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Hochhäuser in der Stadt St.Gallen – gehasst und geliebt

St.Gallen ist für Vieles bekannt. Sicher ist die Stadt das aber nicht für ihre Hochhäuser. Zu ihrem baulichen Erbe gehört allerdings eine überraschend stattliche Zahl solcher Bauten. Fünfzig davon zeigt die Jahresausstellung der städtischen Denkmalpflege.
Reto Voneschen
Das Hochhaus der Fachhochschule St.Gallen hinter dem Hauptbahnhof. Rechts davon im Hintergrund das Bundesverwaltungsgericht, links hinter dem Geschäftshaus «Sankt Leopard» das blauweisse Bürohochhaus der Bischoff-Textil AG. (Bild: Michel Canonica - 13. Juni 2014)

Das Hochhaus der Fachhochschule St.Gallen hinter dem Hauptbahnhof. Rechts davon im Hintergrund das Bundesverwaltungsgericht, links hinter dem Geschäftshaus «Sankt Leopard» das blauweisse Bürohochhaus der Bischoff-Textil AG. (Bild: Michel Canonica - 13. Juni 2014)

Wie in anderen Schweizer Städten auch hat in St.Gallen beim Bauen der Drang himmelwärts relativ spät eingesetzt. Und alles, was ab den 1950er-Jahren im Hochtal der Steinach als Hochhaus gebaut wurde, ist sicher kein Wolkenkratzer.

Kantonsspital, Fachhochschule und Rathaus

Das derzeit höchste Gebäude der Stadt ist das Haus 04 auf dem Areal des Kantonsspitals; mit seinen 78 Metern Höhe über alles figuriert es immerhin noch unter den derzeit 25. höchsten Häusern der Schweiz. Das zweithöchste Stadtsanktgaller Gebäude, der Turm der Fachhochschule, bringt es auf über 66 und das drittplatzierte Rathaus seit seiner Sanierung 2005 bis 2007 auf fast 55 Meter.

Jahresausstellung im Rathaus

Die Jahresausstellung der Denkmalpflege der Stadt St.Gallen über Hochhäuser ist im 1. Stock des Rathauses am Bahnhofplatz zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung bis 14. Juni, und zwar von Montag bis Mittwoch, 8.30 bis 17 Uhr, am Donnerstag, 8.30 bis 18 Uhr sowie am Freitag, 8.30 bis 16.30 Uhr.

Obwohl das Hochhaus innerhalb der baulichen Entwicklung der Stadt St.Gallen seit 1945 letztlich eine untergeordnete Rolle spielte, haben Projekte, die nach oben strebten, seit den 1950er-Jahren die Gemüter immer wieder bewegt und für rote Köpfe gesorgt. Noch frisch in Erinnerung sind etwa die heftigen Diskussionen und Polemiken rund um einen geplanten Olma-Hotelturm am früheren Standort der abgebrannten Halle 7. Auf das Vorhaben wurde 2013 verzichtet; dies nach einem Gerichtsurteil, das eine Umzo­nung nötig gemacht hätte. Einem solchen Schritt wurden wenig Chancen eingeräumt.

St.Galler Hochtal ungeeignet für Hochhäuser?

Das Hochhaus hat generell das Zeug dazu, zu polarisieren. Für die einen sind hohe Bauten ein Zeichen für Urbanität – dafür, dass eine Stadt eine Stadt ist. Andere wiederum lehnen solche Bauten als rücksichtslos gegenüber der Nachbarschaft und als unnötige Protzerei ab.

Die Stadt St.Gallen von Osten her. Aus dem Siedlungsgebiet ragen die hohen Wohnüberbauungen des östlichen Stadtrands und der Silberturm. Ebenfalls ein prägender Bau ist das höchste Gebäude der Stadt, das 78 Meter hohe schwarz-weisse Hochhaus des Kantonsspitals. (Bild: Ralph Ribi - 9. November 2006)

Die Stadt St.Gallen von Osten her. Aus dem Siedlungsgebiet ragen die hohen Wohnüberbauungen des östlichen Stadtrands und der Silberturm. Ebenfalls ein prägender Bau ist das höchste Gebäude der Stadt, das 78 Meter hohe schwarz-weisse Hochhaus des Kantonsspitals. (Bild: Ralph Ribi - 9. November 2006)

Gerade in St.Gallen hat die Ablehnung des Hochhauses Tradition. Für viele ist das Hochtal der Stadt dafür topografisch wenig bis ganz und gar ungeeignet: Hoch aufragende Bauten vor noch höher aufragende Hügel zu stellen, mache städtebaulich keinen Sinn, weil sie so ihre Wirkung gar nicht entfalten könnten, wird bis heute argumentiert.

Genügend Bauland, skeptische Zeitgenossen

Dass St.Gallen nach dem zweiten Weltkrieg nicht zur Hochhaus-City wurde, ist aber auch noch anderen Faktoren geschuldet: Bis Anfang der 1960er-Jahre verlief die Entwicklung moderat; es brauchte keinen grossen Bauboom. Und in den 1960er- und 1970er-Jahren, in der Boomzeit vor dem Erdölschock, war genügend Land vorhanden, um in die Breite zu bauen. Zudem hatte St.Gallen im Zentrum, dort wo andernorts Hochhäuser zu wachsen begannen, eine intakte Alt- und Innenstadt.

