Schmale Fahrbahn soll den Verkehr drosseln: Die Seestrasse in Horn wird umgestaltet

Mit einer Neugestaltung soll die Horner Seestrasse sicherer werden. Das Gegenteil sei der Fall, warnen Anwohner.

Jolanda Riedener
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Die Seestrasse wird im Dorfkern schmaler und mit Mittelinseln für Fussgänger sicherer. Die Radstreifen fallen in diesem Bereich ganz weg. (Bild: Sina Walser)

Die Seestrasse wird im Dorfkern schmaler und mit Mittelinseln für Fussgänger sicherer. Die Radstreifen fallen in diesem Bereich ganz weg. (Bild: Sina Walser)

Die Seestrasse in Horn wird rege genutzt – sowohl von Auto- als auch von Velofahrern. Die aktuelle Gestaltung aus dem Jahr 1969 wurde vor allem auf den motorisierten Verkehr ausgerichtet. Heute wird die Strasse vermehrt vom Langsamverkehr genutzt, die Strecke ist ausserdem Teil des Bodenseeradwegs. Die Umgestaltung soll deshalb Velofahrern und Fussgängern entgegenkommen.

Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Kantons, Gemeinderats, der beiden Kirchgemeinden, Schule, Alterskommission und Gewerbevereins war in die Umgestaltung involviert. Ziel ist es, die Strasse für den Langsamverkehr sicherer und angenehmer zu machen, ohne das Auto massiv einzuschränken. Darüber informierten der Gemeinderat und Vertreter des Kantons an der Bürgerversammlung 2017. Die Anwesenden stimmten mit 109 Ja- zu 41 Nein-Stimmen einem 1,65-Millionen-Franken-Kredit zu. Nun soll die Umgestaltung Tatsache werden.

Mehr Platz für Fussgänger

Benedikt Eberle, Stellvertretender Kantonsingenieur des Kantons Thurgau, rechnet mit Baubeginn im kommenden Jahr. Zu zeitlichen Verzögerungen sei es gekommen, da im Zuge der Detailplanung noch Verhandlungen bezüglich des Landerwerbs ausstanden. Diese sind mittlerweile geklärt. Die Umgestaltung samt Werkleitungsarbeiten und Deckbelag sollte 2022 fertiggestellt werden. Das Strassenprojekt lag bis am 20. November öffentlich auf. Bis gestern sind keine Einsprachen beim zuständigen Amt eingegangen.

Im Ortszentrum von Horn wird die Fahrbahn auf einer Strecke von 180 Metern auf eine Breite von 6,3 Meter reduziert, dafür wird das Trottoir beidseitig und durchgehend auf zwei Meter verbreitert. Einen Velostreifen gibt es auf diesem Abschnitt und bei dieser Fahrbahnbreite künftig nicht mehr. Naht Gegenverkehr, ist Überholen nicht möglich. Die schmalere Fahrbahn soll ausserdem zu einer Reduktion der Geschwindigkeit führen. «Um einen Fahrradstreifen zu erstellen, hätte die Fahrbahn auf mindestens acht Meter verbreitert werden müssen», sagt Eberle. Die Situation vor Ort hätte diese Verbreiterung nur auf Kosten der Gehwege ermöglicht. Mit der vorliegenden Lösung schaffe man die bestmögliche Koexistenz zwischen Fussgänger, Velofahrer und Autofahrer.

Eine «Schwachstelle» aus Sicht der Velofahrer sei, dass man aufgrund der Strassenbreite im Horner Dorfkern den Bodenseeradweg nicht durchgängig habe gestalten können. «Die Seestrasse, und damit das Ortsbild, wird jedoch deutlich aufgewertet. Wir werden eine gute und vor allem deutliche Optimierung der aktuellen Ortsdurchfahrt erhalten», sagt Eberle. Zwar äusserten einige bereits an der Bürgerversammlung vor zweieinhalb Jahren Bedenken bezüglich der Sicherheit der Velofahrer. Diese sind inzwischen jedoch wieder verstummt.

Anwohner sorgen sich um Sicherheit

Nach wie vor Kopfschütteln löst die bevorstehende Umgestaltung bei einem Anwohner aus. Er sei mit Auto und Velo unterwegs und kenne die Problematik. Die zusätzlich geplanten Verkehrsinseln würden das Problem aber nur weiter verstärken. Er habe seine Bedenken an auch ein Mitglied des Gemeinderats herangetragen. Das Ratsmitglied habe die Situation mit einer «Fleischbremse» verglichen – eine Aussage, die ihn nachdenklich gestimmt habe.