Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die Kolping-Familie Gossau wird 150 Jahre alt

Einst eröffnete ein Priester in Gossau ein Gesellenhaus, um jungen Männern zu helfen. Die Kolping-Familie Gossau hat heute rund 270 Mitglieder. Was steckt hinter der katholischen Sozialbewegung?
Laura Widmer

Das Kolpingwerk zählt zu den grossen katholischen Sozialwerken, steht in Gossau aber auch Protestanten offen, «da sind wir nicht so streng», sagt Martin Jöhl. Er ist langjähriges Mitglied und ehemaliger Präsident der Kolping-Familie Gossau. Über hundert Jahre war Kolping Gossau ein reiner Jungmännerverein. Erst seit der Einführung des Frauenstimmrechts in den 70-er-Jahre können auch Frauen Mitglied werden. Heute ist mit Anita Rezzonico eine Frau Präses.

Martin Jöhl ist Mitglied der Kolping-Familie Gossau.

Martin Jöhl ist Mitglied der Kolping-Familie Gossau.

Gesellenhäuser sollten Bildung ermöglichen

Das Kolpingwerk hat weltweit rund 450000 Mitglieder. Allein in der Schweiz leben rund 80 Kolping-Familien, in der Ostschweiz etwa in St. Gallen oder Rorschach. Der Name der Bewegung geht auf ihren Gründer Adolph Kolping zurück, einen Sozialreformer und Priester aus dem 19. Jahrhundert. «Er reiste viel und erkannte die Sorgen und Nöte einer sich durch die Industrialisierung stark verändernden Gesellschaft», sagt Martin Jöhl. «Er wollte Menschen helfen, die in schlimmen Verhältnissen lebten.»

Die von Kolping gegründeten Gesellenhäuser, in denen die jungen Männer wohnten, sollten für einen sinnvollen Zeitvertreib sorgen. Der Gedanke war: Wer engagiert im Beruf ist, einen Verdienst hat und sich weiterbildet, kann eine Familie gründen und sich für die Gesellschaft einsetzen. Nicht Klassenkampf oder Auflehnung gegen Machthaber sei das Ziel gewesen, vielmehr ging es um soziales Engagement.

Das erste Gesellenhaus wurde 1852 in Adolph Kolpings Heimatstadt Köln errichtet, die Idee verbreitete sich jedoch schnell. In diesem Geist gründete Kaplan Jakob Eisenring in Gossau am 3.Oktober 1869 den Katholischen Gesellenverein. Er stand Handwerksburschen offen. 23 Jahre später wurde an der Friedbergstrasse ein Gesellenhaus gebaut. Später war es als Restaurant Gesellenhaus oder «Vatikan» bekannt. Von 1978 bis 2013 war die Kolping-Familie Gossau Stockwerkeigentümerin im Andreaszentrum, dann verkaufte sie ihren Hausteil an die katholische Kirchgemeinde. Für die dringende Sanierung hätte das Geld gefehlt. Mit dem Verkaufserlös wurde ein Fond gegründet, aus dem jährlich Jugendvereine und soziale Projekte in der Stadt unterstützt werden.

Die Kolping-Familie Gossau hat heute rund 270 Mitglieder. In den vergangenen Jahren war der Verein nicht mehr so aktiv wie zu seiner Blütezeit, auch die Kolping-Familie Gossau überaltert zunehmend. «Vor 25 Jahren hatten wir viele engagierte Leute im Verein», sagt Jöhl. Der Nachwuchsmangel macht Kolping Gossau zu schaffen. «Im kirchlichen Bereich ist es schwieriger, junge Leute zu finden, als im Sport oder in der Musik.» Der Verein trifft sich jedoch auch heute noch, es werden Seniorenwanderungen organisiert, Neujahrsbegrüssung oder Meisterschaften im Bowlen oder Minigolfen ausgetragen. Vier Mal im Jahr besuchen Mitglieder gemeinsam einen Gottesdienst. «Ein wichtiger Teil ist im Dezember das Chlausen, aber auch das Sammeln für unsere Hilfswerke», sagt Martin Jöhl.

Kolping ist als Hilfswerk in über 60 Ländern aktiv. Aktuell unterstützt Kolping Gossau ein Projekt für die Ausbildung von Schneiderinnen in Indien, um «den Ärmsten der Armen» zu helfen. Sich für die Schwachen einzusetzen, ist in den Grundsätzen des Vereins verankert. «Nur Taten mehren die Worte»: Dieses Zitat von Adolph Kolping ist heute noch Leitspruch für die Mitglieder.

Festgottesdienst: Sonntag, 8. September, 10.30 Uhr, ­Andreaskirche

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.