Hier wird trotz Coronavirus gefeiert: Weshalb Muolen und Untereggen 1.-August-Anlässe geplant haben – und die meisten anderen Gemeinden nicht

Vielerorts werden die 1.-August-Festivitäten wegen der Coronapandemie abgesagt. Nicht so in Untereggen und Muolen: Dort darf gefeiert werden – wenn auch teilweise anders als sonst. In der Stadt St. Gallen findet die Bundesfeier ohne Gäste statt, wird dafür aber im Fernsehen übertragen.

Michel Burtscher
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Die meisten Gemeinden in der Region haben ihre 1.-August-Feier abgesagt.

Die meisten Gemeinden in der Region haben ihre 1.-August-Feier abgesagt.

Ralph Ribi

Als wäre das Jahr nicht schon schwierig genug, muss die Bevölkerung vielerorts auch noch auf die traditionellen 1.-August-Feiern verzichten. Landauf, landab haben sie die Gemeinden in den letzten Wochen abgesagt, immer mit ein bisschen Wehmut. In Berg war es am vergangenen Donnerstag soweit: Er hätte der Bevölkerung am 1. August gerne ein «frohes, geselliges und unbeschwertes Beisammensein» ermöglicht, schrieb der Gemeinderat im Mitteilungsblatt. Die weiterhin geltenden Einschränkungen wegen der Coronapandemie hätten jedoch nur sehr schwierig eingehalten und umgesetzt werden können.

Zum gleichen Schluss kamen viele andere Gemeinden auch. Absagen gab es unter anderem in Gossau, Gaiserwald, Wittenbach, Andwil, Waldkirch, Eggersriet, Rorschach, Goldach, Thal oder Steinach. «Nicht möglich» oder «eher schwierig» sei es, unter den jetzigen Bedingungen ein stimmungsvolles Fest durchzuführen. Doch es gibt auch Gemeinden in den Regionen St. Gallen und Rorschach, die den 1. August trotz allem mit ihrer Bevölkerung feiern wollen.

Bevölkerung will sich wieder treffen

Norbert Rüttimann, Gemeindepräsident Untereggen.

Norbert Rüttimann, Gemeindepräsident Untereggen.

Ralph Ribi

Dazu gehört das 1100-Einwohner-Dorf Untereggen. Die Bundesfeier finde am 31. Juli «voraussichtlich» statt, sagt Gemeindepräsident Norbert Rüttimann. Er betont:

«Es ist ein traditioneller Anlass, an dem die daheim gebliebene Bevölkerung die Gelegenheit hat, sich zu treffen und auszutauschen.»

Auch für die Kinder sei der Lampionumzug ein schönes Ritual. Man habe festgestellt, sagt Rüttimann, dass nach den Lockerungen der Coronamassnahmen die Dorfbevölkerung sich wieder gerne treffe und das Dorfleben geniesse. «Dazu gehören auch solche traditionellen Anlässe», so der Gemeindepräsident.

Die Bundesfeier finde «selbstverständlich mit den notwendigen Schutzmassnahmen» statt, betont Rüttimann. Das Schutzkonzept wollen die Verantwortlichen kurz vor dem Anlass aufgrund der dann geltenden Vorschriften von Bund und Kanton erstellen. «Beim heutigen Stand der Dinge gehen wir davon aus, dass wir mindestens die Namen der Anwesenden erfassen, um in einem Ansteckungsfall das Contact-Tracing sicherzustellen», sagt Rüttimann. Sollten die Corona-Massnahmen verschärft werden, behalte man sich vor, die Bundesfeier kurzfristig abzusagen.

In Muolen gibt es einen Apéro statt ein Fest

Bernhard Keller, Gemeindepräsident Muolen

Bernhard Keller, Gemeindepräsident Muolen

PD

Auch in Muolen will man nicht vollständig auf die Feierlichkeiten verzichten. «Der 1. August findet statt. Ob Coronavirus oder nicht», heisst es im aktuellen Mitteilungsblatt. Statt eines abendlichen Festes ist jedoch am späten Vormittag ein kurzer Apéro mit Rahmenprogramm geplant. Muolens Gemeindepräsident Bernhard Keller sagt: «Ein Fest am Abend, wo die Leute an Festbänken zusammensitzen, wäre nicht umsetzbar gewesen.»

Trotzdem sei auch in Muolen ein Bedürfnis in der Bevölkerung spürbar, sich wieder einmal zu treffen, betont er. Darum habe man sich für einen Apéro entschieden. Es sei ein Anliegen des Gemeinderates und ihm selber gewesen, sagt Keller, dass gerade in dem Jahr, in dem man sich auf typische Schlagwörter aus 1.-August-Reden wie Rücksichtnahme und Toleranz berufe, auch ein Anlass stattfinde – wenn auch in kleinerem Rahmen. Keller nennt es ein «langsames Antasten an die Normalität».

Beim Stehapéro werde es für die Besucherinnen und Besucher möglich sein, sagt er, die nötigen Abstände einzuhalten. Zudem werde man Gratismasken verteilen und Desinfektionsmittel aufstellen. Die Menschen seien immer noch vorsichtig, sagt Keller. Wie viele Personen kommen werden, sei schwierig abzuschätzen. In anderen Jahren seien es um die 300 gewesen, diesmal geht der Gemeindepräsident davon aus, dass es weniger sein werden. Das Rahmenprogramm besteht aus einer Darbietung der Musikgesellschaft Muolen, einer Ansprache von Gemeindepräsident Keller und dem Spielen der Nationalhymne.

Ohne Publikum, dafür mit TV-Ausstrahlung

Einen speziellen Weg wählt man in der Stadt St. Gallen. Dort findet die offizielle 1.-August-Feier abwechslungsweise in der Kathedrale und der Kirche St.Laurenzen statt. Dieses Jahr war die Veranstaltung in der Kathedrale geplant. Weil daran jeweils über 1000 Personen teilnehmen, findet der Anlass diesmal ohne Publikum und ohne Apéro für die Bevölkerung statt, wie die Nachrichtenagentur SDA berichtete. Fans des inhaltlichen Teils der Veranstaltung können indes aufatmen. Die Feier wird aufgezeichnet und am 1. August um 10.30 Uhr auf TVO ausgestrahlt. Vertreter der Religionsgemeinschaften halten kurze Ansprachen.

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