Die klassischen «Wohnsilos» an der Moosstrasse in Bruggen. (Bild: Ralph Ribi - 22. Dezember 1998)

Die klassischen «Wohnsilos» an der Moosstrasse in Bruggen. (Bild: Ralph Ribi - 22. Dezember 1998)

Trotz all dem kam St.Gallen nach zaghaften Anfängen in den 1930er-Jahren zu seinen Hochhäusern. Ihnen widmet die städtische Denkmalpflege jetzt ihre Jahresausstellung im Rathaus am Bahnhofplatz. Darin werden typische Vertreter der rund 50 Hochhäuser, die in der Stadt stehen, sowie die verschiedenen Phasen des Stadtsanktgaller Hochhausbaus erläutert. Vom «Säntis» an der Lämmlisbrunnenstrasse 23-27 (1931/32, 23,3 Meter hoch) bis zum Bundesverwaltungsgericht an der Kreuzackerstrasse 12 (2008–2012, 49 Meter hoch).

Was macht eigentlich ein Hochhaus aus?

Wie vielschichtig das Thema Hochhaus ist, wird bereits ersichtlich, wenn man festzulegen versucht, was für ein Gebäude das ist. Rechtlich ist ein Hochhaus ein Bau, der höher als 25 Meter oder acht Stockwerke ist. Hinter dieser Definition im kantonalen Baugesetz steht die Tatsache, dass «normale» Feuerwehr-Drehleitern bis zum siebten Stock kommen; für alles, was darüber liegt, sind spezielle Brandschutzvorschriften nötig.

Für viele das schönste Hochhaus der Stadt St.Gallen: der Silberturm in der Grossacker-Überbauung. (Bild: Michael Freisager - 30. Juni 2005)

Für viele das schönste Hochhaus der Stadt St.Gallen: der Silberturm in der Grossacker-Überbauung. (Bild: Michael Freisager - 30. Juni 2005)

Städtebaulich bietet der Begriff Hochhaus Interpretationsspielraum: Es ist ein hohes Gebäude, das dort, wo es steht, einen klaren Akzent setzt. Und dann gibt’s das subjektive Empfinden: Nicht jedes über 25 Meter hohe Haus wird als Hochhaus empfunden - und es gibt kleinere Bauten, die durchaus die gleiche Wirkung wie Hochhäuser entfalten können.

Ein Beispiel für bewusstes Understatement ist der kantonale Bürokomplex an der Moosbruggstrasse 11. Das nach der Aufstockung von 1977 36,15 Meter hohe Haus erfüllt alle Anforderungen an ein Hochhaus. Da es aber lang gezogen und in den Berg hinein gebaut ist, wirkt es nicht so. Gewählt wurde diese Form im langen Planungsprozess ganz bewusst: Man wollte den benachbarten Stiftsbezirk nicht konkurrenzieren.

Der Bürokomplex der kantonalen Verwaltung an der Moosbruggstrasse 11. (Bild: Ursula Häne - 7. Oktober 2016)

Der Bürokomplex der kantonalen Verwaltung an der Moosbruggstrasse 11. (Bild: Ursula Häne - 7. Oktober 2016)

Hochhäuser bleiben ein Thema

Ein konkretes Hochhausprojekt ist derzeit für die Stadt St.Gallen nicht in der Pipeline. Ausser dass im Areal des Kantonsspitals mit der laufenden baulichen Erneuerung solche hohen Bauten entstehen werden. Hochhäuser blieben aber auch für die Zukunft ein Thema, sagte Stadtplaner Florian Kessler am Rand der Eröffnung der Jahresausstellung der städtischen Denkmalpflege.

Ob aber auch wirklich welche gebaut würden, hänge von verschiedenen Faktoren ab und zeige sich erst bei der konkreten Planung. Generell sind für Stadtplaner Kessler in St.Gallen Hochhäuser in absehbarer Zeit vor allem für Entwicklungsschwerpunkte wie fürs Dreieck zwischen St.Fiden, Olma und Kantonsspital, den Güterbahnhof oder Areale in Winkeln ein Thema. Testplanungen mit Hochhäusern gibt es beispielsweise bereits für das Areal hinter dem Hauptbahnhof oder für das Entwicklungsgebiet beim Bahnhof St.Fiden.

Wären neue Hochhäuser aber nicht ideal für bauliche Verdichtungsprojekte, wie sie derzeit in St.Gallen überall realisiert werden? Für den Stadtplaner sind Hochhäuser in dem Zusammenhang nicht von vornherein unmöglich. Er relativiert allerdings: Hochhäuser an sich seien noch kein Garant für eine dichtere Nutzung auf einer bestimmten Fläche; so seien Gebiete mit Blockrandbebauungen in Innenstädten wie beispielsweise in Berlin oder Barcelona jene mit sehr dichter Nutzung.

Im St.Galler Zusammenhang sind für Florian Kessler neue Hochhäuser aus zwei Gründen am wahrscheinlichsten: Einmal, weil sich mit ihnen markante städtebauliche Akzente setzen lassen. Ein typisches Beispiel ist das Hochhaus in der Testplanung für den Bahnhof-Nord: Hier würde ein neues Hochhaus zusammen mit den bestehenden beiden, mit Rathaus und Fachhochschule, den zentralen Ort stärken, sagt Kessler.

Zum anderen kann ein Hochhaus in einer Überbauung eine ordnende Funktion haben: Mit ihm kann man einen Teil der Nutzung in die Höhe verlegen und dafür in der Fläche hochwertigen Freiraum schaffen. Ein Hochhaus war genau aus diesem Grund auch im ersten, 2007 an der Urne gescheiterten Überbauungsprojekt im Güterbahnhof enthalten. (vre)

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