Im Blutspendezentrum St.Gallen fliessen jeden Monat 500 Liter Blut

Gut 500 Liter des roten Lebenssaftes fliessen in St.Gallen monatlich in Entnahmebeutel und stehen im Lager zum Einsatz bereit. Was nach grossem Vorrat tönt, könnte trotzdem knapp werden – etwa in der Ferienzeit.

Seraina Hess
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Die Spender liegen bei der Blutentnahme. (Bild: Ralph Ribi)

Die Spender liegen bei der Blutentnahme. (Bild: Ralph Ribi)

Monika Brändli gehört zu den Musterschülern unter den Spendern. Zum 50. Mal legt sich die Abtwilerin an diesem heissen Sommernachmittag auf die Liege und wartet, bis eine Mitarbeiterin des Blutspendedienstes mit der Nadel die Vene in der Armbeuge punktiert. Und damit einen der wenigen medizinischen Rohstoffe anzapft, die nicht künstlich herstellbar sind.

Die Stiftung Blutspende SRK Ostschweiz ist deshalb auf Menschen wie Monika Brändli angewiesen. Spender, die Jahr für Jahr mit mindestens drei Monaten Abstand je 450 Milliliter Blut abgeben. Oder wie Brändli ab und zu sogar die etwa 90 Minuten dauernde Blutplättchen- oder Thrombozytenspende an einem Dialyse-ähnlichen Gerät auf sich nehmen. Doch mit der Entnahme ist es nicht getan, das Blut noch lange nicht brauchbar. Vom Marketing bis zum Endprodukt, das Patienten in der Not verabreicht wird, sind beim Ostschweizer Arzneimittelhersteller viele einzelne Schritte nötig.

Fragebogen, Fingerpieks, Gespräch: Spenderinnen und Spender werden auf ihre Tauglichkeit geprüft. (Bild: Ralph Ribi)

Fragebogen, Fingerpieks, Gespräch: Spenderinnen und Spender werden auf ihre Tauglichkeit geprüft. (Bild: Ralph Ribi)

Das Sommerloch geschickt umgehen

Die Schritte beginnen mit der Akquisition der Spender, die ab Mai intensiviert wird, um das Sommerloch während der Schulferienzeit zu umgehen. Plakate, Mailings, Facebook-Kampagnen, SMS – das Zentrum mit seinen 60 Mitarbeitern unternimmt einiges, sodass es in seiner Geschichte tatsächlich noch nie zu einem gefährlichen Engpass gekommen ist. Denn dieser wäre verheerend: Mit dem Lager von je 200 Konserven der Blutgruppen A+ und 0+, etwa 50 der Gruppen A- , B- und 0-, 30 der Gruppen B+ und zehn des Typs B- und AB beliefert die Stiftung die Kantone St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden sowie den Thurgau. Wird eine Blutgruppe knapp, helfen sich die 11 Schweizer Blutspendezentren des Roten Kreuzes untereinander aus.

«Im Idealfall wissen wir zwar, dass ein Sommerloch droht, doch es tritt nicht ein», sagt Geschäftsleiterin Jutta Thierbach. Denn die Bemühungen wirken durchaus, das Zentrum ist auch mitten in den Sommerferien gut besucht. An diesem Nachmittag spenden neben Stammgast Monika Brändli 90 weitere Personen. Das Problem: Während der Schulferien kann die mobile Blutspende aufgrund geschlossener öffentlicher Anlagen jeweils keine Spendenaktionen mit lokalen Samaritervereinen veranstalten. Die Spenden aus den Ostschweizer Gemeinden machen rund die Hälfte der 6000 Liter Blut aus, die pro Jahr in die Beutel fliessen.

Nach der Spende, die pro Person 450 Milliliter beträgt, gibt’s zur Stärkung des Kreislaufes ein reichhaltiges Buffet. (Bild: Ralph Ribi)

Nach der Spende, die pro Person 450 Milliliter beträgt, gibt’s zur Stärkung des Kreislaufes ein reichhaltiges Buffet. (Bild: Ralph Ribi)

Ist das Blut erst einmal dort, beginnt ein Prozess der Aufbereitung. Es wird gefiltert und von den weissen Blutkörperchen getrennt, die beim Empfänger zu unerwünschten Reaktionen führen können. Mittels Zentrifuge wird das Plasma abgetrennt, das wichtige Gerinnungsfaktoren enthält und sich tiefgefroren zwei Jahre lagert. Etwas länger als die roten Blutkörperchen, die in einem Beutel bei zwei bis sechs Grad 49 Tage haltbar sind.

Das Zentrum haushaltet umsichtig

Obschon Spender ihr Blut unentgeltlich zur Verfügung stellen, gehen die Fachleute wirtschaftlich mit dem Produkt um, sagt Thierbach. «Wir werfen fast nichts weg. Sobald wir feststellen, dass genug vorhanden ist, reduzieren wir die Beschaffung.» Denn Blut ist zwar gratis, im veredelten Rohstoff steckt aber Geld: Aufbereitung, Tests auf Krankheiten, Personal und Infrastruktur kosten. Die Preise für die Konserven, mit denen Spitäler beliefert werden, legt nicht die knapp kostendeckende Stiftung fest; sie folgen behördlichen Vorgaben.

Während Spender in anderen Ländern durchaus bezahlt werden, etwa in den USA, zählen hierzulande weiche Faktoren. «Der Gedanke daran, etwas Gutes zu tun», nennt Monika Brändli ihren Beweggrund, das Zentrum immer wieder aufzusuchen.