Hitzige Diskussion um den Neuner: Wird die Buslinie in Rotmonten nun verlängert oder nicht?

Vertreter der Stadt und des Quartiervereins Rotmonten haben am Donnerstagabend über die mögliche Verlängerung der Buslinie 9 informiert. Nun müssen die Mitglieder des Quartiervereins über den Vorschlag der Stadt abstimmen.

Aybüke Köseoglu
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Endhaltestelle Sonne: Bisher fahren die Busse von hier in Richtung Heiligkreuz-Neudorf oder als Dienstfahrt zur Haltestelle Rotmonten.

Endhaltestelle Sonne: Bisher fahren die Busse von hier in Richtung Heiligkreuz-Neudorf oder als Dienstfahrt zur Haltestelle Rotmonten.

Bild: Aybüke Köseoglu

Die Stimmung ist angespannt, die Meinungen gespalten und die Frustration gross unter den anwesenden Rotmöntlern. Anlass ist die Informationsveranstaltung zur neuen Busführung der Linie 9. Damit sollen das Gebiet Strebel und das Altersheim Rotmonten besser erreichbar werden.

Das Publikum an diesem Abend ist in zwei Gruppen gespalten: Eine Partei will die Erschliessung, die andere sieht keinen Bedarf. In einer Abstimmung des Quartiervereins sollen dessen Mitglieder bis zum 10. Oktober über die vorgeschlagene Lösung des Stadtrates entscheiden.

Von der Leerfahrt zur Nutzfahrt

Auf eine Einfache Anfrage aus dem Jahr 2016 hat der Stadtrat reagiert. Zwei Stadtparlamentarierinnen regten darin eine Überprüfung an, ob die Bushaltestelle Strebelstrasse möglich wäre. Auch das Altersheim Rotmonten forderte schon mehrmals eine bessere Erreichbarkeit. «Die Mobilität für Mitarbeitende sowie Besuchende des Heims ist zentral», sagt Präsident des Altersheims Thomas Frey am Anlass. Die nächste Haltestelle liegt in etwa 300 Meter Entfernung.

Aktueller Stand: Der gelbe Bereich ist mit den Linien fünf (blaue Linie) und neun (rote Linie) gut erschlossen, der rote Bereich wäre neu zusätzlich erschlossen und der blaue Bereich gar nicht.

Aktueller Stand: Der gelbe Bereich ist mit den Linien fünf (blaue Linie) und neun (rote Linie) gut erschlossen, der rote Bereich wäre neu zusätzlich erschlossen und der blaue Bereich gar nicht.

Bild: PD

2019 wurde zudem die Petition «Umwandlung der Dienstfahrt der Linie 9 in eine Nutzfahrt mit Halt beim Altersheim Rotmonten eingereicht». Ausgelöst wurde die Petition vor allem durch die Dienstfahrten ohne Passagiere von der Haltestelle Sonne bis zur Haltestelle Rotmonten. Diese betrieblich notwendigen Fahrten stiessen auf Unverständnis bei einigen der dort ansässigen Rotmöntler.

Bestvariante der Stadt

Die Stadt ist zum Schluss gelangt, dass eine Nutzfahrt zu einer neuen Haltestelle Altersheim nicht «sinnvoll umsetzbar» ist. Darum empfiehlt die Stadt eine neue Linienführung des Neuners:

Der Stadtrat empfiehlt eine Schlaufe über die Kirchlistrasse und Ludwigsstrasse. Das Altersheim und umliegende Strassen wären neu erschlossen.

Der Stadtrat empfiehlt eine Schlaufe über die Kirchlistrasse und Ludwigsstrasse. Das Altersheim und umliegende Strassen wären neu erschlossen.

Bild: PD

Die neue Linie 9 soll über Kirchli- und Ludwigsstrasse führen. Damit wären das Altersheim und umliegende Strassen besser durch den öffentlichen Verkehr erschlossen. Bei einem Betriebsstart von 05.40 Uhr bis um 00.50 Uhr wären dies 126 Fahrten pro Tag. Die Betriebskosten dieser neuen Variante würden sich auf zusätzliche 140'000 Franken belaufen.

Zudem müssten fünf neue Haltestellen erstellt werden: je zwei beim Altersheim, beim alten Schulhaus an der Kirchlistrasse sowie eine Haltestelle gegenüber dem Halt Seeblick. Die zwei Haltestellen an der Guisanstrasse, beim Blumenladen und bei der «Wöschbox», werden bei dieser Variante aufgehoben. Damit gäbe es zwei neue Parkplätze an der Kreuzung Sonne und weniger Busverkehr.

An der Informationsveranstaltung wird diese Variante von vielen kritisiert: Unter anderem wird die Verlängerung grundsätzlich in Frage gestellt. Besonders der Mehrverkehr und der zusätzliche Lärm bei 126 Fahrten verursacht Ärger.

Georg Streule, Architekt und Vorstandsmitglied des Quartiervereins Rotmonten, sagt zum Publikum:

«Bei den jährlichen Betriebskosten von bis zu 140'000 Franken lade ich Sie dazu ein zur nächsten Bushaltestelle zu laufen»

Andere Kritikerinnen und Kritiker hinterfragten die Sicherheit dieser Lösung. So wäre eine der neuen Haltestellen unmittelbar bei der Tagesbetreuung im ehemaligen Schulhaus gelegen, wo es, laut den Kritikern, jetzt schon Probleme mit der Sicherheit gibt.

Auch bei «Nein», Chance auf eine Verbesserung

Die Alternativvariante nutzt die bestehende Infrastruktur.

Die Alternativvariante nutzt die bestehende Infrastruktur.

Bild: PD

Die Vereinsmitglieder können in der Abstimmung in einem ersten Schritt entscheiden, ob sie die Variante der Stadt wollen oder nicht. Wenn sie diese ablehnen, können sie in einem zweiten Schritt über eine Alternative befinden.

Die Alternativvariante wurde unter Leitung von Streule geprüft. Diese Variante erschliesst das Altersheim und die umliegenden Strassen nicht, sondern nutzt die bestehende Infrastruktur. Der Neuner wird neu die gleiche Schlaufe wie der Fünfer fahren. Auch hier würden die zwei Haltestellen an der Guisanstrasse aufgehoben. Die Betriebskosten dieser Variante betrügen etwa 70'000 Franken.

Die Befürworter der Variante der Stadt fühlen sich bei dieser Alternative benachteiligt. Das Altersheim und die anderen Gebiete blieben unerschlossen. So bestehe das Problem der Erreichbarkeit weiterhin.