Nur 1000 Quadratmeter: HSG gibt vorerst wenig Wohnraum an guter Lage frei

Seit Jahren wird Kritik laut, dass sich die HSG mit ihren Büros am Rosenberg zu stark ausbreite. Nun zieht sich die Uni aus mehreren Liegenschaften zurück. Dennoch hat sich der Wunsch, dass damit Wohnraum an guter Lage frei wird, bis jetzt kaum erfüllt.

Christina Weder
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Die Universität St. Gallen ist aktuell in 28 Liegenschaften eingemietet: Das Institut für Finanzwissenschaft, Finanzrecht und Law and Economics ist etwa in einem Haus an der Guisanstrasse 36 untergebracht. (Bild: Benjamin Manser)

Die Universität St. Gallen ist aktuell in 28 Liegenschaften eingemietet: Das Institut für Finanzwissenschaft, Finanzrecht und Law and Economics ist etwa in einem Haus an der Guisanstrasse 36 untergebracht. (Bild: Benjamin Manser)

Die Universität St.Gallen hat nach den jüngsten Spesenaffären ein Imageproblem. Schon viel länger hat sie auch ein Platzproblem. Die Studentenzahlen steigen stetig, und die Räume auf dem HSG-Campus reichen längst nicht mehr. Die HSG ist deshalb in diversen Liegenschaften eingemietet – vor allem im Quartier Rotmonten und in Bahnhofsnähe. Das hat in den vergangenen Jahren wiederholt zur Kritik geführt, die Uni breite sich zu stark im Quartier aus.

Nun tritt die HSG langsam den Rückzug aus den Mietliegenschaften an. Man wolle sich künftig auf wenige grössere Liegenschaften konzentrieren, sagt Jürg Roggenbauch von der Medienstelle auf Anfrage. Ein erster Schritt in diese Richtung ist im Mai 2017 mit dem Bezug des neuen Forschungszentrums an der Müller-Friedberg-Strasse erfolgt. Mit zwei weiteren geplanten Grossprojekten – dem Campus am Platztor und dem privat finanzierten HSG-Learning-Center – will die Uni das Platzproblem in den Griff bekommen.

In 28 Liegenschaften eingemietet

Gleichzeitig ist die HSG laut Roggenbauch bestrebt, sich aus kleinen Liegenschaften zurückzuziehen, vor allem aus solchen, die ursprünglich einer Wohnnutzung zugedacht waren. Aktuell ist die Uni in 28 Mietliegenschaften eingemietet und belegt darin eine Gesamtfläche von 21400 Quadratmetern. Aus zwölf weiteren Gebäuden hat sie sich in den vergangenen sechs Jahren vollständig oder zumindest teilweise zurückgezogen. Dadurch wurden Räume mit einer Gesamtfläche von 3750 Quadratmetern frei.

In den kommenden fünf Jahren sollen weitere kleinere Mietobjekte mit einer Fläche von insgesamt 1500 Quadratmetern gekündigt werden, teilt Roggenbauch mit. Er merkt aber auch an, dass die Uni keinen Einfluss darauf habe, für welchen Zweck die Eigentümer die betreffenden Liegenschaften danach neu vermieteten.

Forderung: In den ehemaligen Büros soll wieder gewohnt werden

Mit den frei gewordenen Räumen befasst sich auch die Politik. Im Herbst hatte die Kantonsregierung eine einfache Anfrage von SP-Kantonsrat Peter Hartmann zu beantworten. Nun ist der St.Galler Stadtrat an der Reihe. Er antwortet auf einen Vorstoss von SP-Stadtparlamentarierin und Architektin Doris Königer. Sie befürchtet, dass die frei gewordenen Räume weiterhin als Büros vermietet würden, weil das für die Eigentümer rentabler sei.

Hält die HSG ihre Versprechen?

Das Vertrauen in die Universität St. Gallen ist nach den diversen Vorkommnissen angekratzt. SP-Kantonsrat Peter Hartmann erinnert an eine frühere Zusicherung der HSG.
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Damit werde die Chance verpasst, Wohnraum an guter Wohnlage zurückzugewinnen. Königer fragte den Stadtrat nach Möglichkeiten, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Sie schlug ihm eine «Lex Rosenberg» vor. Die Idee kommt bekannt vor. Tatsächlich hatte Königer dem Stadtrat schon 2011 eine «Lex Uni» zum Schutz des Wohnraums am Rosenberg beliebt gemacht.

Nur 1000 Quadratmeter an guter Wohnlage

In seiner Antwort schreibt der Stadtrat, die HSG habe sich vor allem aus Liegenschaften an der Rosenbergstrasse und der unteren Tigerbergstrasse zurückgezogen. Diese gehören zur Wohn-Gewerbe-Zone beziehungsweise zur Kernzone. So seien zwar 3750 Quadratmeter Fläche frei geworden. Doch nur 1000 Quadratmeter davon befänden sich an einer guten, ruhigen und grünen Wohnlage. Konkret geht es um sechs Häuser.

Ob diese ehemaligen Büros wieder als Wohnräume genutzt werden, entzieht sich der Kenntnis des Stadtrats. Er würde es zwar begrüssen, schreibt er und hält fest: Um die Entwicklung zu steuern, fehle ihm die rechtliche Handhabe. Der Rosenberg sei im Zonenplan zwar als Wohnzone ausgeschieden, doch sei darin sehr wohl auch eine Büronutzung zulässig. Die Einführung einer «Lex Rosenberg» oder eines Wohnanteilsplans, wie ihn die Interpellantin vorschlägt, hält er weder für verhältnis- noch für zweckmässig. Stattdessen verweist er auf die Wohnraumstrategie, die derzeit erarbeitet wird. SP-Stadtparlamentarierin Doris Königer hat die Antwort des Stadtrats zur Kenntnis genommen und ist ernüchtert.

«Die Uni hat sich bis jetzt fast nur aus Liegenschaften zurückgezogen, in der sie gar nicht störte.»

Königer hat sich definitiv mehr zusätzlichen Wohnraum erhofft als die bisherigen 1000 Quadratmeter. Sie sehe auch ein, dass der Stadtrat für diese kleine Zahl freigegebener Wohnungen keine «Lex Rosenberg» erlassen wollen. Trotzdem sei es wichtig, das Thema «Wohnen am Rosenberg» weiterhin im Auge zu behalten.