie bisher selbst managen.»