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Reportage

Helikopter über dem St.Galler Sitterviadukt: Baumaschinen und Bäume fliegen durch die Luft

Derzeit saniert die Südostbahn Sitterviadukt und Sturzeneggtunnel. Weil der Bauplatz aufseiten des Tunnels sehr eng ist, ist am Montag ein Helikopter zum Einsatz gekommen.
Marlen Hämmerli
Ein Helikopter mit Doppelrotor fliegt einen Dumper über dem Sitterviadukt. (Bild: Marlen Hämmerli)

Ein Helikopter mit Doppelrotor fliegt einen Dumper über dem Sitterviadukt. (Bild: Marlen Hämmerli)

  • Die Südostbahn (SOB) saniert derzeit zwischen St.Gallen Haggen und Herisau Sitterviadukt und Sturzeneggbrücke.
  • Am Montag flog deshalb ein Helikopter zwischen der Baustelle und dem Installationsplatz auf Herisauer Boden.
  • Der Helikopter transportierte gefällte Bäume und Gussasphalt.

Punktgenau steuert André Müller den Helikopter über dem Sitterviadukt – knapp neben den Fahrleitungen. Unter der K-Max K-1200 hängt an einem Seil eine gefällte Tanne. Mit dieser verschwindet der Helikopter hinter der Kuppe ob dem Sitterviadukt. Nadeln und Zweige regnen von oben herab.

Den ganzen Montag geht das so. Müller arbeitet für die Rotex Helicopter AG, die auf solche Arbeiten spezialisiert ist. Bei 80 Prozent der Aufträge handle es sich um Einsätze in der Forstwirtschaft, sagt Rotex-Projektleiter Gabriel Richner. Die restlichen 20 Prozent seien Arbeiten im Montage- und Transportbereich. Beim Einsatz am Sitterviadukt handelt es sich um beides. Zum einen fliegt Müller Baumstämme, zum anderen mit Gussasphalt gefüllte Behälter.

Dabei gibt es laut Richner drei Schwierigkeiten:

  1. Pilot André Müller sieht die Fahrleitungen nur schlecht. «Würde er sie touchieren, wäre das nicht gut.»
  2. Auf der Brücke wird gearbeitet.
  3. «Heute ist das Wetter gut. Aber Böen, Nebel, Schnee und Regen können die Arbeiten behindern oder verhindern.»

Späher beobachten «Flugshow»

Die Bäume fliegt Müller auf eine Wiese ob dem Gübsensee. Dort greift eine Baumaschine nach dem in der Luft schwebenden Stamm und packt ihn auf den Stapel. Äste und Zweige brechen. Den Rest erledigen zwei Arbeiter. Links Hackholz, rechts Nutzholz.

Die Äste werden von den Stämmen entfernt und die Stämme aufgeschichtet. (Bild: Marlen Hämmerli)

Die Äste werden von den Stämmen entfernt und die Stämme aufgeschichtet. (Bild: Marlen Hämmerli)

Ganz in der Nähe, oben an einer Kuppe, liegen eine Frau und ein Mann im Gras. Wie Späher beobachten sie mit Ferngläsern die Arbeiten. Der Helikopterlärm ist weitherum hörbar, kein Wunder zieht er Zuschauer an. Die «Flugshow» ist Teil der Totalsanierung des rund 110-jährigen Sitterviadukts.

Seit dem 6. Juli hat die Südostbahn (SOB) den Bahnbetrieb zwischen St.Gallen-Haggen und Herisau eingestellt. Derzeit werden die Hauptarbeiten an Brücke und Sturzeneggtunnel durchgeführt. Doch gleichzeitig ist es die Gelegenheit, um Bäume unterhalb der Vorlandbrücke zu fällen und abzutransportieren.

