Horner Firma erstellt Fotovoltaikanlage in der Grösse von 30 Tennisplätzen und produziert damit genug Solarstrom fürs halbe Dorf

Die Firma Welser in Horn besitzt eine der grössten Fotovoltaikanlagen am See. Nun prüft sie, was mit dem überschüssigen Strom geschehen soll. Unter anderem sollen damit neue Elektrotankstellen im Dorf beliefert werden.

Lisa Wickart
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Mit 7000 Quadratmetern gehört die Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Firma Welser zu den grössten der Region.

Mit 7000 Quadratmetern gehört die Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Firma Welser zu den grössten der Region.

Bild: Tino Dietsche

«Nur über Nachhaltigkeit zu reden bringt nichts», sagt Marco Forster. Der Geschäftsführer der Horner Firma Welser lässt lieber seinen Worten Taten folgen. Über drei Monate lang liess Forster auf den Dächern der vier Firmengebäude eine Fotovoltaikanlage aufbauen, die fast so gross ist, wie 30 Tennisplätze. Seit kurzem sind die Bauarbeiten abgeschlossen und die Solarzellen produzieren erstmals Strom.

Nachhaltigkeit liegt Geschäftsführer Marco Forster besonders am Herzen.

Nachhaltigkeit liegt Geschäftsführer Marco Forster besonders am Herzen.

Bild: PD

Mit 7000 Quadratmetern Fläche gehört die Anlage zu den grössten in der Region. Theoretisch produzieren die Solarmodule 1,34 Megawatt Strom, genug, um nicht nur den Bedarf der Firma zu decken, sondern auch, um einen grossen Teil der Horner Haushalte zu versorgen. Wie viel Strom die Anlage wirklich erzeugt, testet die Firma zurzeit mit täglichen Messungen. Fachleute kontrollieren zudem die Technik und Sicherheit der Installation. Ob die Anlage wie geplant läuft, kann Forster derzeit nicht genau sagen: «Wir können noch keine Zahlen nennen, aber es sieht gut aus.»

Käufer für überschüssigen Strom gesucht

Da die Fotovoltaikanlage weitaus mehr erneuerbare Energie produziert, als die Firma benötigt, möchte Forster den übrigen Strom verkaufen. «Derzeit laufen Verhandlungen mit möglichen Vertragspartnern wie der Elektra Horn», sagt er. Obwohl die Gespräche noch nicht abgeschlossen seien, sei die Nutzung der Überschussenergie vorübergehend geregelt. Forster sagt:

«Da die Anlage schon läuft, fliesst der übrige Strom bereits ins Stromnetz und somit in die Haushalte.»

So profitieren auch die Einwohnerinnen und Einwohner Horns von der Solarenergie.

Wie viel die Firma mit der Anlage verdienen wird, kommt auf die Verhandlungen darauf an. Wann die Gewinnschwelle erreicht wird, also Kosten und Erlös der Produktion gleich hoch sind, ist zudem abhängig von der Entwicklung des Strompreises. Aktuell hat es gemäss Forster auf dem Markt tendenziell zu viel Strom, was auf den Preis drückt. Experten würden aber davon ausgehen, dass sich der Strompreis in den nächsten Jahren wieder erhöhen werde.

Bis die Einnahmen zufriedenstellend sind, dauert es noch eine Weile: «Wir rechnen damit, dass sich die Anlage in zehn bis fünfzehn Jahren finanziell lohnen wird», sagt Forster. Insgesamt musste die Firma für die Anlage sowie die dazugehörende Trafostation 1,4 Millionen Franken investieren. Rund 400000 Franken übernimmt der Bund zur Förderung alternativer Energien.

Solarstrom nur am Tag und bei Sonnenschein

Mit Hilfe der neuen Anlage steigt die Firma Welser hauptsächlich auf erneuerbare Energien um. Ganz vermeiden lässt sich fossile Energie nicht: «In der Nacht beziehen wir den Strom aus dem Stromnetz, da die Anlage nur bei Tag und Sonnenschein funktioniert», sagt Forster. Da die Solarzellen im Winter weniger bringen würden als im Sommer, habe er darauf gedrängt, die Installation so schnell wie möglich in Betrieb nehmen zu können. Ziel sei es 80 bis 90 Prozent des Strombedarfs durch Solarenergie zu decken.

Mit dem überschüssigen Strom hat Forster weitere Pläne. Er möchte an der Feldstrasse eine Elektrotankstelle errichten: «Geplant sind zwei Zapfsäulen, die gegen Entgelt der Bevölkerung zur Verfügung stehen.» Die Firma Welser wolle jedoch nicht mit bestehenden Solartankstellen konkurrieren: «Wir möchten lediglich eine gute Möglichkeit für die Öffentlichkeit bieten.» Die Zapfsäulen sollen voraussichtlich diesen Sommer aufgebaut werden.

«Kernenergie wird vom Markt verschwinden»

Nachhaltigkeit sei nicht nur am Firmenstandort Horn ein wichtiges Thema, sondern für die gesamte Unternehmensgruppe: «Dort, wo es sinnvoll ist, sollen weitere Anlagen entstehen», sagt Forster. Neben dem Logistikcenter am Bodensee hat die Firma Welser weitere Produktionsstätten in Österreich, Deutschland und den USA. Da es am Standort Horn grosse Flachdächer hat, hat es gemäss Forster Sinn ergeben, den Platz zu nutzen. Er sagt:

«Die Situation, dass auf dem Markt irgendwann die Kernenergie verschwindet, wird eintreffen, aber sie kann nur verschwinden, wenn man Alternativen hat.»