Rebbauern in Thal: Hohe Qualität trotz Hagel und Trockenheit

Am Buechberg in Thal dürfen Winzer trotz Hitze und Hagel auf gute Qualität der Trauben hoffen. Junge Nadelbäume in der Region haben dagegen arg zu kämpfen.

Rudolf Hirtl
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Es braucht nur wenige Schritte und der Schweiss fliesst. Wer in diesen Tagen zwischen den Rebstöcken die Flanke des Buechbergs in Thal hochkraxelt, der weiss, die heimischen Winzer leisten Knochenarbeit. Da mag die Aussicht noch so schön sein und die Trauben noch so süss, bei dieser Hitze wird der Aufstieg zur Qual.

Allerdings dürften die Winzer am Steinig Tisch in Thal für ihre Mühsal belohnt werden, denn was an den Rebstöcken hängt, verspricht im Fass zu einem besonders edlen Tropfen zu werden. Augenfällig ist, das viele Trauben braun und zerschlagen sind. Andere sind mit weissem Pulver bedeckt.

Steinmehl um Eiablage der Kirschessigfliege zu verhindern

«Der Hagel vom 1. August hat uns leider voll erwischt. Vor allem beim Pinot Noir müssen wir mit einem Ernteausfall von rund einem Drittel rechnen», sagt dazu Roman Rutishauser vom Weingut am Steinig Tisch. Allerdings seien die Trauben gesund und es sei keinerlei Fäulnis vorhanden. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man davon ausgehen, dass ein Jahrgang von überdurchschnittlich hoher Qualität gekeltert werden könne. Beim weissen Pulver, mit dem die roten Sorten besprüht sind, handle es sich übrigens um Steinmehl (Tonerde). Der weise Belag hindere die Kirschessigfliege an der Eiablage und hinterlasse keinerlei Spuren im Wein. Rutishauser rechnet damit, dass die Wimmet Anfang September beginnt, zehn Tage früher als gewohnt.

Christian Herzog vom gleichnamigen Weingut in Thal wird traditionell als erstes die Sorte Rivaner in Goldach von den Stöcken nehmen. Ebenfalls Anfang September. Für eine noch frühere Wimmet sieht er aufgrund der aktuellen Säure- und Zuckermessungen keine Notwendigkeit. «Die Beeren haben durch die Trockenheit die Gewichtszunahme eingestellt. Wir werden also mengenmässig weniger ernten. Allerdings wird sich das positiv auf die Qualität auswirken», erklärt der Fachmann.

Jungen Nadelbäumen geht der Schnauf aus

In den hiesigen Wäldern macht sich die Trockenheit ebenfalls bemerkbar. Insbesondere junge Douglasien leiden unter der Hitze. «Junge Pflanzen haben im Verhältnis zu den Ästen sehr wenig Wurzelwerk. Folglich bringen sie nicht ausreichend Wasser bis in die Baumspitze, was bei dieser Hitze das Verdorren massiv begünstigt», sagt Josef Benz, Revierförster des Forstreviers Lüchingen bis Thal. Das Schlimmste sei, wenn es auch noch föhnig sei und die Nächte über 20 Grad warm seien.

Bei neuen Setzungen werden vorwiegend Eichen, Lärchen und Douglasien berücksichtigt, da diese Holzarten besonders wertvoll sind. «Wir alle wissen, dass sich das Klima verändert. Diese drei Baumarten ertragen Wärme und Trockenheit besser und sind widerstandsfähiger als alle anderen.» Obwohl der Sommer 2003 eine ungewohnte Hitzespitze erreichte, erachtet der Revierförster den diesjährigen Sommer als extremer. Dies, weil seit Anfang April schönes Wetter herrscht: «Das habe ich so noch nie erlebt.» Der stärkste Baum überlebe. Das sei der, der sich mit dieser Hitze und Trockenheit am besten anfreunden könne. «Es wäre falsch, den Wald künstlich zu bewässern oder zu beschatten. Die Natur regelt das für sich selbst.»