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Bürgerratssaal im St.Galler Stadthaus ist bei Hochzeitspaaren gefragt

Das Trauzimmer im Rathaus ist modern und eher nüchtern. Seit kurzem gibt es aber eine Alternative. Nun kommen auch Paare auf ihre Rechnung, die sich für ihre Trauung eine andere Atmosphäre wünschen.
Christina Weder
Der Grossteil der Trauungen wird auch weiterhin im Trauzimmer im Rathaus durchgeführt. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Der Grossteil der Trauungen wird auch weiterhin im Trauzimmer im Rathaus durchgeführt. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Für Brautpaare gab es in St.Gallen bis vor kurzem keine Alternative zum Trauzimmer im Rathaus. Es sei denn, sie verliessen die Stadt für die Ziviltrauung. Das tat ein nicht unbeträchtlicher Anteil der Heiratswilligen, wie Stephanie Hutter, Leiterin des Zivilstandsamts, sagt. Sie spricht von bis zu 20 Prozent der Paare, die auswärts heirateten.

Die Vermutung, woran das liegen könnte, lag nahe. Der Wunsch nach einem alternativen Raum sei wiederholt geäussert worden, sagt Hutter: «Viele Paare ziehen für ihren grossen Tag das Altehrwürdige vor.» Sie wünschten sich eine andere Atmosphäre, als sie das moderne, eher nüchterne Rathaus bietet. «Es drängte sich auf, ein Pendent zu suchen.»

Zeitgenössische Kunst versus historisches Interieur

Nun ist das Zivilstandsamt im Klosterviertel fündig geworden. Es hat mit der Ortsbürgergemeinde St.Gallen eine Vereinbarung über die Nutzung des historischen Bürgerratssaals im Stadthaus abgeschlossen. Neu können Brautpaare aus der Stadt zwischen zwei Räumen wählen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das Trauzimmer im Rathaus wurde vor rund zehn Jahren eingerichtet. Es ist schlicht, eher kühl und geprägt von einem bonbonfarbenen Wandbild der St.Galler Künstlerin Marianne Rinderknecht, auf dem es spriesst und rankt. Wer das Trauzimmer verlässt, steht auf einem der meistfrequentierten Plätze in der Stadt: dem Bahnhofplatz.

Eine Alternative bietet nun der Bürgerratssaal im Stadthaus aus dem 16. Jahrhundert: Ein gediegener Raum mit Kassettendecke, Täfer, alten Gemälden und Blick aufs Unesco-Weltkulturerbe. Am massiven Tisch, an dem der Bürgerrat der Ortsbürgergemeinde seine Sitzungen abhält, finden seit vergangenem September Trauungen statt. «Wir sind stolz, dass wir neu diesen Raum anbieten können», sagt Stephanie Hutter. Er sei sehr gefragt – besonders bei jenen Paaren, die auf eine kirchliche Trauung verzichten. Von ihnen entscheiden sich die meisten für eine Ziviltrauung im Bürgerratssaal, wie die Leiterin des Zivilstandsamts beobachtet.

Neu können Paare aus St. Gallen auch im Bürgerratssaal im Stadthaus heiraten. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Neu können Paare aus St. Gallen auch im Bürgerratssaal im Stadthaus heiraten. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Seit Januar haben die städtischen Zivilstandsbeamten im Rathaus 109 Paare getraut, im Bürgerratssaal 18. Auch künftig wird der Grossteil der Trauungen im Rathaus stattfinden, wo mehr Termine angeboten werden. Wer dagegen im Bürgerratssaal heiraten will, sollte sich zeitig um einen Termin bemühen. «Mindestens drei Monate im Voraus», sagt Hutter. Denn dort kann nur an zwei Freitagnachmittagen pro Monat geheiratet werden. Pro Nachmittag finden im Halbstundentakt vier Trauungen statt.

Unterschied: Eine Benutzungsgebühr

Die Reservation muss übers städtische Zivilstandsamt erfolgen – egal, ob man sich für den Bürgerratssaal oder fürs Trauzimmer im Rathaus entscheidet. Beiderorts werden die Trauungen von städtischen Zivilstandsbeamten durchgeführt, das Prozedere ist identisch, wie Hutter sagt. Zwei Unterschiede gibt es dennoch: Im Trauzimmer des Rathauses sind 20 Gäste zugelassen, im Bürgerratssaal nur zwölf. Zudem müssen Brautpaare, die sich für Letzteren entscheiden, eine Nutzungsgebühr zu Gunsten der Ortsbürgergemeinde entrichten. Sie beträgt 80 Franken.

Die erste Bilanz fällt positiv aus. Für die städtischen Zivilstandsbeamten sei es keine grosse Umstellung gewesen, den Raum zu wechseln. «Sie sind sich das gewohnt, da sie regelmässig auch Trauungen in den umliegenden Gemeinden durchführen», sagt Stephanie Hutter. Zudem habe man sehr schöne Rückmeldungen von Brautpaaren erhalten. Es brauche gar nicht mehr als ein paar Kerzen, um im Bürgerratssaal eine festliche Stimmung zu zaubern:

«Der Raum ist allein schon aussergewöhnlich.»

Auch Jens Nef, Ratsschreiber der Ortsbürgergemeinde, ist überzeugt: Der Bürgerratssaal sei gerade für jene Paare eine schöne Alternative, für die Heiraten mehr als ein blosser Verwaltungsakt bedeute. «Für jene, die sich eine besondere Atmosphäre wünschen.» Er sei sich gewohnt, dass immer wieder Veranstaltungen im Stadthaus stattfänden. Doch seit hier Brautpaare ein- und ausgehen, hat sich wohl die Zahl der Gäste, die vor dem Eingang Spalier stehen, Fotos machen und Apéro trinken, sprunghaft erhöht.

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