Höhere Dämme und mehr Pflanzen am Bildweier in St.Gallen

Eingeklemmt zwischen Strassen und Gebäuden ist der Bildweier in Winkeln eine Naturoase im Siedlungsgebiet. Das soll er auch bleiben, deshalb wird er für 1,2 Millionen Franken aufgewertet.

Marion Loher
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Der bei Spaziergängern beliebte Sitzplatz am Weiher bekommt eine neue Holzunterlage. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der bei Spaziergängern beliebte Sitzplatz am Weiher bekommt eine neue Holzunterlage. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ein Blesshuhn schwimmt gemütlich im Wasser, nur ab und zu taucht es seinen Kopf unter. Ein paar Vögel zwitschern in den noch blätterlosen Bäumen und ein Velofahrer ruht sich auf einem Bänkli in der Mittagssonne aus. Der Bildweier ist ein idyllisches Fleckchen Erde. Er liegt im Westen der Stadt und ist, umzingelt von Strassen und Gebäuden, eine Naturoase im Siedlungsgebiet. Damit dies auch weiterhin so bleibt, will die Stadt den Bildweier aufwerten.

In den vergangenen Jahren hat sie den Zustand des Weihers verschiedentlich untersucht. So wurden beispielsweise mittels Bohrungen auf dem Erddamm der Aufbau und die Dichtheit des Damms festgestellt. Zudem wurde geprüft, wie weit die Verschlammung fortgeschritten war.

Instabile Dämme, aber keine Schlammentnahme

«Aufgrund dieser Untersuchungen wissen wir, dass die Stabilität des Damms ungenügend ist», sagt Marcel Spielmann, Fachspezialist Wasserbau beim Tiefbauamt der Stadt St. Gallen. Damit die Sicherheit weiterhin gewährleistet ist, wird der bestehende Damm auf der ganzen Länge mit einer Dichtwand gestärkt. Hierfür soll mit hohem Druck eine Zementmischung in den Boden gepresst werden, sodass Pfähle entstehen, die zusammen eine Dichtwand ergeben. «In Richtung Kräzernstrasse wird der Damm leicht erhöht, damit der Notabfluss auf der flacheren Seite, bei der Bildweiherstrasse ist.»

Weiter ist geplant, mit einer gezielten Durchforstung und mit Ersatzpflanzungen auf dem Damm sowie entlang des neuen Auslaufgerinnes die Artenvielfalt zu erhöhen. «Durch die punktuelle Bepflanzung mit Bäumen und Sträuchern werden Räume mit viel Licht geschaffen», sagt Spielmann. Beidseitig des Auslaufgerinnes könnten so Hochstaudenflure mit angrenzendem Krautsaum entstehen. Auf der östlichen Seite wird die bestehende Wiese als Blumenwiese aufgewertet. Daneben bekommt der bei den Spaziergängern beliebte Sitzplatz am Weiher eine neue Unterlage: Statt Kies gibt es eine Holzplattform. Die Sitzgelegenheiten bleiben.

Was sich bei den Untersuchungen nicht bewahrheitet hat, ist die Gefahr der Verschlammung. Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass sich die Wasseroberfläche des Bildweiers in den vergangenen 150 Jahren nur geringfügig verändert habe, sagt der städtische Fachspezialist. Die Verantwortlichen verzichten deshalb auf eine Entnahme des Schlamms. Die Verlandung, die ebenfalls als Bedrohung für den Bildweier als solches bezeichnet wurde, bleibt gemäss Spielmann aber weiterhin unter Beobachtung durch die beteiligten Ämter sowie den Naturschutzverein Stadt St. Gallen und Umgebung.

Dass es den Bildweier heute überhaupt noch gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. In den 1970er-Jahren existierten Pläne, den künstlich aufgestauten Weiher mit dem Aushubmaterial aus dem Autobahn-Tunnelbau aufzuschütten. Der Naturschutzverein Stadt St. Gallen und Umgebung intervenierte. Nach mehrjährigen Verhandlungen und politischen Diskussionen wurde das Areal per 1. Juli 1983 gar unter Schutz gestellt. Seither ist der Bildweier ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung.

Sanierungsstart ist noch unklar

Gemäss Massnahmenkonzept von 2016 wird die geplante Aufwertung rund 1,2 Millionen Franken kosten. «Wir hoffen durch die Revitalisierung Gelder von Kanton und Bund zu erhalten», sagt Spielmann. «Für die Restkosten wird voraussichtlich die Stadt als Eigentümerin aufkommen.»

Wann mit der Sanierung begonnen werden kann, ist jedoch noch unklar. «Wir stehen mit dem Projekt vor der Vernehmlassung. Einen genauen Zeitpunkt zu nennen, ist daher nicht möglich», sagt der Fachmann. Verläuft allerdings alles nach Plan, soll mit der Umsetzung im Frühling 2020 begonnen werden. Die Arbeiten dürften etwa ein halbes Jahr dauern.

Der Bildweier ist in Gefahr

Der Bildweier ist ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Gefahr droht ihm nun nicht durch die bauliche Entwicklung der Umgebung, sondern durch Verschlammung. Die Stadt untersucht derzeit den Zustand des Weihers.
Beda Hanimann