Heldin im Schatten der Stürmerinnen – Nicole Sieber ist Stammgoalie bei Waldkirch-St.Gallen

Nicole Sieber steht seit sieben Jahren im Tor. Eine unpopuläre Position mit grosser Wichtigkeit.

Robin Bleiker
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Nicole Sieber, entspannt und stilsicher im Tor von Waldkirch-St.Gallen.

Nicole Sieber, entspannt und stilsicher im Tor von Waldkirch-St.Gallen.

Bild: Nik Roth

Cristiano Ronaldo und Lionel Messi im Weltfussball, Michael Schiess und Livia Resegatti im Ostschweizer Unihockey. Oft hört man im Sport vor allem die Namen der erfolgreichen Angreifer. Das für das Auge spektakulärere Spiel in der Offensive, sei es nun im Fussball oder im Unihockey, bekommt von der Öffentlichkeit die grösste Aufmerksamkeit.

Um erfolgreich zu sein muss jedoch das gesamte Team eine gute Leistung abrufen. Angreifer können nur ihr volles Potential ausschöpfen, wenn sie eine solide Defensive hinter sich haben. Diese wiederum muss sich auf den Torhüter verlassen können. Torhüter, die oftmals unbesungenen Helden.

Mentalität und Fatalität – Die letzte Verteidigung

Die 20-jährige Nicole Sieber ist Stammgoalie bei Waldkirch-St.Gallen. Die Kernkompetenz einer Torhüterin im Unihockey ist die Fähigkeit, das Spiel richtig zu lesen. «Man kann sich sehr viele Vorteile verschaffen, wenn man schon weiss, woher der Gegner kommt und was er macht, ob er noch einen Pass spielt oder eher schiesst», so Sieber.

Im Umschaltspiel muss die Torfrau schnell reagieren, um mit einem guten Auswurf gefährliche Konter lancieren zu können. «Ich denke da passiert sehr vieles intuitiv», sagt Sieber. Eine der grössten Herausforderungen im Tor kann der Zuschauer jedoch von aussen nicht beobachten. Gemeint ist die mentale Bereitschaft. Sieber sagt:

«Mir persönlich fällt es leichter, wenn wir ein Spiel haben, bei dem ich immer aktiv dabei sein muss».

Bei Partien mit schwächeren Gegnern sei es schwieriger, sich zu fokussieren, da sich der Ball oft in den eigenen Reihen befindet und die Torfrau über längere Zeit keinen aktiven Einsatz hat. «Es gibt verschiedene Atemtechniken. Zum Beispiel dass man wenn der Ball in der Nähe ist die Atmung beschleunigt, um wieder aktiver zu werden», sagt Sieber.

Die Torhüterin ist als Einzige über die kompletten 60 Minuten im Spiel. Die Wichtigkeit ihrer Aufgabe zeigt sich auch in den fatalen Konsequenzen bei Fehlern. Wenn eine Feldspielerin unaufmerksam ist, geraten möglicherweise die Gegnerinnen in Ballbesitz. Nur im schlimmsten Fall ergibt sich daraus eine Torchance. Wenn jedoch die Torhüterin nur einmal bei einem Angriff nicht bereit ist, folgt daraus sehr wahrscheinlich ein Gegentor.

Die wichtige Rolle der Torhüterin

Die St.Galler Torfrau ist in ihrer siebten Saison im Tor. Als Goalie hat sie verschiedene Funktionen. «Man kann in gewissem Masse das Spiel auch entscheiden», so Sieber. Wichtig sei die Ausstrahlung und Präsenz im Tor. Die Mitspielerinnen können «in Ruhe» die Partien bestreiten, wenn sie eine stilsichere Torhüterin hinter sich haben. Auch in der Kommunikation hat diese eine zentrale Rolle, denn sie koordiniert die Defensive.

Von aussen betrachtet hat es manchmal den Anschein, dass Torhüter einen etwas undankbaren Job innerhalb eines Teams haben. Solide Leistungen werden oft nicht wahrgenommen oder nicht gleich wertgeschätzt, wie beispielsweise jene eines Angreifers, der mit einem Treffer die Fans jubeln lässt.

Ein undankbarer Job? Nicht für Sieber

Auch werden Torhüter oft gescholten für Patzer. Ein prominentes Beispiel dafür ist der ehemalige Goalie des FC Liverpool, Loris Karius, der im Finale der Champions League 2018 gegen Real Madrid mit zwei groben Fehlern dem Gegner den Sieg bescherte. All die guten Leistungen werden dabei gerne vergessen. Dies ist bei den Frauen von Waldkirch-St.Gallen jedoch nicht der Fall.

Sieber sagt, dass über gute Leistungen genauso gesprochen werde, wie über negative. Kritisiert wird sie von ihren Mitspielerinnen jedoch nicht für Fehler, sondern viel mehr ermutigt, weiter zu machen. Sie spielt sehr gerne auf ihrer Position. Es mache ausserdem viel Spass, wenn man gute Paraden zeigen könne und dafür auch von den Teamkameradinnen gelobt werde.

Gegen die Besten

In den NLB-Playoff-Halbfinals spielen die Frauen von Waldkirch-St. Gallen gegen die Floorball Riders aus Zürich, die Ersten der Qualifikationsrunde. Gespielt wird der Modus Best-of-3. Im ersten Aufeinandertreffen verloren die St. Gallerinnen mit 2:5. Nicole Sieber ist bezüglich des Finaleinzuges dennoch optimistisch. Der Gegner sei sehr stark. Wenn die Ostschweizerinnen aber mental zu einhundert Prozent bereit seien, hätten sie sehr gute Chancen. Das nächste Spiel findet am Samstag um 19 Uhr in der Sporthalle Tal der Demut statt. (rbl)