Das Sitterviadukt: die höchste Eisenbahnbrücke der Schweiz

(mha) Das Sitterviadukt besteht aus drei Teilen. Links und rechts erstrecken sich zwei Vorlandbrücken aus Naturstein. Dazwischen hängt der sogenannte Fischbauch, ein Halbparabel-Fachwerkträger aus Stahl. Das Viadukt wurde 1907 bis 1910 im Auftrag der Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) konstruiert und gebaut. Es misst 365 Meter und ist mit 99 Metern Höhe die höchste Eisenbahnbrücke der Schweiz, aber auch das höchste Bauwerk in der Region St.Gallen.

Bis vor einigen Jahren hielt das Viadukt einen weiteren Rekord, genauer der «Fischbauch». Das 1000 Tonnen schwere Teilstück war bis vor einigen Jahren das längste Stahlteil in einem Schweizer Bauwerk. Heute hält den Rekord eine Brücke im Wallis.

Das Sitterviadukt auf einer alten Postkartenansicht. Gerade fährt ein Zug von der Vorlandbrücke auf den «Fischbauch». Unten an der Sitter ist das Kraftwerk Kubel zu sehen. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Das Sitterviadukt auf einer alten Postkartenansicht. Gerade fährt ein Zug von der Vorlandbrücke auf den «Fischbauch». Unten an der Sitter ist das Kraftwerk Kubel zu sehen. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Bäume gefährden Brücke

Manche Bäume unter der Vorlandbrücke aufseiten des Tunnels waren zu gross geworden. Beinahe touchierten sie die Fahrleitungen. Zudem drohten die Bäume, die Brücke zu beschädigen. Als Beispiel: Eine grosse Buche kann pro Tag bis zu 500 Liter Wasser verdunsten, doch die Feuchtigkeit schadet der Brücke. «Ausserdem sahen wir nicht auf unseren Kontrollgängen nicht mehr gut dran», sagt SOB-Projektleiter Beat Burgherr. Aus all diesen Gründen müssen die Nadel- und Laubbäume weichen.

Sicht vom Hügel über dem Sturzeneggtunnel auf das Sitterviadukt, am Horizont sind Abtwil und St.Gallen sichtbar. Bis vor kurzem verdeckten Laubbäume den Blick auf das Viadukt, nun wurden sie gefällt. In der Mitte sind Holzsstümpe zu sehen. Links liegt der Bauplatz vor dem Tunneleingang. (Bild: Marlen Hämmerli)

Sicht vom Hügel über dem Sturzeneggtunnel auf das Sitterviadukt, am Horizont sind Abtwil und St.Gallen sichtbar. Bis vor kurzem verdeckten Laubbäume den Blick auf das Viadukt, nun wurden sie gefällt. In der Mitte sind Holzsstümpe zu sehen. Links liegt der Bauplatz vor dem Tunneleingang. (Bild: Marlen Hämmerli)

Abwechselnd fliegt Pilot André Müller Bäume und Behälter mit Gussasphalt. Weil im Sturzeneggtunnel ebenfalls gearbeitet wird, kann der Asphalt nicht durch diesen transportiert werden. In über die ganze Brücke zu transportieren, war auch nicht möglich. So blieb nur der Luftweg, um die Vorlandbrücke vor dem Tunnel zu asphaltieren.

Im Einsatz sind drei Behälter, drei Dumper und zwei Lastwagen mit Asphalt - insgesamt 40 Tonnen. Drei Arbeiter füllen neben dem Restaurant Bären den Asphalt in einen Behälter und fahren ihn mit einem Dumper ein Stück weg von den Lastwagen. Dort übergeben sie Dumper samt Behälter an den Helikopter, der damit zum Eingang des Tunnels fliegt, wo weitere Arbeiter warten.

