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Sie blieb dem Schönenwegen treu: Die St.Gallerin Kathrin Holzer unterrichtete 45 Jahre lang im gleichen Schulhaus

Seit 1973 war Kathrin Holzer im Schulhaus Schönenwegen tätig, die letzten 22 Jahre als Schulleiterin. Nun geniesst sie den Ruhestand und verrät, warum früher nicht alles besser war – im Gegenteil.
Luca Ghiselli
Abschied in den Kinderfest-Kleidern von Akris: Kathrin Holzer an ihrem letzten Tag im Schulhaus Schönenwegen. (Bild: Urs Bucher)

Abschied in den Kinderfest-Kleidern von Akris: Kathrin Holzer an ihrem letzten Tag im Schulhaus Schönenwegen. (Bild: Urs Bucher)

Als Kathrin Holzer im Schulhaus Schönenwegen zum ersten Mal vor einer Klasse stand, war Pablo Picasso gerade erst gestorben und Bundesrat Alain Berset feierte seinen ersten Geburtstag. April 1973 war es und die frischgebackene Primarlehrerin Holzer gerade 20 Jahre alt. «Ich musste zum Jungbürgertag», erinnert sie sich. Ihre Schüler hatten an jenem Tag frei.

Bis vergangenen Freitag sass Kathrin Holzer immer noch im Schönenwegen. Im Schulleiter-Zimmer im Neubau, Minergie-Standard, unverputzter Beton. Per Ende Schuljahr wurde Holzer pensioniert. «Ich wollte nie weggehen», sagt sie bei einer Tasse Espresso. Das Quartier sei ihr ans Herz gewachsen, genauso wie all die Kinder, die sie in den 45 Jahren begleitet hat. Mit ihrem ersten Jahrgang traf sie sich erst kürzlich zur Zusammenkunft – die Fünftklässler von damals sind zum Teil schon Grosseltern.

Es bewegte sich immer etwas

Im Schulhaus Schönenwegen ist fast nichts mehr, wie es war, als Holzer hier anfing. Der Lehrplan wurde zigmal umgekrempelt, das Areal gründlich umgebaut. Einzig der alte, prachtvolle Trakt mit Baujahr 1901 steht noch. Dass sie Lehrerin werden wollte, wusste Kathrin Holzer schon früh. «Ich habe schon im Kindesalter mit meinen Schulfreunden ‹gschüelerlet›», sagt sie. Immer das gleiche Schulhaus, immer die gleiche Stadt: Warum wurde es ihr nie langweilig? «Weil immer etwas ging und sich bewegte.» Und so lerne sie heute noch jeden Tag dazu, sei offen, neugierig, entdeckungsfreudig. «Gewissermassen bin ich selber Schülerin.»

Aufgewachsen ist die Schulleiterin an der Rosenbergstrasse, zur Schule ging sie im St. Leonhard. «Weit bin ich in dieser Hinsicht nicht gekommen», sagt sie und lacht. Aber sie habe immer mit Herz und Seele in der Stadt gelebt, und erst recht im Schönenwegen unterrichtet. Die Unterrichtsstunden wurden zwar immer weniger, seit Holzer 1996 die Schulleitung übernahm. «Es gibt aber Parallelen zwischen den Aufgaben.» So führe man als Schulleiterin ein Team, das genauso aus eigenen Charakteren und individuellen Bedürfnissen bestehe wie eine Schulklasse. Generell habe sich das, was sich hinter den Kulissen einer Schule abspielt, in all den Jahren grundlegend geändert. Niemand habe an Teamsitzungen gedacht, als sie angefangen habe. Heute sei man als Lehrperson breiter abgestützt, könne Probleme ansprechen.

Vorurteile gegen das Talschulhaus

«Damals wurde man fast als Versagerin gesehen, wenn man sich beraten liess», sagt Holzer. Mit den Problemen, die man mit Schülern oder Eltern hatte, musste man selber fertig werden. «Das ist heute anders, und das ist gut so.» Als sich nach dem Balkankrieg zahlreiche Geflüchtete aus Ex-Jugoslawien im Quartier niederliessen, geriet das Schulhaus Schönenwegen in Verruf. «Wir hatten mit Vorurteilen zu kämpfen», sagt Kathrin Holzer. Sie habe immer versucht, diesen entgegenzuwirken. «Kinder sind nicht so kompliziert. Und wir haben uns von diesen Vorurteilen nie miesmachen lassen.»

Akris war ein Lottosechser

So ist ein Höhepunkt in Holzers langer Karriere denn auch einer, der nur gut zwei Wochen zurückliegt: das Kinderfest 2018. Per Losentscheid wurde dem Schönenwegen Textilien von Akris zugeteilt. Albert Kriemler kümmerte sich höchstpersönlich darum, dass jedes Kleid und jede Kappe sass. «Das war wie ein Lottosechser für mich».

Und als sie da stand, im Kantipark, und sich ihre Schülerinnen und Schüler für den Umzug formierten, dachte sie: «Kinder aus dem Schönenwegen mit Akris-Kleidern: Wir haben’s geschafft.» Geschafft hat es auch Kathrin Holzer – sie geniesst jetzt ihre neu gewonnene Zeit. Mit Reisen und dem Stadtleben.

Generationenwechsel in den Schulleitungen

Von 17 Schulleiterinnen und Schulleitern in der Stadt St. Gallen haben sechs die Jahrgänge 1952 bis 1956. Somit stehen in den kommenden drei bis vier Jahren einige Pensionierungen – und damit auch einige Neubesetzungen an, wie Marlis Angehrn, Leiterin der Dienststelle Schule und Musik, auf Anfrage bestätigt. So wurde diesen Sommer neben Kathrin Holzer auch Bruno Bürgi, Schulleiter der Primarschulen Oberzil und Krontal, verabschiedet.

Der kleine Generationenwechsel in den Schulleitungen stellt für die Dienststelle eine Herausforderung dar. «Jeder einzelne Weggang sehr guter Mitarbeiter ist ein Verlust, den wir spüren.» Nun setze man alles daran, die richtigen neuen Mitarbeiter zu gewinnen und ihnen eine attraktive Arbeitgeberin zu sein. «Und das auf allen Ebenen», sagt Angehrn. Im Schönenwegen ist das bereits gelungen: Auf Kathrin Holzer folgt Diana Willi. (ghi)

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