Gossauer Firma baut hochgelobte Holzkonstruktion

Die Bergstation auf dem Chäserrugg ist mit dem Goldenen Prix Lignum ausgezeichnet worden. Der Holzbau war für die Gossauer Blumer-Lehmann AG eine spezielle Herausforderung.

Herbert Bosshart
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Die imposante, weit auskragende Dachkonstruktion der Bergstation Chäserrugg überzeugte die Jury des Prix Lignum. (Bild: Benjamin Manser)

Die imposante, weit auskragende Dachkonstruktion der Bergstation Chäserrugg überzeugte die Jury des Prix Lignum. (Bild: Benjamin Manser)

Die Branchenorganisationen der Schweizer Holzwirtschaft zeichnet im Dreijahresrhythmus die besten Schweizer Leistungen mit Holz mit dem Prix Lignum aus. In der gesamtschweizerischen Prämierung der Bauwerke, Innenausbauten, Möbel und Kunstwerke aus Holz holte sich die 2014 eröffnete Bergstation Chäserrugg im Toggenburg den ersten Preis. An der Spitze der Rangliste der «Region Ost» steht das St. Galler Mehrfamilienhaus an der Rappensteinstrasse.

Die Bergstation auf dem Chäserrugg erhielt die Gold-Auszeichnung gemäss Medienmitteilung der Prix-Lignum-Jury als «Holzbau mit eigener Sprache und eigener Dimension». Die Star-Architekten Herzog & de Meuron hätten aus einer komplexen Aufgabe eine prägnante Form entwickelt. «Der Bau oszilliert zwischen Scheune, Chalet und Gondelhalle», heisst es in der Laudatio. Das Gebäude hebe die klassische Zimmermannskunst auf einen neuen Massstab: «Imposante Auskragungen, spitz zulaufende Dachecken, riesige Balken, die auf baumähnlich sich verzweigenden Betonstümpfen lagern». Die Architekten benützten Holz exemplarisch, um in dieser Höhe zu bauen. Das Resultat, so die Jury weiter, sei keine Event-Architektur, sondern eine kraftvolle Ruhe auf dem Berg. Und damit ein Vorbild für viele Tourismusbetreiber, die in sensiblen Landschaften bauen.

Eine «g’freute» Sache aus Holz

Massgeblich beteiligt an der Realisierung des Gold-Projektes auf dem Chäserrugg war die Gossauer Blumer-Lehmann AG. «Wir haben schon in der Projektierungsphase eng mit den Architekten von Herzog & de Meuron zusammengearbeitet», sagt David Riggenbach, Projektleiter Chäserrugg bei Blumer-Lehmann. «Wir konnten unsere Ideen als Holzbau-Spezialisten einbringen, das Projekt mitgestalten und auch eng mit lokalen Holzbau-Firmen zusammenarbeiten. Insgesamt war es ein konstruktives und lösungsorientiertes Arbeiten im Team und mit den Architekten aus Basel.»

Die Blumer-Lehmann AG trug am Chäserrugg die Verantwortung für alle handwerklichen Arbeiten. Riggenbach: «Weil es sich um ein spezielles Projekt handelte, waren alle mit grosser Energie und viel Einsatz am Werk.» Für David Riggenbach stellt das Zusammenwirken der Architekten mit den örtlichen Handwerken und den Holzbau-Spezialisten das eigentliche Erfolgsgeheimnis für den Bau und damit auch für den Prix Lignum dar.

«Wir freuen uns riesig über die Auszeichnung. Sie zeigt, dass es uns gelungen ist, eine wirklich ‹g’freute› Sache aus Holz zu schaffen.»

Dabei sei der Bau im Gegensatz zu anderen ausgezeichneten Grossprojekten der Blumer-Lehmann AG eine «konventionelle Dachkonstruktion wie bei jedem Holzhaus» mit Streben, Stützen und Pfosten, Pfetten als Hauptträger und Sparren – «nur einfach viel grösser und architektonisch extravaganter sowie logistisch aufwendiger».

Doch auch wenn die Konstruktion der Bergstation Chäserrugg eher konventionell ist, war die Realisierung mit einigen Besonderheiten verbunden. Vor allem die exponierte Lage auf dem 2262 Meter hoch gelegenen Kamm des Chäserruggs, des ersten der sieben Churfirsten, forderte die Planer und Handwerker. David Riggenbach: «Das Wetter hat uns immer wieder herausgefordert. Es gab während der Bauphase keinen Monat ohne Schnee.» Schwierig sei auch die Organisation der Baustelle und der Bauabläufe gewesen. Stolz ist David Riggenbach darauf, dass mit Ausnahme des Transportes des Baukrans auf den Einsatz von Helikoptern verzichtet werden konnte.

«Weil die Seilbahn während der gesamten Bauphase in Betrieb war, konnten wir die 360 Tonnen Material mit rund 1600 Gondelfahrten auf den Chäserrugg transportieren.»

Ein Vogel verzögert den Baustart

Die neue Bergstation wurde vollständig aus einheimischem Fichtenholz gebaut. Die bestehende Seilbahnstation aus Beton bildete dabei den Kern. Darum herum wurde das neue Restaurant mit den 500 Plätzen erstellt. Das grosse markante Holzdach legt quasi seine schützenden Flügel über das ganze Gebäude.

Wie die Fachzeitschrift Hochparterre in seiner Sonderausgabe zum Prix Lignum 2018 feststellt, sei es auffällig, dass «der Holzbau nach fast vier Jahren immer noch so hell und wenig vergraut» sei. «Auf dem Chäserrugg haben wir konstruktiven Holzschutz betrieben. Und da gibt’s viele Tricks», sagt Richard Jussel, Geschäftsführer der Blumer-Lehmann AG. Angefangen vom Einkauf des Holzes bis hin zum Transport in Folien verpackt. «Wichtig ist auch, dass Regen und Schnee sofort abtropfen können und dass die Abluft aus Küche und WC nicht über die Fassade, sondern übers Dach abgeführt werden.»

Die Realisierung des Neubauprojektes Chäserrugg verlief ohne grosse Verzögerungen. Dabei startete das Projekt mit einer naturbedingten Verzögerung. David Riggenbach: «Als wir den Kran mit dem Helikopter auf den Chäserrugg fliegen wollten, wurden wir von Fachleuten des Naturschutzes gestoppt.» In der Nähe der neuen Bergstation brütete nämlich ein seltener Vogel.

«Wir mussten warten, bis der Vogelnachwuchs geschlüpft war, bevor wir den Kran auf den Berg fliegen konnten. Dadurch verzögerte sich der Baustart um einige Tage.»

Mehr dazu:

Prix Lignum zeichnet Chäserrugg aus

Alle drei Jahre vergibt der Prix Lignum Preise an die besten Schweizer Leistungen mit Holz. Die rangierten Projekte in der Region Ost spielen gezielt die Leichtigkeit des Werkstoffs aus. Auf nationaler Ebene hat die Bergstation auf dem Chäserrugg die Gold-Auszeichnung 2018 gewonnen.