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Die etwas andere Schweizermeisterschaft: Hunde tanzen Tango

Hunde und Halter mit Rhythmusgespür messen sich an der Dogdance-Schweizermeisterschaft in St.Gallen.
Diana Hagmann-Bula
Auch im Ring ein gutes Team: Monika Ballerini und Border Collie Breeze belegten 2018 an der Europameisterschaft den dritten Rang. Bild: pd

Auch im Ring ein gutes Team: Monika Ballerini und Border Collie Breeze belegten 2018 an der Europameisterschaft den dritten Rang. Bild: pd

Eigentlich ist es ein erfreulicher Grund, der Monika Ballerini an diesem Wochenende aus dem luzernischen Emmen nach St.Gallen führt. Die 64-Jährige will an der Dogdance-Schweizermeisterschaft in der Hundesporthalle ihren Titel verteidigen. Und doch wird ihr Auftritt alles andere als lustig sein.

Die 64-Jährige hat sich mit dem Titel «Bring Me To Life» von Evanescence für melancholische Musik entschieden. «Mein Border Collie Breeze ist nun schon neuneinhalb Jahre alt. Da nimmt seine Denkleistung und Konzentration allmählich ab. Es wird wohl unsere letzte gemeinsame Schweizer Meisterschaft sein», bedauert Ballerini. Dieses Gefühl will sie mit ihrem Hund im Ring darstellen. Die Handlung, analog zum Videoclip der US-amerikanischen Band: Der Hund schläft, träumt, dass er aus dem Fenster und im Leben fällt, er fängt sich wieder auf und erwacht. «Ein Drama», sagt Ballerini.

Dogdance für mehr Selbstvertrauen

Das Beispiel zeigt: Wer Dogdance betreibt, muss nicht zwingend ein Tanztalent sein. Weder der Mensch, noch das Tier, auch wenn der Name der Hundesportart darauf schliessen lässt. «Der Halter kann sich einfach eine Geschichte ausdenken. Die Darbietung lässt sich dem Hund anpassen. Hat er vier linke Füsse, so stellt man halt eine Choreografie für vier linke Füsse zusammen», sagt Ballerini.

Dogdance, merkt man rasch, ist mehr als nur ein Wettbewerb. Dogdance ist Beziehungsarbeit. Sich verstehen, aufeinander achten, zusammen auftreten. «Dogdance hat unsere Bindung zusätzlich verstärkt», bestätigt Ballerini. Dogdance ist aber auch mehr als reiner Zeitvertreib. Die Hundesportart habe einen fast schon therapeutischen Nutzen, ist sie überzeugt. «Breeze war sehr anhänglich und hat sich schon bei wenig Lärm sofort verkrochen.»

Dogdance habe dem Tier das Vertrauen zurückgebracht, es sicherer, selbstständiger und lebenstauglicher gemacht.

Die Hundesportart eigne sich für alle Hunde, gross und klein, ruhig und wild, sagt Ballerini, die ihren Job als Zolldisponentin aufgegeben hat und seit 2003 eine Hundeschule führt: «Dogdance kann ein aktives Tier zähmen, ein stilles Tier animieren.» Breeze möge es beschaulich. Walzer, Tango oder Sentimentales biete sich da an.

«Ein lebendiger Hund hingegen hat Freude an Rock’n’Roll.»

Zu viel Aufwand, um nur herzig zu sein

Wie Ballerini und Breeze werden morgen und am Sonntag 150 Teams ihr Können zeigen. Slalom gehen, die Rolle machen, Pfote geben, sich an Ort drehen oder sich schlafend stellen, dem Boden entlang kriechen, auf die Hinterbeine stehen oder über den Halter springen: Aus diesen Elementen haben die Teilnehmer eine Choreografie zusammengestellt. Und Monate lang geübt.

Ballerini hat im März damit begonnen, wöchentlich einen neuen Trick eingeführt, die ganze Choreografie schliesslich zwei bis drei Mal pro Woche repetiert. Im Internet findet man haufenweise Dogdance-Videos. Wie süss, denken einige Betrachter. Andere machen sich lustig darüber. Ballerini sagt:

«Beide haben nicht verstanden, welche Technik und wie viel Aufwand dahinter steckt»

Dogdance stammt aus den USA und England und hat vor rund 15 Jahren den Weg in die Schweiz gefunden. Seither nimmt die Anzahl Hundebesitzer, die ihren Tieren mit Worten oder Handbewegungen Befehle gibt und Choreografien trainiert, stetig zu. Vor allem Frauen begeistern sich für den Hundesport; sie machen 90 Prozent der Szene aus. «Die Startliste zeigt dasselbe Bild», sagt Ballerini. Frauchen darf ihr Tier nicht berühren. «Sie könnte eine Umarmung vortäuschen, das Tier tatsächlich aber kneifen, damit es besser gehorcht. Solche Manipulationen werden strikt abgelehnt.»

Auch seien gewisse Kunststücke verboten, etwa der Handstand. «Man mag sich nicht vorstellen, wie dem Tier eine so unnatürliche Haltung beigebracht wird.»

Ballerini wird im Ring ganz in Schwarz auftreten – damit Breeze mit dem weissen Fell heraussticht. Wer wird nervöser sein vor dem Auftritt? «Ich werde vor lauter Organisieren keine Zeit für Lampenfieber haben», sagt Ballerini. Gut so, denn ist Frauchen hibbelig überträgt sich das aufs Tier.

Ideale Bedingungen in St.Gallen

Am Samstag und am Sonntag, jeweils von 9 bis 17 Uhr, messen sich in der Hundesporthalle an der St. Josefenstrasse 56 in St. Gallen 150 Teilnehmer in Dogdance. In der Sparte Freestyle zeigen die Zweierteams Tricks wie Sprünge und Rollen. In der Sparte Heelwork to Music führen Halter und Hund vorgeschriebene 18 Positionen vor. Jede Kategorie zählt drei Schwierigkeitsstufen. Am Sonntag ab 14 Uhr werden die Schweizer Meister auserkoren. Der Eintritt ist frei. Bereits 2015 fand in St. Gallen ein vergleichbarer Wettbewerb statt. «Die Halle muss frei und bezahlbar sein, der Boden gut gefedert, damit die Gelenke der Hunde geschont werden. Die Hundesporthalle in St. Gallen erfüllt diese Bedingungen», sagt Mitorganisatorin Monika Ballerini. Und spricht von einem «Hallenproblem». Es gebe in der Schweiz nur eine Handvoll Orte, die gross genug für einen solchen Hundeanlass seien. Eine neue Halle in Münsingen entschärfe die Situation zwar. «Wir können aber nicht immer dort zu Gast sein. Sonst gewöhnen sich die Tiere zu sehr an die Halle und geraten bei Wettbewerben anderswo durcheinander.» (dbu)

Das Programm im Detail: www.clickerdogs.jimdo.com/schweizermeisterschaft-dd-2019

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