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Der Honig für Arme soll hip werden: In einigen Gemeinden kann man immer noch Birnel bestellen

Drei Gemeinden in der Region St.Gallen verkaufen derzeit Birnendicksaft. Und helfen so Winterhilfe und Hochstammobstbäumen.
Johannes Wey
Birnel kann zum Beispiel anstelle von Honig aufs Brot geschmiert werden. (Bild: Boris Bürgisser)

Birnel kann zum Beispiel anstelle von Honig aufs Brot geschmiert werden. (Bild: Boris Bürgisser)

Es ist kein Geschäft, viel mehr eine lieb gewonnene Tradition: Viele Gemeinden erinnern in diesen Tagen ihre Einwohnerinnen und Einwohner daran, ihren Birnelvorrat für das kommende Jahr zu bestellen. Die Winterhilfe verkauft den Birnendicksaft seit über 70 Jahren.

Er dient als Honig- oder Zuckerersatz beim Backen und Kochen, zum Süssen von Tee oder als Brotaufstrich. Ursprünglich sollte die subventionierte Birnelproduktion verhindern, dass das Obst zu Schnaps verarbeitet wurde, und so dem Alkoholismus entgegenwirken.

In der Region kann man Winterhilfe-Birnel noch auf den Gemeindeverwaltungen von Berg, Häggenschwil und Muolen bestellen. Der Vertriebskanal hat sich gehalten, obwohl der Birnensaft auch in Weltläden oder bei regionalen Winterhilfen erhältlich ist.

Auch Natur- und Vogelschutzorganisationen bieten Winterhilfe-Birnel an. Der Naturschutzverband Birdlife verleiht dem Produkt ein Zertifikat, da die Hochstammbirnbäume Lebensraum für Vögel bieten.

Gemeinden spannen zusammen

«Den Birnelverkauf gibt es schon ewig», sagt Dorryn Schafflützel, welche die Bestellungen auf der Gemeinde Häggenschwil entgegennimmt. Aus Sicht der Gemeinde sei der Verkauf vor allem eine Dienstleistung an die Bevölkerung und eine Unterstützung der Winterhilfe. Es gebe einen überschaubaren Kreis von treuen Kunden.

Doch wachsen tut dieser Kreis momentan nicht, im Gegenteil. Weil das Interesse abgenommen hat, spannten Häggenschwil, Berg und Muolen vor einigen Jahren zusammen. Die Bestellungen werden in Muolen gesammelt und abgewickelt. «Die Birnelbestellungen gab es schon, als ich vor 20 Jahren als Gemeindeschreiber hier angefangen haben», sagt der heutige Gemeindepräsident Bernhard Keller.

In den letzten beiden Jahren hätten über alle drei Gemeinden verteilt gut 30 Personen zwischen 75 und 100 Kilogramm Birnendicksaft bestellt – sei es im 250-Gramm-­Dispenser, sei es im 12,5-Kilogramm-Kessel. Rund die Hälfte der Bestellerinnen und Besteller stamme aus Muolen. Die Gemeinde erhalte für die Abwicklung eine Provision von 15 Prozent auf den Verkaufspreis. «Der Aufwand ist damit nicht gedeckt. Was übrig bleibt, entspricht quasi einer jährlichen Spende von 200 Franken an die Winterhilfe», sagt Keller.

Fraglich ist, wie lange noch: Weil die Bestellmenge kontinuierlich zurückgeht, müsse man sich vielleicht schon bald einmal Gedanken über die Dienstleistung machen. «Aber noch würden wir mit einem Verzicht auf den Verkauf zu viele Leute enttäuschen», sagt Keller.

Birnel fristet ein Schattendasein, hat aber eine kleine Fangemeinde

«Birnel fristet heute ein Schattendasein», sagt Winterhilfe-Sprecherin Esther Güdel. 2018 setzte man noch rund 34 Tonnen ab, rund 100000 Franken jährlich fliessen aus dem Verkauf ins Budget des Hilfswerks.

«Der Birnel hat eine kleine Fangemeinde. Vor allem aus älteren Leuten. Aber auch Junge kommen nach», sagt Güdel. Das weckt die Hoffnung, dass neue Foodtrends dem Traditionsprodukt wieder mehr Nachfrage bringen. So seien importierter Dattelsaft oder Agavendicksaft beliebte Süssmittel geworden, um den in Verruf geratenen raffinierten Zucker zu ersetzen.

«Birnel passt zu vielen Trends: Er ist regional und vegan.»

Dies im Gegensatz zum Honig. Veganer lehnen ihn aufgrund der Haltung von Bienen als Nutztiere ab.

Neues Kochbuch soll es richten

Die Winterhilfe will dem Birnel deshalb ein neues Image verpassen. Galt der Birnendicksaft früher als Ersatzprodukt, als Honig für Arme, soll er künftig öfter auf den Tellern der Ernährungs- und Umweltbewussten landen. Gelingen soll das mit einem bewährten Mittel: Einem Rezeptbuch, dass kommendes Jahr erscheine, sagt Güdel. «Wir wollen dem Birnel zu einem Revival verhelfen.»

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