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Carl Ehrhardt wurde als 15-Jähriger Techniker in der St.Galler Kellerbühne - nun geht er

Carl Ehrhardt verlässt die Kellerbühne Ende Saison. 23 Jahre lang war der 38-Jährige für Ton und Licht zuständig, nun zügelt er nach Berlin.
Marlen Hämmerli
Carl Ehrhardt muss ab und an Scheinwerfer auch von Hand einrichten und bei älteren Modellen farbige Filter vor die Lampe setzten.

Carl Ehrhardt muss ab und an Scheinwerfer auch von Hand einrichten und bei älteren Modellen farbige Filter vor die Lampe setzten.

Mehr als sein halbes Leben hat Carl Ehrhardt für die Kellerbühne gearbeitet – jetzt geht er. Mit 15 Jahren begann der damalige Kantischüler bei der Kellerbühne als Techniker. Schnell stieg er zum stellvertretenden Technischen Leiter auf, bis er schliesslich selbst die Leitung übernahm.

Zur Kellerbühne kam der Stadtsanktgaller über seine Mutter. Denn das Flair für die Bühne liegt dem Hobbyschauspieler im Blut. Seine Mutter ist Schauspielerin und Operetten­soubrette, war lange am Theater St.Gallen engagiert. So umgaben den heute 38-Jährigen schon als Bub Gesang, Theater und Musik. Oft stand Ehrhardt auf der Bühne, in Nebenrollen oder als Statist – und schaute nebenbei den Technikern über die Schulter.

Mit Zielgenauigkeit zum Job

Das Gelernte setzte Ehrhardt an den Proben für «Der Mann von La Mancha» ein. Kurt Schwarz, damaliger Leiter der Kellerbühne, inszenierte das Stück für den Verein Open Opera. Carl Ehrhardts Mutter spielte darin die Haushälterin. So war auch Ehrhardt an den Proben dabei und musste ein Playback einspielen, wobei ihm sein musikalisches Gehört zugutekam. «Den richtigen Zeitpunkt zu treffen war nicht einfach, aber ich stellte mich nicht schlecht an.» Daraufhin fragte Schwarz ihn, ob er für die Kellerbühne «noch mehr mit Technik machen will». Ehrhardt wollte – ein Glücksfall für die Kellerbühne, wie sich zeigen sollte.

Jeder Scheinwerfer hat einen eigenen Eingang.

Jeder Scheinwerfer hat einen eigenen Eingang.

Denn Ehrhardt erneuerte die Technik der Kellerbühne. Ein Beispiel: Als er anfing, hingen 16 Scheinwerfer, mittlerweile sind es rund 50. Auch tontechnisch wurde laut Ehrhardt stark ausgebaut. «Die Tonanlage ist nun geeignet für Konzerte, Theateraufführungen aber auch Lesungen.» Zudem sitzt der Techniker heute nicht mehr hinter der Bühne, sondern im Zuschauerraum. «Das kostete zehn Sitzplätze, dafür gewannen wir an Qualität», sagt Ehrhardt. Denn hinter der Bühne sah und hörte der Techniker nicht, was er tat, wie das Licht wirkte, ob es überhaupt funktionierte. «Um den Ton zu prüfen, schlich ich neben die Bühne und lauschte durch eine Vorhangritze.»

Vom Mischpult aus bedient der Techniker Ton und Licht.

Vom Mischpult aus bedient der Techniker Ton und Licht.

Etwa drei bis vier Abende pro Monat arbeitet Carl Ehrhardt in der Kellerbühne. Für seine Einsätze fährt er von Bern nach St.Gallen. Seit sechs Jahren ist der Informatiker für das Inselspital Bern tätig. Dort ist er für die Weiterentwicklung und den Support des Klinikinformationssystems zuständig, das Programm, in dem alle Daten der Patienten gespeichert und verwaltet werden.

Mit dem Tesla in die Ostschweiz

Zwar nimmt Ehrhardt auch ab und zu den Zug, oft aber braust er mit seinem weissen Tesla in die Ostschweiz. «Da zeigt sich wohl die Technikaffinität», sagt er. Dabei kannte Ehrhardt die Marke lange nicht. Zufällig stiess er darauf, als ihn auf der Autobahn ein schnittiges Auto überholte. «Ich fand, das Auto sehe gut aus, glaubte aber nicht, dass es als Elektroauto eine grosse Reichweite hat.» Eine Recherche widerlegte das Vorurteil.

Im Sommer zügelt Ehrhardt nun nach Berlin. Der Liebe wegen. Seine Freundin stammt aus Deutschland und nun zieht es sie zurück. Die Kellerbühne hat noch keinen Nachfolger für Ehrhardt gefunden. «Junge Techniker, die sich für die Stelle interessieren, können sich melden», sagt Matthias Peter, Leiter des Kleintheaters. Obwohl Ehrhardt die Kellerbühne verlässt: Im Notfall werde er immer noch bereitstehen. «Aber bei aller Liebe: Für ein übersehenes ausgestecktes Kabel ist mir der Weg von Berlin nach St.Gallen zu weit.»

Eine neue Stelle in Berlin hat Ehrhardt bereits in Aussicht. «Eine mit interessanten Möglichkeiten.» Mehr möchte er nicht sagen. «Da bin ich abergläubisch. Ein wenig wie ein Schauspieler.»

Kleintheater im Mostkeller

Die Kellerbühne an der St.-Georgen-Strasse 3 befindet sich in einem alten Mostkeller. Das Kleintheater wurde 1964 gegründet, nachdem 1955 und 1962 in St.Gallen die ersten Kabaretts entstanden waren. Sieben Intendanten prägten und prägen die Kellerbühne seither. Matthias Peter, aktuell Leiter des Kleintheaters, trieb mehrere Umbauten voran. So wurden etwa die Stühle ersetzt, die 1972 aus der Tonhalle übernommen worden waren. Heute konzentriert sich das Programm auf Chanson, Kabarett und Schauspiel.

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