«Ich finde, das Alter sollte nicht entscheidend sein»: Für das Mörschwiler Gemeindepräsidium ist eine junge Frau in der Pole-Position

In Mörschwil schlägt die Findungskommission Martina Wäger als Gemeindepräsidentin vor.

Sheila Eggmann
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Die überparteiliche Findungskommission schlägt die 32-jährige Juristin und HSG-Absolventin Martina Wäger für die Nachfolge von Gemeindepräsident Paul Bühler vor.

Die überparteiliche Findungskommission schlägt die 32-jährige Juristin und HSG-Absolventin Martina Wäger für die Nachfolge von Gemeindepräsident Paul Bühler vor.

Bild: Ralph Ribi

Paul Bühler geht. Der Gemeindepräsident von Mörschwil gibt im Dezember nach 29 Jahren das Zepter weiter. So weit, so bekannt. Aber nun gibt es eine Überraschung: Die überparteiliche Findungskommission schlägt als Nachfolgerin die 32-jährige Martina Wäger vor.

Der Leiter der Findungskommission, Roger Sonderegger, begründet den Entscheid im Mitteilungsblatt der Gemeinde: «Sie bringt beste Voraussetzungen mit, um das Amt als Gemeindepräsidentin zum Wohle und für eine erfolgreiche Entwicklung von Mörschwil auszuüben.» Weitere Auskünfte will der HSG-Dozent, der als externer Berater hinzugezogen wurde, auf Anfrage nicht geben. Es ist nicht bekannt, wie viele Konkurrentinnen und Konkurrenten Wäger beim Auswahlverfahren ausgestochen hat.

Die Kommission ist sich einig

Bekannt wiederum ist das Vorgehen der Kommission. Nach Ablauf der Bewerbungsfrist am 20. Januar seien die Dossiers extern aufbereitet und in der Findungskommission intensiv diskutiert und beurteilt worden, wie im Mitteilungsblatt steht. Wer in die engere Auswahl kam, wurde zu einem Interview eingeladen. Anschliessend wurden Referenzen eingeholt. Beteiligt waren in der Kommission neben Roger Sonderegger Markus Blum (SVP), Richard Faust (Grüne), Walter Mäder (SVP), Leo Scherrer (CVP), Matthias Schmid (CVP), Esther Stricker (FDP) und Stephan Weigelt (FDP). Ihr Prozedere am besten überstanden hat offensichtlich Martina Wäger, sie wird gar einstimmig zur Wahl empfohlen. Wäger selbst ist überrascht vom Entscheid:

«Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Kommission nur eine Person vorschlagen wird.»

Über die einstimmige Nominierung freue sie sich aber sehr. Sie sagt: «Ich bin kompromisssuchend, vermittelnd und engagiert. Das hat wohl überzeugt.» Auch ihr juristischer Hintergrund wird bei einer allfälligen Wahl hilfreich sein. Wäger arbeitet als Rechtsanwältin und Notarin in einer Anwaltskanzlei in St.Gallen. Sie ist auf Bau- und Immobilienrecht sowie Vertragsrecht spezialisiert. In ihrer beruflichen Tätigkeit sei sie zurzeit sehr glücklich, trotzdem reize sie ein Wechsel in die Gemeindeverwaltung: «Ich sehe das als einmalige Chance.»

Sieht man sich in den umliegenden Gemeinden um, wäre Wäger als Präsidentin eine Exotin. Weil sie eine Frau ist. Und weil sie 32 Jahre alt ist. Sieht sie zweiteres als Nachteil?

«Nein. Ich finde, dass das Alter nicht entscheidend sein sollte.»

Wichtiger seien die persönliche und fachliche Eignung und die Fähigkeit, neue Impulse setzen zu können.

Wäger wird voraussichtlich der CVP beitreten

Wäger ist in Mörschwil aufgewachsen und hat dort gelebt, bis sie 25 Jahre alt war. «Ich habe noch immer einen guten Draht zur Bevölkerung in Mörschwil», sagt sie. Heute wohnt sie in Rorschacherberg. In ihrer Freizeit spielt sie Baritonsaxofon und ist Präsidentin der Bürgermusik Mörschwiler. Dieses Amt wird sie nächstes Jahr abgeben. «Diesen Entscheid habe ich bereits vor meiner Kandidatur fürs Gemeindepräsidium gefällt.»

Im politischen Rechts-Links-Schema sieht sich Wäger in der Mitte. Sie ist zurzeit parteilos. Allerdings wird sie voraussichtlich der CVP beitreten. «Diese Partei passt am besten zu mir.» Damit würde sie sich bei einer Wahl in die Reihe ihrer Vorgänger eingliedern: Mörschwil ist seit über 60 Jahren in der Hand der Christlichdemokraten.

«Ich gehe das unverkrampft an»

Als feststand, dass Paul Bühler als Gemeindepräsident zurücktreten wird, sei die Anwältin im Dorf mehrere Male auf das Amt angesprochen worden. «Ich selbst wäre wohl nicht auf diese Idee gekommen», sagt sie. Doch nach diversen Gesprächen habe sie sich entschlossen, es zu versuchen. «Ich gehe das unverkrampft an und bin gespannt, was dabei herauskommt.»

Die Erneuerungswahlen sind am 27. September. Im Gespräch als weiterer Kandidat war FDP-Ortsparteipräsident Marco Huwiler. Er hat sich aber gegen eine Kandidatur entschieden.