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Der Hüter der tausend Samen – zu Besuch im Botanischen Garten in St.Gallen

In feuerfesten Schränken werden Samen gelagert und aus St.Gallen in die ganze Welt verschickt. Die wahre Aufgabe des Botanischen Gartens ist aber, einen Ort für Begegnungen zu schaffen.
Nina Rudnicki
Aus den Samen zieht Hanspeter Schuhmacher in den Gewächshäusern Pflanzen für den botanischen Garten. (Bild: Benjamin Manser)

Aus den Samen zieht Hanspeter Schuhmacher in den Gewächshäusern Pflanzen für den botanischen Garten. (Bild: Benjamin Manser)

Im Bürogebäude mitten im Botanischen Garten öffnet Hanspeter Schuhmacher einen der feuerfesten Schränke. Dann zieht der Leiter des Gartens eine Schublade heraus und greift nach einem Couvert. «Samen der Dorotheanthus bellidiformis, einer Blume aus Südafrika, die nur während ganz kurzer Zeit blüht», sagt er und streicht mit dem Finger durch Tausende der winzig kleinen Samen. Andere Couverts enthalten auch Samen von Pflanzen, die mehrere tausend Jahre alt werden können. Der Mammutbaum zum Beispiel.

(Bild: Benjamin Manser)

(Bild: Benjamin Manser)

Die feuerfesten Schränke gehören zum Herzstück des Botanischen Gartens. Tausend verschiedene Sorten werden darin aufbewahrt. Alle Samen stammen von eigenen Beständen. Jeden Frühling sähen Mitarbeiter rund 800 Arten aus. Hinzu kommt der Austausch des Saatgutes mit 400 Institutionen auf der ganzen Welt. Die meisten botanischen Gärten gibt es laut Schuhmacher in Russland, Japan, China, Australien und Neuseeland. Die Institutionen schicken sich gegenseitig Listen mit aktuellen Samenbeständen und beziehen die Samen untereinander gratis.

Keine Garantie für die Rettung

«Die Aufgabe botanischer Gärten liegt nicht in erster Linie darin, seltene Pflanzen vor dem Aussterben zu bewahren», sagt Schuhmacher. «Denn es gibt keine Garantie, dass wir seltene Pflanzen wirklich retten können. Sie könnten jederzeit eingehen und wären dann weg.»

(Bild: Benjamin Manser)

(Bild: Benjamin Manser)

Dennoch gibt es im Park einige Pflanzen wie den Schnurbaum von den Osterinseln, von denen weltweit nur noch wenige Hundert wild wachsen. Das Exemplar im Botanischen Garten befindet sich gleich gegenüber dem Hortensien-Beet in der Nähe des Tropenhauses. «Wenn Arten verschwinden, dann geschieht das fast immer durch den Einfluss des Menschen. Schuld daran, dass es heute nur noch so wenige Schnurbäume gibt, ist die Tatsache, dass der Mensch Haustiere auf die Osterinseln brachte», sagt er. «Hielte man hier im Botanischen Garten eine Geiss, wären die Blätter des Schnurbaums im Nu abgefressen.»

Oberste Ziele des Gartens sind daher die Umwelterziehung sowie die Schaffung eines Ortes der Begegnung im Sinne der humanistischen Bildung. «Denn Pflanzen können ohne Menschen leben, Menschen aber nicht ohne Pflanzen», sagt Hanspeter Schuhmacher. Über 300 Führungen pro Jahr werden im Botanischen Garten daher angeboten. Ein Drittel aller Führungen übernimmt Schuhmacher. In den Wochen vor den Sommerferien, in denen es die meisten Besucher in den botanischen Garten zieht, ist Schuhmacher zwei bis drei Mal pro Tag mit Gruppen unterwegs.

(Bild: Benjamin Manser)

(Bild: Benjamin Manser)

Eine Sammlung alter Baumscheiben

Ausstellungen und thematische Führungen bereitet Schumacher im Bürogebäude vor. Dort befindet sich nebst den feuerfesten Schränken für die Samen eine Sammlung mit 12000 Dias von Pflanzen aus dem Botanischen Garten, eine Werkstatt, in der die Schilder für die Pflanzenbeschriftungen graviert werden, eine Sammlung verschiedener Baumscheiben gestorbener Bäume sowie eine Bibliothek mit 4000 Büchern. «Es sind viele kostbare Werke darunter», sagt Schuhmacher und zieht ein Buch hervor, das handgemalte Zeichnungen einheimischer Pflanzen enthält. Kopien der Zeichnungen sind auch im Naturmuseum ausgestellt. Ein weiteres Buch enthält Aufzeichnungen des schwedischen Forschers Carl von Linné aus dem 18. Jahrhundert, der die binäre Nomenklatur perfektioniert hat. Es handelt sich um die lateinischen Gattungs- und Artnamen von Tieren und Pflanzen.

Alphabetisch geordnet werden die Samen tausender einheimischer und exotischer Pflanzen aufbewahrt. (Bild: Benjamin Manser)

Alphabetisch geordnet werden die Samen tausender einheimischer und exotischer Pflanzen aufbewahrt. (Bild: Benjamin Manser)

Ebenfalls nur selten zu sehen bekommen Besucher die Aufzuchtshäuser des Botanischen Gartens. Zwischen Februar und Juni ziehen die Mitarbeiter dort aus den Samen Pflanzen. Aktuell stehen sie also fast leer. Doch auf einem Tisch befinden dennoch einige Töpfe mit kleinen, weissen Blumen. «Eine spezielle Schneeglöckchen-Art», sagt Leiter Hanspeter Schuhmacher. «Das gibt es nämlich auch: Schneeglöckchen, die im Sommer oder im Herbst blühen.»

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