Helden des Alltags
Der Superheld aus Bruggen und die Superheldin aus dem Lachen-Quartier: So will die Stadt St.Gallen die Bevölkerung für weniger Energieverbrauch gewinnen

Vier Städterinnen und Städter werden zu Comicfiguren, weil sie ihren Energieverbrauch gesenkt haben. Auf dem Weg zum Klimaziel Netto Null nimmt die Stadt St.Gallen auch den Konsum von Privaten unter die Lupe.

Sandro Büchler
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Der 58-jährige Bauingenieur Enrico Romano aus Bruggen hat die Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt – und so im ehemaligen Tankraum nun Platz für seine Fitnessgeräte.

Der 58-jährige Bauingenieur Enrico Romano aus Bruggen hat die Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt – und so im ehemaligen Tankraum nun Platz für seine Fitnessgeräte.

Bild: Sandro Büchler (20.09.2021)

Gotham City hat Batman, St.Gallen hat Herr Mäder. Doch der erhält nun Konkurrenz. Denn die Stadt St.Gallen hat vier neue Heldinnen und Helden des Alltags: Enrico aus Bruggen, Ursula aus Winkeln sowie Markus und Christine aus der Lachen. Doch während Herr Mäder fiktiv ist, entspringen die neusten Superheldinnen und -helden einem realen Vorbild.

Geschaffen hat die Comicfiguren der Illustrator Jonathan Nemeth im Auftrag der Stadt. Sie will bis 2050 klimaneutral sein, sprich den CO2-Ausstoss bis dahin auf Null Tonnen reduzieren und fossile Energien vollständig durch erneuerbare ersetzen. Dazu baut die Stadt das Fernwärmenetz als Alternative zu Öl und Gas aus, fördert Photovoltaik, will die Busflotte bis 2030 komplett elektrifizieren, den Fuss- und Veloverkehr attraktiver gestalten und die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität ausbauen.

Stadt ruft Bevölkerung zu Energiespartipps auf

Stadtrat Peter Jans, Vorsteher der Technischen Betriebe der Stadt St.Gallen.

Stadtrat Peter Jans, Vorsteher der Technischen Betriebe der Stadt St.Gallen.

Bild: Sandro Büchler (20.09.2021)

«Doch um das ehrgeizige Ziel Netto Null zu erreichen, braucht es nicht nur die Stadt und die Wirtschaft, sondern auch Änderungen im Konsumverhalten jedes Einzelnen», sagt Stadtrat Peter Jans. Es brauche kleine Heldentaten von Stadtsanktgallerinnen und -sanktgallern auf dem Weg zur grünen Stadt.

Die Stadt hat in der Vergangenheit mit der Kampagne «Watt bin ich» die Bevölkerung aufgerufen, ihre Tipps und Tricks zur Energiereduktion einzusenden.

Aus den 300 Einsendungen hat die Stadt vier Personen herausgegriffen und deren «Heldentat» als Comic verewigt. In den kommenden zwei Wochen sind die Bilder auf dem Kornhausplatz und am Bohl zu bewundern. Die Stadt ruft dazu auf, weitere Tipps und Tricks auf www.watt-bin-ich.ch einzusenden und verlost unter den Teilnehmenden zwei Übernachtungen in den Bündner Bergen und 1000 Sofortpreise.

Fünf Storchenständer mit zwei Superhelden-Comics sind auf dem Bohl zu sehen.

Fünf Storchenständer mit zwei Superhelden-Comics sind auf dem Bohl zu sehen.

Bild: Sandro Büchler (20.09.2021)

Stadtrat Jans betont am Montag an der Präsentation der Comics, dass man den Klimawandel weltweit aber auch lokal abbremsen müsse.

«Wie nötig der Klimaschutz ist, hat gerade dieses Jahr gezeigt: Mit Starkniederschlägen in der einen Region, mit Waldbränden in der anderen Region.»

Jans sagt, die Stadt St.Gallen engagiere sich seit 15 Jahren mit dem Energiekonzept 2050 für eine nachhaltige und erneuerbare Energiezukunft. Zudem habe die Stadtbevölkerung der Zielsetzung, bis im Jahr 2050 klimaneutral zu werden, im vergangen September mit knapp 80 Prozent deutlich zugestimmt. «Es braucht daher nicht nur grosse Schritte, sondern vor allem auch viele kleine Schritte.»

Carsharing statt eigens Auto, Sense statt Rasenmäher

Maja Bretscher, Umwelt und Energie der Stadt St.Gallen.

Maja Bretscher, Umwelt und Energie der Stadt St.Gallen.

Bild: Sandro Büchler (20.09.2021)

Laut Maja Bretscher von Umwelt und Energie der Stadt verursache beispielsweise jeder Städter pro Jahr 330 Kilogramm Foodwaste. Sie sagt auch, dass im Stadtgebiet 37'000 Personenwagen registiert sind.

«Wir wollen aufzeigen, dass man mit einfachen Mitteln den Energieverbrauch senken kann.»

Deshalb zeigten die in den Comics festgehaltenen Heldinnen und Helden vorbildliche Beispiele. «Denn jeder und jede kann einen Unterschied machen.» Dies wolle man mit Leuten von hier aufzeigen.

Das ist zum Beispiel Ursula aus Winkeln: Sie verzichtet auf ein eigenes Auto und nutzt stattdessen Carsharing. Da ist Markus aus dem Lachen-Quartier, der statt zum Rasenmäher zur Sense greift und so nicht nur keinen Lärm und keine Abgase produziert, sondern erst noch seinen Körper fit hält. Superheldin Christine zieht Früchte und Gemüse im eigenen Garten und tauscht es mit einer Nachbarin gegen frische Eier.

Der vierte Superheld im Bunde ist der 58-jährige Bauingenieur Enrico Romano aus dem Bruggen-Quartier: An der Präsentation des Comics auf dem Kornhausplatz ist er zu Gast. Romano hat seine Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt – und so im ehemaligen Tankraum nun Platz für seine Fitnessgeräte. Er betrachtet sein Ebenbild:

Enrico Romano betrachtet sich selbst.

Enrico Romano betrachtet sich selbst.

Bild: Sandro Büchler (20.09.2021)
«Der Illustrator hat mich nicht schlecht getroffen.»

Einige würden ihn sicherlich in dem Comic erkennen. Diese seien ein guter Weg, um aufzuzeigen, was der oder die Einzelne tun könne. Romano berechnet in seinem Beruf, wie Gebäude energetisch verbessert werden können. «Deshalb war es für mich auch klar, dass ich mein Konterfei für den Comic hergebe. Denn es geht ja um die Sache.» Er verkörpere in den Comics ja auch keine Witz-, sondern eine Heldenfigur.

In den kommenden zwei Wochen sind die Bilder auf dem Kornhausplatz beim St.Galler Hauptbahnhof und am Bohl zu bewundern.

In den kommenden zwei Wochen sind die Bilder auf dem Kornhausplatz beim St.Galler Hauptbahnhof und am Bohl zu bewundern.

Bild: Sandro Büchler (20.09.2021)

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