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Nach 42 Jahren in Pension: In Goldach sagt Herr Hürlimann Tschüss

Während 42 Jahren war Peter Hürlimann als Primarlehrer in Goldach tätig. Fast 400 Kindern hat er Lesen und Rechnen beigebracht. Mit seiner Pensionierung freut sich der 62-Jährige auf einen Tapetenwechsel.
Jolanda Riedener
Peter Hürlimann im Warteggschulhaus, wo auch er einmal zu Schule ging. (Bild: Jolanda Riedener)

Peter Hürlimann im Warteggschulhaus, wo auch er einmal zu Schule ging. (Bild: Jolanda Riedener)

Die Pausenglocke läutet um 10 Uhr, die Drittklässler von Peter Hürlimann kehren aus der Znünipause ins Schulzimmer zurück. Sie sind laut und fröhlich. Der Lehrer stimmt mit ihnen ein Lied an. Dann kündet er lautgetreues Schreiben an. Die Begeisterung über dieses Diktat hält sich in Grenzen: «Ohh nein», tönt es aus der Klasse. «Nehmt den Bleistift und schreibt Namen und Datum aufs Papier. Heute haben wir den 15. Juni», sagt Hürlimann bestimmt. Inzwischen ist Ruhe eingekehrt. Er liest einen Text, die Schülerinnen und Schüler schreiben Satz für Satz auf Papier. «Für mich wird es das letzte Diktat sein», sagt der 62-Jährige mit sanfter Stimme.

In knapp drei Wochen geht Peter Hürlimann auf Ende Schuljahr in den Ruhestand, 42 Jahre hat er in jener Gemeinde unterrichtet, in der er aufgewachsen ist. «Ich ging einst selber hier im Wartegg zur Schule», sagt er nachdenklich. Als Schüler hatte er lieber Mathe als Deutsch. Auch Sport und Musik lagen ihm, oder Modellieren.

Hochs und Tiefs prägten Lehrerkarriere

1976 trat Hürlimann seine Stelle in Goldach an, davor besuchte er am Lehrerseminar in Rorschach die vierjährige Ausbildung. In Goldach unterrichtete er von Anfang an die Erst- bis Drittklässler. «Ich wollte eigentlich die Mittelstufe unterrichten, habe denn aber schnell gemerkt, dass die Unterstufe das Richtige für mich ist.» Als Handballspieler der ersten Liga sei er damals ausserdem froh um eine Stelle in Goldach gewesen.

In seiner Zeit als Lehrer begleitete er 14 Klassen vom ersten Schultag bis Ende der Dritten. «Auf meine Zeit hier kann ich mit Freude zurückblicken.» Höhepunkte – vor allem für die Schüler – waren Klassenlager, etwa acht bis zehn Mal reiste Peter Hürlimann mit seinen Drittklässlern ins bündnerische Ladir. Das stellte eine Abwechslung zum Schulalltag dar, sei aber auch mit hohem Aufwand der Lehrpersonen verbunden gewesen. «Die schönsten Momente als Lehrer sind für mich Alltagssituationen, wenn die Kinder lachen und ihre Augen leuchten.»

Vom Lehrerteam habe er im Warteggschulhaus stets Unterstützung erhalten: «Man hilft einander. Im Lehrerzimmer kann man auch einmal abschalten.» Auch Zweifel gehörten zu seiner Lehrerkarriere. «Es kommt immer Neues auf einen zu und die Erwartungen an uns Lehrer stiegen ständig. Auch ich wollte alles immer noch etwas besser machen», sagt Hürlimann.

Während seines Bildungsurlaubs konnte er die Batterien aber wieder aufladen: 2007 nahm Hürlimann an einer interkantonalen Weiterbildung im Stella Maris teil. «Das war sehr bereichernd.» Die folgenden elf Jahre habe er wieder mit viel Elan unterrichten können. Die Blockzeiten hätten den Schulbetrieb unruhiger und hektischer gemacht, ist er überzeugt. Eine gewisse Methodenfreiheit sollte den Lehrern gewährt werden: «Jeder unterrichtet in seinem eigenen Stil.» Elterngespräche waren am Anfang seiner Lehrertätigkeit für die Erst- bis Drittklässler nicht vorgesehen. Peter Hürlimann fand aber schon früh, dass diese auch auf seiner Stufe nötig sind. Mit den Eltern habe er stets ein gutes Verhältnis gepflegt und grundsätzlich Unterstützung und Wohlwollen von ihnen erfahren.

Mehr Zeit für Natur und Freiwilligenarbeit

Die Pensionierung lässt Peter Hürlimann auf sich zukommen: «Eine Umgewöhnung wird es schon sein.» Aber er freue sich darauf. Reisen sei sicher ein Thema, geplant seien vorerst verschiedene Kurzaufenthalte. Zum Beispiel bei der evangelischen Kirche macht Hürlimann Freiwilligenarbeit und engagiert sich für den Naturschutz. Diese Tätigkeiten will er in seinem Ruhestand noch intensiver betreiben. «Ich habe Freude an der Natur, bin gerne draussen.» Zu seinen Hobbys zählt er auch Schwimmen und Velofahren. «Zur Arbeit bin ich jeweils zu Fuss gekommen.»

Peter Hürlimanns Drittklässler arbeiten mittlerweile an selbst geschriebenen Geschichten. «Bitte legt das Blatt zu Oberst ins Mäppli, wir arbeiten das nächste Mal wieder daran.» Die Buben und Mädchen packen Etui und Bücher zusammen, versorgen sie unter dem Pult. Dann gibt der Lehrer zum Abschied jedem Kind die Hand.

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