Hundeangriff in Rorschach: Stadt prüft Vorfall – Tierschützer wollen bissigen Staffordshire Bullterrier retten

An der Seepromenade zwischen Rorschach und Goldach hat ein Staffordshire Terrier eine Frau gebissen. Einige vermuten nun, dass der Hund eventuell eingeschläfert werden könnte. Tierschützer wollen das verhindern.

Ines Biedenkapp
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Markus Bühler, Präsident des hiesigen Rottweiler Clubs, bietet der Halterin des Staffordshire Bullterriers seine Hilfe an. (Bild: Ines Biedenkapp)

Markus Bühler, Präsident des hiesigen Rottweiler Clubs, bietet der Halterin des Staffordshire Bullterriers seine Hilfe an. (Bild: Ines Biedenkapp)

Rorschach kommt beim Thema Hundeangriff nicht zur Ruhe. In der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Rorschach…» wird derzeit diskutiert, was mit einem Hund passiert, der mehrfach auf Personen oder Hunde losging. Dabei wird auch häufig um die Frage der Schuld gestritten.

In der Diskussion geht es vor allem um einen Staffordshire Bullterrier namens Djego. Dieser soll im Juni eine Frau an der Seepromenade angegriffen und verletzt haben. Zu dem Angriff soll es gekommen sein, weil die Halterin sich nicht an die im März 2018 auferlegte Leinenpflicht gehalten habe. Denn der Hund sei bereits zuvor aufgefallen.

Stadt prüft Vorfälle

«Schlussendlich wird das Tier büssen», heisst es in einem Kommentar auf Facebook. Einige der User stimmen dem Kommentar zu. Manche schreiben gar schon, dass der Hund eingeschläfert wird. Laut Marcel Aeple, Stadtschreiber von Rorschach ist bisher aber noch nichts entschieden:

«Nachdem wir Kenntnis von den Vorfällen erhalten haben, haben wir gegen die Tierhalterin ein administratives Verfahren eröffnet», sagt er.

Derzeit sei die Stadt mit der Sachverhaltsabklärung beschäftigt. Dabei wird insbesondere die Tierhalterin um eine Stellungnahme gebeten. «Welche Massnahmen gegen die Tierhalterin und/oder den Hund gestützt auf Art. 9 des kantonalen Hundegesetzes ausgesprochen werden, ist derzeit noch offen», sagt er weiter.

Tierschützer bieten verschiedene Möglichkeiten an

Gleichzeitig meldeten sich Tierschützer, da sie ihre Hilfe anbieten wollen. Darunter ist Markus Bühler, auch bekannt als Fischer Joe. Er ist der Präsident des hiesigen Rottweiler und Co. Clubs Rorschach, Ostschweiz und Umgebung. «Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man den Hund retten könnte», sagt der 49-Jährige. «Wir könnten der Frau etwa mit einem Hundekurs helfen. Sie könnte uns den Hund aber auch übergeben, und wir würden diesen resozialisieren.» Damit wollen sie verhindern, dass der Hund allenfalls eingeschläfert wird.

Nach einigen Versuchen, konnten sie die Besitzerin von Djego erreichen. «Wir werden uns jetzt erst einmal treffen und dann weitersehen», sagt Bühler. Denn nach dem ersten Kontakt ist er sich sicher:

«Momentan macht es nicht viel Sinn, wenn man ihr den Hund einfach wegnehmen würde.»

Denn Djego sei zehn Jahre alt. So lange soll er auch schon bei der Beschuldigten sein. «Für einen Hund in dem Alter kann es auch ein Schock sein, wenn man ihn einfach aus der gewohnten Umgebung reisst.» Er selbst hat drei Rüden, die Aufnahme eines weiteren könnte problematisch werden.

Maulband ist weniger aggressiv

Bei dem Gespräch mit Bühler habe sich die Besitzerin einsichtig gezeigt und habe Angst, dass man ihr den Hund wegnehmen würde. «Einsicht ist der erste Schritt zur Verbesserung», sagt Bühler. «Sie sieht ein, dass sie etwas falsch gemacht hat.» Nun wollen sie sich nochmals treffen und ausarbeiten, wie man Djego handhaben sollte. «Es gibt ein sogenanntes Maulband», sagt Bühler. «Das ist sicherlich von Vorteil.» Ein Maulband habe denselben Effekt wie ein Maulkorb, würde aber weniger aggressiv wirken.

«Vom jetzigen Stand gehe ich nämlich davon aus, dass das Verhalten des Hundes ein Schutz war.»

Auch der neugegründete Tierschutz- und Unterstützungsverein Animals Sweet-Water aus Wienacht-Tobel setzt sich für Djego ein. Sie wollen eine Situation wie mit Bernhardiner Michael vermeiden. Bei ihm entschied der Stadtrat Rheineck nach einer Beissattacke, ihn einzuschläfern. «In Rheineck waren wir zu spät», sagt Alec Reifler, Mitglied des Vereins. «Für Djego möchten wir einen neuen Platz finden und mit ihm arbeiten.»

Eine zügige Lösungssuche

Auch sie stehen mit den Behörden in Kontakt und bieten an: «Wir möchten eine adäquate Lösung finden und würden für die Kosten der Fremdplatzierung oder Futter aufkommen.»   Dabei möchte man bei der Lösungssuche zügig vorgehen, da die Abklärung von Vorfällen mit Hunden sowie die Anordnung und Durchsetzung von Massnahmen ab dem 1. Januar 2020 in den Zuständigkeitsbereich des Kantons fällt. Derzeit entscheidet noch die Stadt Rorschach über das weitere Vorgehen.