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Gassenküche St.Gallen: Die warme Stube des Herrn Koller

Eine warme Mahlzeit am Tag: Das bietet die Gassenküche Menschen wie Markus Koller. Der einstige Buschauffeur kommt seit drei Jahren jeden Tag hierher. Und wüsste nicht, wie er ohne sie über die Runden käme.
Seraina Hess
Gerngesehener Gast in der Gassenküche: Markus Koller. (Bild: Michel Canonica)

Gerngesehener Gast in der Gassenküche: Markus Koller. (Bild: Michel Canonica)

Zwanzig Eierkartons, eine Kiste Brötchen, ein Palett voller Soja-Getränke. Die Lieferungen der Schweizer Tafel sind an der Linsebühlstrasse 82 eingetroffen, wo sie im Laufe der Woche verarbeitet oder unter den Gästen verteilt werden. Zwischen 25 und 40 Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, besuchen die Gassenküche jeden Mittag.

Zu den Stammgästen gehört Markus Koller, der mit seiner Frau seit drei Jahren Tag für Tag hierher kommt. Es fällt leicht, sich der Öffentlichkeit erfolgreich zu zeigen – mehr Mut brauchen jene, die vom Leben gezeichnet sind. Das Ehepaar Koller gibt der neuen Spendebroschüre der Gassenküche ein Gesicht.

Chauffeur-Job wegen Depressionen aufgegeben

Markus Koller war 22 Jahre lang für die VBSG Bus gefahren, bevor seine Depressionen überhandnahmen und er den Job aufgeben musste. Noch während der Zeit als Chauffeur hat er im Bus seine heutige Frau kennen gelernt. Die ehemalige Krankenschwester war damals nach dem plötzlichen Kindstod des einjährigen Sohnes längere Zeit den Drogen zugetan.

Haben sich zur Präsentation der neuen Spendenbroschüre getroffen (von links): Markus Koller (Gast), Jürg Niggli (Leiter Stiftung Suchthilfe) und Dompfarrer Beat Grögli.

Haben sich zur Präsentation der neuen Spendenbroschüre getroffen (von links): Markus Koller (Gast), Jürg Niggli (Leiter Stiftung Suchthilfe) und Dompfarrer Beat Grögli.

Die beiden haben vor nunmehr 18 Jahren zueinander gefunden – zurück ins Berufsleben aber nicht. «Die IV-Rente ist knapp bemessen», sagt der 54-Jährige. Oft fehlt das Geld für genug Essen, weshalb das Paar in der Gassenküche einkehrt. Koller putzt jeden Tag eine halbe Stunde den Betrieb, seine Frau hilft immer dienstags während der grossen Reinigungsaktion.

Essensgutscheine statt Bares

Bezahlt werden die beiden mit Essensgutscheinen, denn Geld wird angesichts des Drogenkonsums vieler Gäste nicht ausbezahlt. Koller ist damit zufrieden:

«So haben wir den Zmittag bereits abverdient. Abends essen wir meistens nur noch kalt - dann gelingt es sogar, etwas Geld auf die Seite zu legen."

Ein Menü in der Gassenküche kostet drei Franken. «Die Gäste sollen etwas bezahlen, damit der Wert nicht vergessen geht», sagt Jürg Niggli, Leiter der Stiftung Suchthilfe. 300000 Franken muss sie jährlich auftreiben, um alle Kosten zu decken, den Unterhalt des Lokals inklusive. Das gelingt vor allem durch Private, die über die Hälfte der Spendengelder generieren. Dieses Jahr lag sogar die Anschaffung eines neuen Buffets drin, das den Raum auffrischt und die Essensausgabe erleichtert.

Gespräche unter Leidensgenossen

Der Besuch im Linsebühl gründet aber nicht nur auf dem günstigen Zmittag. Die Gassenküche sei Markus Koller ein Zufluchtsort. Gesellschaft und Gespräche unter Leidensgenossen: Sie gehören zum Mittagessen, selbst wenn sich manche Gäste ab und zu in die Haare kriegen. Etwa, wenn Drogen im Spiel sind und der eine den anderen über den Tisch ziehen will.

«Wir haben gelernt, damit umzugehen», sagt Markus Koller. Im schlimmsten Fall interveniere das Personal, ergänzt Jürg Niggli. «Wir bieten allen eine warme Stube im Winter. Ein Drogenumschlagplatz soll die Gassenküche aber nicht sein.»

Die Gassenküche verteilt am Samstag, 10. November, von 10 bis 16 Uhr Suppe in der Marktgasse.

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