Hundesport
Aller guten Dinge sind drei Windhunde: Wie eine Gossauerin High Heels gegen Leinen getauscht hat

Die Gossauerin Sarina Keller hat drei spezielle Windhunde, die sie jeden Tag zur Arbeit ins Büro begleiten. Ein Blick in ihren Alltag.

Rita Bolt
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Die Gossauerin Sarina Keller hat drei Windhunde, die sie jeden Tag zur Arbeit begleiten.

Die Gossauerin Sarina Keller hat drei Windhunde, die sie jeden Tag zur Arbeit begleiten.

Bild: Benjamin Manser (18. Juni 2021)

Sarina Keller hatte weit über 100 Paar High Heels und war immer top gestylt. Bis zu jenem Tag, an dem Saphira Bercy Majesticanis in ihr Leben trat – ein blauer Whippet-Welpe. Da habe sie einsehen müssen, dass High Heels nicht geeignet sind, um im Alltag mit dem Windhund Schritt zu halten. Das ständige Aus- und Anziehen, um Gassi zu gehen, war stressig.

Die mittlerweile sechsjährige Saphira war ein eher wilder Welpe und ist heute Schweizer Coursing-Champion. Den Titel Champion bekomme man verliehen, wenn der Windhund viermal die Anwartschaft dafür an einem Coursing – eine natürliche Hetzjagd nach einem Hasenfell – erlaufen habe und mindestens einmal erfolgreich an einer Hundeausstellung war. Zwischen der ersten und letzten Vergabe müsse mindestens ein Jahr und ein Tag liegen.

Nubia ist Schönheitschampion

Durch Besuche auf den Renn- und Ausstellungsplätzen mit Saphira hat die Single-Frau Bekanntschaft mit einer ihr bis dahin unbekannten Windhundrasse gemacht: dem Azawakh. Nach über einem Jahr intensiver Suche hat sie bei einer Züchterin in Frankreich ihre Wunschhündin gefunden: Nubia du Haras de Crouz. Von diesen afrikanischen Nomaden-Windhunden gibt es in der Schweiz gerade einmal zwei Dutzend. «Ein Azawakh ist für mich etwas vom Schönsten, was es gibt, und sein Gangwerk ist einzigartig», sagt Sarina Keller und streichelt Nubia zärtlich über den Kopf.

Sarina Keller arbeitet als Assistentin in einer St.Galler Anwaltskanzlei.

Sarina Keller arbeitet als Assistentin in einer St.Galler Anwaltskanzlei.

Bild: Benjamin Manser

Nubia ist dreifacher Schweizer Schönheitschampion. Aufgrund der Distanziertheit gegenüber Fremden und dem ausgeprägten Territorialverhalten eilt den Azawakhs ein schlechter Ruf voraus. Das richtige Verständnis für diese zugleich sanfte Rasse sei unabdingbar. «Wir beide haben eine sehr enge Bindung», sagt Sarina Keller und nickt dem Hund zu.

Nubia geniesst die Aufmerksamkeit ihres Frauchens und kuschelt sich an sie. Das geht so lange gut, bis die spanische Windhündin Caya Coco, die dritte Hündin im Bunde, auch Streicheleinheiten verlangt. Die Gossauerin sagt:

«Drei Hunde waren nicht geplant.»

Aber die ehemaligen Besitzer seien mit Caya Coco überfordert gewesen. Mittlerweile seien sie ein eingespieltes Team und ein gut harmonierendes Rudel, in dem jeder seinen Platz kenne und akzeptiere. Das sei wichtig für das Zusammenleben. Alle drei Hunde haben erfolgreich ihre Renn- und Coursinglizenzen absolviert und nehmen aktiv an Trainings und Meisterschaften teil.

Hunde sind bei der Arbeit dabei

«Ich bin vielleicht ein Windhund-Messie», sagt die 34-Jährige lachend. Ihre Liebe zu Hunden hat ein schwarzer Zwergpudel namens Terry geweckt, mit dem sie im Gossauer Hirschberg-Quartier aufgewachsen ist. Er sei mit 17 Jahren gestorben und für sie sei damals eine Welt zusammengebrochen. Sie habe die Whippet-Hündin schon gehabt und das sei gut gewesen.

Sarina Keller nennt ihre Hunde «Mäuse» und verhehlt nicht, dass die Hunde eine Art Kinderersatz sind. Alle drei haben eine Gotte und einen Götti. Und jeder Geburtstag von Saphira, Nubia und Caya Coco werde mit einer kleinen Party gefeiert. Die Hunde bekommen Leckerli und Kuscheltiere geschenkt, Gotte, Götti, Grosi und Freunde, Fingerfood und Getränke.

Sarina Keller lässt ihre «Babys» kaum allein zu Hause. Sie ist seit zwölf Jahren als Assistentin in einer St.Galler Anwaltskanzlei tätig, wo die Hunde unter und neben dem Bürotisch sein dürfen. In der Mittagspause geht’s in die Natur. Oft sieht man die blonde Windhund-Liebhaberin im St.Galler Breitfeld oder im Gossauer Mädertal.

Das Team ist mittlerweile gut eingespielt.

Das Team ist mittlerweile gut eingespielt.

Bild: Benjamin Manser

Ein pinker Ami-Oldtimer

Sarina Keller hat noch eine zweite Leidenschaft: Autos. In der Garage steht ein Plymouth Barracuda Jahrgang 1968 in der Farbe Moulin Rouge; er heisst «Barbiecuda». «Ich habe die hintere Sitzbank herausgenommen und eine sichere Liegefläche für die Hunde gemacht», erzählt sie. Im Alltag fährt sie ihren schwarzen Dodge Durango V8. Dass sie mit ihrer Entourage ein Hingucker ist, wenn sie unterwegs ist, nimmt sie gelassen zur Kenntnis.

Dort, wo in der Wohnung früher ein Gestell mit den High Heels stand, steht immer noch ein grosses Regal. Aufbewahrt werden dort Hundehalsbänder und Leinen, alles fein säuberlich sortiert. Eine Kleiderschrankhälfte ist mit Maulkörben, Renndecken sowie unzähligen Pullovern, Regen- und Wintermänteln in allen Farben belegt. Bevor die Rudelführerin die Wohnung verlässt, werden die Hunde aufeinander abgestimmt gestylt. Sie selber zieht bequeme Schuhe und eine funktionale Jacke an.