Kaninchen und Hühner sind Leo Lochers Leidenschaft

Leo Locher ist seit 17 Jahren Präsident des Kaninchen- und Geflügelzuchtvereins Rorschacherberg. Er erzählt, warum sein Hobby früher einfacher war und verrät, was es braucht, um Tierzüchter zu werden.

Noah Salvetti
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Seit Kindertagen züchtet Leo Locher Kleintiere wie dieses Sachsengoldkaninchen. (Bild: Noah Salvetti)

Seit Kindertagen züchtet Leo Locher Kleintiere wie dieses Sachsengoldkaninchen. (Bild: Noah Salvetti)

Schräg gegenüber des Restaurants Schlachthof ist er zu Hause: Leo Locher, Präsident des Kaninchen- und Geflügelzüchtervereins Rorschacherberg. Sein Haus überragt See und Hafen, eine Gartenlaube lädt zum Verweilen ein. Auf der Treppe, die zum Hauseingang führt, lacht einen ein buntes Huhn aus Metall an. Locher trägt ein kariertes Hemd, als er die Haustür öffnet. Seit nunmehr 17 Jahren ist er Präsident des Züchtervereins, der Kaninchen, Hühner, Enten, Meerschweinchen sowie Ziergeflügel wie Fasanen züchtet und sich ausserdem dem Vogelschutz verschrieben hat.

Seine Freude an Kleintieren ist so alt wie er selbst: Der 60-Jährige ist auf einem Bauernhof beim Wannenweiher in Rorschacherberg aufgewachsen und hat bereits als Bub Kaninchen gehalten. Ein Lieblingstier hat er nicht: «Ich kann es mit allen Tieren gleich gut.» Die Kleintierzucht entdeckte er, als er durch Freunde vom 1948 gegründeten Züchterverein erfahren hatte. Mittlerweile ist er seit über 30 Jahren dabei und sogar Ehrenmitglied. Ein Jahrzehnt lang war der gelernte Maurer zudem Präsident der Abteilung Geflügel im kantonalen Kleintierzüchterverband.

Ein Hobby für fast jeden

Die Kleintierzucht sei ein spannendes Hobby und eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Leo Locher ist als Werkmeister beim Bauamt Rorschacherberg tätig. «Um Tiere muss man sich kümmern – das ist eine tägliche Aufgabe», sagt er. In seinem ehemaligen Domizil in der Lochstrasse hält er, gemeinsam mit seinem Sohn David, in einer Zuchtgemeinschaft Hühner, Wassergeflügel und Kaninchen. Dies, weil er zu Hause nicht genügend Umschwung hat, um die Tiere artgerecht zu halten. Jeden Morgen vor der Arbeit fährt er ans andere Ende der Gemeinde, um sich seinen Tieren zu widmen.

Auf die Frage, wie es um den Vereinsnachwuchs steht, antwortet Locher: «Wir sind gut aufgestellt.» Allerdings sei es früher bedeutend einfacher gewesen, junge Menschen für die Kleintierzucht zu begeistern. Heute gebe es ein weitaus grösseres Angebot an Freizeitaktivitäten, sodass die Zucht nur eine unter vielen sei. Zudem hätten sich die Rahmenbedingungen geändert. «Die Vorschriften sind über die Jahre strenger worden. Das ist zwar gut fürs Tierwohl, führt aber zu mehr Bürokratie», sagt Locher. Auch die Siedlungsentwicklung habe dazu beigetragen, dass die Kleintierzucht nicht überall praktiziert werden kann. Schliesslich brauchen Tiere genügend Auslauf, und lange nicht jeder Nachbar akzeptiere etwa einen krähenden Hahn nebenan. Um Züchter zu werden, müsse man eine gewisse Ruhe mitbringen:

«Ist der Mensch nervös, ist es das Tier auch. Ist der Mensch ruhig, lässt das Tier mehr Nähe zu.»

Alles andere sei lernbar, etwa durch Weiterbildungen. Trotz seiner Leidenschaft steht Fleisch auf Leo Lochers Speiseplan: «Das eine schliesst das andere nicht aus.» Artgerechte Haltung sei jedoch ein absolutes Muss, nicht nur, weil es das Gesetz so will. Sie ist denn auch ein Kriterium, nach dem die Tiere an der jährlich stattfindenden erweiterten Lokalausstellung bewertet werden. Gemeinsam mit der Jungtierschau im Frühjahr bildet sie die Haupteinnahmequelle des Vereins und ist unerlässlich, um für die Zuchtarbeit zu werben. Kommenden Freitag startet die 27. Ausgabe. 944 Tiere, davon alleine 444 Kaninchen, werden dort während drei Tagen mit Livemusik und Festwirtschaft der Öffentlichkeit präsentiert. Die Organisation des Anlasses sei mit viel Arbeit verbunden. «Wir sind ein eingespieltes Team», sagt Leo Locher. Nichtsdestotrotz ärgere man sich, wenn mal etwas nicht reibungslos laufe.

Ein alter Hase im Zuchtverein

Obschon er bereits viele Dienstjahre hinter sich hat, ist Leo Locher nicht amtsmüde. Er weiss: «17 Jahre, das ist eine lange Zeit, keine Frage.» Über seine Nachfolge habe er sich schon Gedanken gemacht, sagt Locher. Zurücktreten wolle er aber erst, wenn ein ebenbürtiger Kandidat in den Startlöchern stehe: «Man darf das Amt nicht unterschätzen.» Rücktritt hin oder her: Die Kleintierzucht ist und bleibt seine Passion.

Hinweis

Die 27. erweiterte Lokalausstellung findet vom 23. bis 25. November in der Mehrzweckhalle Rorschacherberg statt.