Ein Arbeiter füllt Gussasphalt in den Behälter. (Bild: Marlen Hämmerli)Ein Arbeiter füllt Gussasphalt in den Behälter. (Bild: Marlen Hämmerli)
Der Helikopter hebt Behälter samt Dumper in die Luft. (Bild: Marlen Hämmerli)Der Helikopter hebt Behälter samt Dumper in die Luft. (Bild: Marlen Hämmerli)
So wird der Gussasphalt rüber zur Baustelle auf dem Sitterviadukt (rechts unten zu sehen) transportiert. (Bild: Marlen Hämmerli)So wird der Gussasphalt rüber zur Baustelle auf dem Sitterviadukt (rechts unten zu sehen) transportiert. (Bild: Marlen Hämmerli)
Der Dumper in der Luft. (Bild: Marlen Hämmerli)Der Dumper in der Luft. (Bild: Marlen Hämmerli)
Auf dem Sitterviadukt fährt ein Arbeiter den Dumper zur Stelle, wo gerade asphaltiert wird. (Bild: Marlen Hämmerli)Auf dem Sitterviadukt fährt ein Arbeiter den Dumper zur Stelle, wo gerade asphaltiert wird. (Bild: Marlen Hämmerli)
5 Bilder

Baustelle Sitterviadukt SOB

Rasch lösen sie den Dumper aus der Tragekonstruktion und befestigten einen leeren Behälter samt Dumper am Helikopterseil. Währenddessen fährt einer der Arbeiter schon los über die Vorlandbrücke bis zur Stelle, wo gerade asphaltiert wird. Dort wechselt er das Gefährt und ruckelt mit dem leeren Behälter über die Brücke zurück zum Platz vor dem Sturzeneggtunnel .

«Der Gussasphalt ist sehr wichtig», sagt SOB-Projektleiter Burgherr. «Er schützt die Abdichtung, vergleichbar mit einer Haut.» Denn würde die Abdichtung verletzt, könnte Wasser in die darunterliegende Betonwanne eindringen und bei Frost Schäden verursachen.

Korrosionsschutz wird bis 2021 erneuert

Während auf der einen Brückenseite der Helikopter fliegt, sind auf der anderen zwei Arbeiter in weissen Schutzanzügen damit beschäftigt, die Abdichtung aufzusprühen. Rund 40 Jahre lang schütze eine PVC-Folie die Betonwanne. Nun wurde sie entfernt - genau wie der Korrosionsschutz auf den Stahlteilen. Gerade tragen Arbeiter den neuen Anstrich auf – insgesamt 25 Tonnen Farbe.

Zwei Arbeiter in weisser Schutzkleidung sprühen die gelbe Abdichtung auf den Boden. (Bild: Marlen Hämmerli)

Zwei Arbeiter in weisser Schutzkleidung sprühen die gelbe Abdichtung auf den Boden. (Bild: Marlen Hämmerli)

Der alte Korrosionsschutz war bleihaltig. Damit keinerlei Staub in die Umwelt drang, stellten die Arbeiter über der Brücke rundum dichte Zelte auf und saugten die Luft ab. So herrschte in den Zelten ein dauernder Unterdruck.

Bis Frühling 2021 wird am Korrosionsschutz der Stahlteile gearbeitet. Der Grossteil der Arbeiten soll jedoch bis Ende September ausgeführt werden.

Einschränkungen für Bahnverkehr

Die Totalsanierung hat einige Einschränkungen für den Bahnverkehr zur Folge. Bis zum 9.August, also bis zum Ende der Sommerferien dauert die Vollsperrung zwischen St.Gallen-Haggen und Herisau. Zwischen St.Gallen, dem Bahnhof Haggen und Herisau verkehren Bahnersatzbusse. Die Reisezeit verlängert sich um 13 bis 17 Minuten. Der Online-Fahrpane ist aktualisiert. Die Züge zwischen Bahnhof Haggen und St.Gallen fahren nach Regelfahrplan.

Vom 15. bis 27.September wird der Bahnverkehr wie schon zwischen April und Juli am Abend eingeschränkt. In den Nächten von Sonntag auf Montag bis Donnerstag auf Freitag fallen die Züge von 22.15 bis 5.15 Uhr aus.

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